Schlech­ter be­zahlt

Im Krieg be­nö­tig­te die Stadt­ver­wal­tung Frau­en

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Lie

Auf ein­mal wa­ren die Frau­en ge­fragt bei der Stadt­ver­wal­tung Karls­ru­he. Mit der Mo­bil­ma­chung der Män­ner, die 1914 in den Krieg ge­schickt wur­den, wa­ren auf ei­nen Schlag vie­le Ar­beits­plät­ze nicht be­setzt. Die Hälf­te der Be­am­ten und über ein Drit­tel der Ar­bei­ter fehl­ten der Kom­mu­nal­ver­wal­tung in der Fä­cher­stadt. Zu­nächst wag­ten die Ho­no­ra­tio­ren noch nicht, Frau­en für ganz un­üb­li­che Tä­tig­kei­ten ein­zu­set­zen. Nur Gar­ten- oder Schreib­ar­bei­ten wur­de dem weib­li­chen Ge­schlecht zu­ge­traut. Aber 1915 stell­te das Tief­bau­amt für Stra­ßen­rei­ni­gung oder Stra­ßen­un­ter­halt 20 Frau­en ein. Ein gänz­lich un­ge­wohn­tes Bild in mon­ar­chi­scher, pa­tri­ar­cha­ler Zeit, dass We­sen in Rö­cken sich bei öf­fent­li­chen Ar­bei­ten zeig­ten und nicht nur für Kin­der und Kü­che zu­stän­dig wa­ren. Der Man­gel an Män­nern ver­stärk­te sich mit den Kriegs­jah­ren, weil im­mer mehr Sol­da­ten in blu­ti­gen Schlach­ten in den Tod ge­schickt wur­den. So über­nah­men Frau­en auch die Ar­beit in Stra­ßen­bah­nen Karls­ru­hes – als Schaff­ne­rin­nen und ei­ni­ge we­ni­ge Fah­re­rin­nen. „Sie wur­den al­ler­dings schlech­ter be­zahlt als ih­re Kol­le­gen“, weiß Stadt­ar­chi­var Ernst Otto Bräun­che. Noch schnel­ler „ein­ge­zo­gen“wur­den die Frau­en in die Rüs­tungs­fa­bri­ken. Die Deut­schen Waf­fen und Mu­ni­ti­ons­fa­bri­ken in Karls­ru­he be­schäf­tig­ten an­fangs 5 500 Men­schen, spä­ter bis zu 9 000. Die Mehr­zahl wa­ren Frau­en. Weil das Ge­schäft mit dem Krieg so gut lief, wur­de ei­ne Er­wei­te­rung der Fa­b­rik in der Süd­west­stadt ge­plant. So ent­stan­den die rie­si­gen Licht­hö­fe, in de­nen das ZKM heu­te un­ter­ge­bracht ist. Al­ler­dings war die neue Fa­b­rik für Mu­ni­ti­ons­ma­schi­nen und Ge­schoss­hül­sen erst kurz vor Kriegs­en­de 1918 fer­tig­ge­stellt.

Bestaun­te neue Tä­tig­keit: Frau­en bei der Stra­ßen­rei­ni­gung am Karls­ru­her Markt­platz. Ab 1915 stell­te die Stadt­ver­wal­tung Frau­en ein, um die in den Krieg ein­ge­zo­ge­nen Ar­bei­ter zu er­set­zen. Fo­to: Stadt­ar­chiv KA

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.