Kunst­werk mit Re­kord

Welt­größ­ter Holz­schnitt in Karls­ru­he

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Lie

Zu­nächst denkt man an ein Ge­bäu­de. An ei­nen Turm in der Mit­te, mit Sei­ten­bau­ten vol­ler Gie­beln und Fens­ter. Tritt man in der Kunst­hal­le Karls­ru­he nä­her an das ei­ne Sei­ten­wand aus­fül­len­de Werk her­an, sind ver­schie­den lan­ge Pa­pier­bah­nen zu er­ken­nen, auf de­nen das „Ge­bäu­de“ab­ge­bil­det ist. Die „Fens­ter“be­ste­hen aus Ab­bil­dun­gen von be­krön­ten oder waf­fen­tra­gen­den Men­schen. Die klei­nen Bil­der wol­len kein En­de neh­men auf die­sem über­wäl­ti­gend gro­ßen Werk. Es ist auf 36 Pa­pier­bö­gen ge­stal­tet, die ei­ne Flä­che von fast zehn Qua­drat­me­tern ein­neh­men. Um den Schwarz-Weiß-Druck zu er­mög­li­chen, wa­ren 195 Druck­stö­cke nö­tig. Da­mit ist die­se „Eh­ren­pfor­te Kai­ser Ma­xi­mi­li­ans I.“das größ­te Kunst­werk, das je in der Tech­nik des Holz­schnitts ge­schaf­fen wur­de. Al­brecht Dü­rer ge­hör­te mit zum Kreis der Krea­ti­ven für das 1517 in ers­ter Auf­la­ge er­schie­ne­ne Mo­nu­men­tal­werk. Es han­delt sich um ei­nen bild­ne­ri­schen Tri­umph­bo­gen mit an­ti­ken und spät­mit­tel­al­ter­li­chen Stil­ele­men­ten. Dar­ge­stellt sind Ruh­mesta­ten und Tu­gen­den des deut­schen Kai­sers Ma­xi­mi­li­an I. (1459 bis 1519), sein Stamm­baum, sei­ne Vor­gän­ger und wich­ti­ge ge­schicht­li­che Er­eig­nis­se. So wie der Kai­ser in sei­ner Po­li­tik auf Höchs­tes und Grenz­über­schrei­ten­des aus­ge­rich­tet war, so soll­te das Auf­trags­werk den Herr­scher in gran­dio­ses Licht rü­cken. Die Kunst­hal­le zeigt die „Eh­ren­pfor­te“in­ner­halb der Aus­stel­lung „Dou­ble Vi­si­on“mit Druck­gra­fik von Al­brecht Dür­rer und des Ge­gen­warts­künst­lers Wil­li­am Ken­tridge. Der glo­bal tä­ti­ge Süd­afri­ka­ner hat sich im­mer wie­der mit Tech­nik und Mo­ti­ven des deut­schen Meis­ters der Re­nais­sance be­schäf­tigt. Und bei­de ha­ben ein be­rühm­tes Tier­mo­tiv im Re­per­toire: das Rhi­no­ze­ros. 110 Wer­ke von bei­den zeigt die gro­ße Aus­stel­lung mit vie­len sonst im De­pot schlum­mern­den Dü­rer-Dru­cken der Kunst­hal­le. Die Schau selbst stammt aus Berlin. Das dor­ti­ge Kup­fer­stich­ka­bi­nett und die Freie Uni­ver­si­tät ha­ben „Dou­ble Vi­si­on“ent­wi­ckelt. Mit ei­nem theo­re­ti­schen An­satz, der sich in sie­ben kom­ple­xen Aus­stel­lungs­und Ka­ta­log­ka­pi­teln nie­der­schlägt.

Al­brecht Dü­rer wirk­te mit bei der Gestal­tung ei­nes Rie­sen­holz­schnitts. Die­se 1517 erst­mals ge­druck­te „Eh­ren­pfor­te Kai­ser Ma­xi­mi­li­ans“ist in der Kunst­hal­le Karls­ru­he in­ner­halb der Schau Dou­ble Vi­si­on zu se­hen. Fo­to: SKK

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