Ein Buch über das Le­ben

„Die Er­de und ich“lädt zum Stö­bern ein

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Avs

Die Er­de und ich“soll ein Rei­se­füh­rer sein: Ver­schie­de­ne Fa­cet­ten des Le­bens, sei­ner Ent­ste­hung und sei­ner mög­li­chen Zu­kunft wer­den von Ex­per­ten be­schrie­ben, kom­ple­xe Ein­zel­hei­ten eben­so wie über­ge­ord­ne­te Struk­tu­ren. Groß­ar­tig sind vor al­lem die Gra­fi­ken und Il­lus­tra­tio­nen des Bu­ches. Far­ben­froh, aus­drucks­stark und pla­ka­tiv be­glei­ten die Ar­bei­ten des Zeich­ners Jack Hud­son die Tex­te – ei­ni­ge im Groß­for­mat auf aus­klapp­ba­ren Sei­ten. Ziel der Bei­trä­ge in „Die Er­de und ich“sei es, dem Le­ser ei­ne Rei­he von Werk­zeu­gen an die Hand zu ge­ben, mit de­nen er über sei­nen Platz auf un­se­rem Pla­ne­ten nach­den­ken kön­ne, er­klärt Mar­le­ne Ta­schen vom Her­aus­ge­ber-Ver­lag Ta­schen im Vor­wort. Zu den Au­to­ren zäh­len der No­bel­preis­trä­ger Eric Kan­del, der mit dem Pu­lit­zer-Preis aus­ge­zeich­ne­te Bio­lo­ge Ed­ward Wil­son und die Quan­ten­phy­si­ke­rin Li­sa Ran­dall. Ei­ni­ge der zwölf Tex­te sind über­ar­bei­te­te Aus­zü­ge aus Bü­chern oder Fach­bei­trä­gen. Das Buch geht zu­rück auf ei­ne Idee von Ja­mes Lo­ve­lock, Mit­be­grün­der der Gaia-Hy­po­the­se, bei der die Er­de und ih­re Bio­sphä­re wie Le­be­we­sen be­trach­tet wer­den. „Mei­ne Sicht­wei­se für die Er­de als Gaia, die ich erst­mals 1965 am Jet Pro­pul­si­on La­ba­ra­to­ry der Na­sa kon­zi­pier­te, ist mitt­ler­wei­le 50 Jah­re alt“, schreibt der Che­mi­ker, Bio­phy­si­ker und Me­di­zi­ner. „Im­mer noch ist sie ei­ne Hy­po­the­se, aber auch wenn sie der Ge­gen­stand vie­ler Kon­tro­ver­sen war, ist sie bis heu­te nicht wi­der­legt.“Die Ent­wick­lungs­ge­schwin­dig­keit vie­ler vom Men­schen ge­schaf­fe­ner Pro­duk­te lie­ge – et­wa beim Com­pu­ter – ei­ne Mil­li­on Mal hö­her als die der bio­lo­gi­schen Evo­lu­ti­on, er­klärt Lo­ve­lock. Zwi­schen dem ers­ten Flug ge­fie­der­ter Ech­sen und den ele­gan­ten Mö­wen un­se­rer Ta­ge lä­gen mehr als 100 Mil­lio­nen Jah­re, zwi­schen dem ers­ten Mo­tor­flug der Brü­der Wright und den schnit­ti­gen Flug­zeu­gen heu­ti­ger Ta­ge nur 100 Jah­re. „Vie­le Men­schen hal­ten es für un­se­re wich­tigs­te Auf­ga­be, den Pla­ne­ten zu ret­ten, aber das ist mit Si­cher­heit ver­mes­sen“, ist Lo­ve­lock über­zeugt. Wir sei­en zwar ei­ne mäch­ti­ge Spe­zi­es, aber Teil ei­nes noch viel mäch­ti­ge­ren Sys­tems. Un­se­re wich­tigs­te Auf­ga­be sei viel­mehr, uns selbst zu ret­ten. „Die Er­de und ich“ist ei­ne Samm­lung hoch­ka­rä­ti­ger, wenn auch nicht im­mer top­ak­tu­ell wir­ken­der Bei­trä­ge. We­gen des brei­ten Spek­trums an The­men blei­ben De­tails meist nur an­ge­ris­sen. Je­der der zwölf Au­to­ren ist da­für be­kannt, be­son­ders an­schau­lich und leicht ver­ständ­lich zu schrei­ben. Ein klar struk­tu­rier­ter Rei­se­füh­rer – wie vom Ver­lag an­ge­kün­digt – ist das Buch eher nicht. Zum breit ge­fass­ten Mot­to „Er­de und Le­ben“ist ein sol­ches Werk al­ler­dings auch kaum vor­stell­bar – an­ge­sichts der Da­ten- und Fak­ten­fül­le scheint es in­zwi­schen un­mög­lich, ein Uni­ver­sal­buch des Wis­sens zu schrei­ben.

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