Gol­de­ne Zei­ten

Neu­es Er­schei­nungs­bild fürs Ba­di­sche Lan­des­mu­se­um

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Annette Bor­chardt-Wen­zel

Woran er­kennt man ei­nen „Kul­tur­trä­ger“? Be­stimmt nicht im­mer, aber bald wohl im­mer öf­ter an ei­ner wei­ßen Pa­pier­ta­sche, auf der in gol­de­nen Buch­sta­ben die eh­ren­de Be­zeich­nung prangt. Wer ge­nau­er hin­schaut, liest zu­dem: „Ba­di­sches Lan­des­mu­se­um“. Und wird da­mit au­gen­zwin­kernd auf ei­ne In­sti­tu­ti­on hin­ge­wie­sen, die mög­lichst al­le Bür­ger am Kul­tur­le­ben teil­ha­ben las­sen möch­te. Da­zu soll ein neu­es Er­schei­nungs­bild des Mu­se­ums bei­tra­gen, das sämt­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­und Wer­be­mit­tel um­fasst. „Un­ser al­tes De­sign ist wirk­lich alt“, sagt Mu­se­ums­chef Eck­art Köh­ne. Was er kei­nes­wegs ab­wer­tend meint: Tat­säch­lich sei das bis­he­ri­ge „Cor­po­ra­te De­sign“des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums ei­nes der ers­ten über­haupt in der Mu­se­ums­land­schaft ge­we­sen und ha­be Maß­stä­be ge­setzt. Das Lo­go, das in den 1990er Jah­ren ent­wi­ckelt wur­de, be­stand aus ei­ner Bild­mar­ke mit ei­nem sti­li­sier­tem Karls­ru­her Schloss so­wie dem Text „Ba­di­sches Lan­des­mu­se­um Karls­ru­he“. Nichts ge­gen Karls­ru­he und sein Schloss – aber zum Ba­di­schen Lan­des­mu­se­um (BLM) ge­hö­ren ne­ben dem Haupt­sitz in­zwi­schen et­li­che Au­ßen­stel­len und Zweig­mu­se­en – auch au­ßer­halb der Fä­cher­stadt. Und Be­su­cher, et­wa des Mu­sik­au­to­ma­ten­mu­se­ums im Bruch­sa­ler Schloss, des Ke­ra­mik­mu­se­ums St­au­fen oder des Klos­ter­mu­se­ums Sa­lem am Bo­den­see dürf­ten durch die stän­di­ge Be­schwö­rung Karls­ru­hes eher ir­ri­tiert sein. Es soll­te da­her ei­ne neue „Dach­mar­ken-Stra­te­gie“her. Dem BLM-Chef er­schien sie um­so wich­ti­ger, als er lang­fris­tig ein ra­di­kal neu­es Mu­se­ums­kon­zept um­set­zen möch­te. Eck­art Köh­ne schwebt ein of­fe­nes Haus vor, das sämt­li­che Samm­lungs­ob­jek­te für al­le Bür­ger zu­gäng­lich macht. Er will kul­tu­rel­le Iden­ti­tät ver­mit­teln und zugleich Fra­gen der Ge­gen­wart ver­han­deln. Da­für gilt es zu trom­meln: „Wir möch­ten un­se­re ein­zig­ar­ti­gen Ob­jek­te und hoch­ka­rä­ti­gen Ausstellungen mo­dern, prä­gnant und bild­ge­wal­tig prä­sen­tie­ren.“ Rund ein Jahr lang ha­ben die Mar­ke­tin­gLeu­te des BLM mit der De­sign-Agen­tur Sä­gen­vier aus Ös­ter­reich am neu­en Auf­tritt ge­tüf­telt – und mit dem Jah­res­wech­sel bre­chen am Lan­des­mu­se­um gol­de­ne Zei­ten an: Von die­ser Far­be näm­lich wird das künf­ti­ge Er­schei­nungs­bild ge­prägt. Zu­dem setzt man auf die Wort­mar­ke „Ba­di­sches Lan­des Mu­se­um“. „Sie er­hält die Funk­ti­on ei­ner über­grei­fen­den Klam­mer“, er­läu­tert Ka­trin Lor­beer, die Lei­te­rin des BLM-Re­fe­ra­tes PR & Mar­ke­ting. Will hei­ßen: Zwi­schen „Ba­di­sches Lan­des“und „Mu­se­um“wer­den künf­tig die ver­schie­de­nen BLM-Stand­or­te ein­ge­blockt: Schloss Neu­en­bürg et­wa oder Klos- ter­mu­se­um Hir­sau. „Das ent­spricht dem Selbst­ver­ständ­nis des Mu­se­ums“, sagt Ka­trin Lor­beer: „Das Ba­di­sche Lan­des­mu­se­um bil­det den Rah­men für die un­ter­schied­lichs­ten An­ge­bo­te und Ver­an­stal­tun­gen.“Und das ist der Witz da­bei: Der Rah­men passt im­mer – er kann mit den al­len mög­li­chen In­hal­ten ge­füllt wer­den: Auf Vi­si­ten­kar­ten bei­spiels­wei­se mit dem Na­men des je­wei­li­gen BLM-Mit­ar­bei­ters und auf der wei­ßen Tra­ge­ta­sche mit dem gol­di­gen Hin­weis „Kul­tur­trä­ger“. Für ei­nen Ku­gel­schrei­ber, der zum neu­en BLM-Wer­be­sor­ti­ment ge­hört, ha­ben sich die Mar­ke­ting-Leu­te das hüb­sche Wort „Ge­schichts­schrei­ber“aus­ge­dacht. Auch Pla­ka­te, Pro­spek­te und Aus­stel­lungs­ka­ta­lo­ge sol­len sich künf­tig der neu­en Wort­mar­ke be­die­nen – und im Zu­sam­men­spiel mit un­ge­wöhn­li­chen Ob­jekt­fo­to­gra­fi­en neu­gie­rig ma­chen auf das ver­spro­che­ne Kul­tur­er­leb­nis. Dass Pla­ka­te und Pro­spek­te oft nur De­tails von Ex­po­na­ten oder un­schar­fe Mo­tiv­auf­nah­men zei­gen wer­den, ge­hört zur Stra­te­gie: „Die fo­to­gra­fi­sche Wie­der­ga­be gibt nicht al­les preis und soll Lust dar­auf ma­chen, das Ori­gi­nal im Mu­se­um an­zu­se­hen“, sagt Ka­trin Lor­beer. Auf dem neu­en, groß­for­ma­ti­gen Jah­res­ma­ga­zin mit dem Ti­tel „Un­ver­gäng­li­che Au­gen­bli­cke“, das ab Ja­nu­ar das bis­he­ri­ge Quar­tals­pro­gramm „BLM ak­tu­ell“er­setzt, wird die­ser Trick eben­falls an­ge­wandt. Aber war­um setzt das Lan­des­mu­se­um farb­lich aus­ge­rech­net auf mat­tes Gold? Da kommt dann doch wie­der das Karls­ru­her Schloss ins Spiel: Gold passt halt so gut zur ba­ro­cken Fas­sa­de des Ge­bäu­des, in der das Ba­di­sche Lan­des­mu­se­um sei­nen Haupt­sitz hat – man den­ke nur an die Bal­kon­ge­län­der über dem Be­su­cher­ein­gang. Au­ßer­dem, so Ka­trin Lor­beer, neh­me man da­mit auf Schwarz-Gold, die Lan­des­far­ben Ba­denWürt­tem­bergs, Be­zug: „Schwarz steht für Würt­tem­berg – aber in Ba­den ist al­les Gold.“Ein Ar­gu­ment, das auch tra­di­ti­ons­be­wuss­te Mu­se­ums­be­su­cher auf die Sei­te der „Re­for­mer“zie­hen dürf­te.

… wie das ba­ro­cke Ge­län­der über dem Haupt­ein­gang des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums. Fo­to: bo

Edel: Die neu­en Vi­si­ten­kar­ten der BLM-Mit­ar­bei­ter sind gol­den … Fo­to: @ BLM/Th. Gold­schmidt

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