„Nicht so viel dar­aus ma­chen“

Ser­ge Gn­ab­ry si­chert sich mit sei­nen drei Tref­fern Platz in DFB-His­to­rie

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Tho­mas Ni­k­laus/Oli­ver Mu­cha

Ser­ge Gn­ab­ry lä­chel­te ver­le­gen. So ganz war dem Stür­mer von Wer­der Bre­men noch gar nicht be­wusst, dass er ge­ra­de ein Stück deut­sche Fuß­ball-Ge­schich­te ge­schrie­ben hat­te. Drei Tref­fer bei der Pre­mie­re – das war zu­letzt Die­ter Mül­ler vor 40 Jah­ren ge­lun­gen und über­haupt erst fünf Spie­lern in der lan­gen DFB-His­to­rie vor ihm, dar­un­ter auch Eh­ren­spiel­füh­rer Fritz Wal­ter. „Das hät­te ich nicht ge­träumt“, sag­te der 21-Jäh­ri­ge nach sei­nem Drei­er­pack in der 9., 58. und 71. Mi­nu­te beim 8:0 (3:0) des Welt­meis­ters im WM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel in San Ma­ri­no. Au­ßer­dem tra­fen Er­satz-Ka­pi­tän Sa­mi Khe­di­ra (7.) und Jo­ker Ke­vin Vol­land (85.). Hin­zu kam ein Ei­gen­tor (82.). Dass Gn­ab­ry von ei­nem „Su­per-Ein­stand“und ei­nem „Su­per-Ge­fühl“sprach – lo­gisch. Doch der in Stutt­gart ge­bo­re­ne, hoch ver­an­lag­te Of­fen­siv­spie­ler (Sohn ei­nes Ivo­r­ers und ei­ner Schwä­bin), der zu­letzt schon als Tor­schüt­zen­kö­nig bei Olym­pia auf sich auf­merk- sam ge­macht hat­te, wuss­te sei­nen gro­ßen Tag gut ein­zu­ord­nen. „Klar kann ich zu­frie­den sein. Aber das war jetzt mein ers­tes Spiel ge­gen ei­nen Geg­ner, der jetzt nicht ge­ra­de Ita­li­en ist, wo es noch viel schwe­rer wird. Des­halb den­ke ich, dass man nicht zu viel dar­aus ma­chen soll­te“, sag­te Gn­ab­ry be­schei­den. Was in der Zu­kunft kom­me, „das wird man se­hen“. Vor­aus­sicht­lich hat Gn­ab­ry schon am Di­ens­tag (20.45 Uhr/ARD) beim Klas­si­ker in Mai­land ge­gen Ita­li­en die Chan­ce, sich er­neut in den Vor­der­grund zu spie­len. „Es geht mir auch dar­um, den ei­nen oder an­de­ren Spie­ler noch ein­mal zu se­hen, wenn er rich­tig ge­for­dert wird“, sag­te Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw be­reits. Das De­büt des 21Jäh­ri­gen hat­te Löw schon ein­mal ge­fal­len – drei To­re bei sie­ben Tor­schüs­sen, vier Tor­schuss­vor­la­gen, 90 Pro­zent er­folg­rei­che Päs­se: „Er hat es su­per ge­macht. Die drei To­re sind gut für sei­ne Ent­wick­lung und sein Selbst­ver­trau­en.“Bis Au­gust war ei­ne der­ar­ti­ge Ent­wick­lung nicht ab­zu­se­hen ge­we­sen. Gn­ab­ry kam beim FC Ar­senal über die Rol­le ei­nes Er­gän­zungs­spie­lers nicht hin­aus. Erst die Olym­pi­schen Spie­le in Rio und sein Wech­sel nach Bre­men brach­ten die Wen­de in sei­ner jun­gen Kar­rie­re. Olym­pia sei für ihn „aus­schlag­ge­bend“ge­we­sen, „dass es so­weit ge­kom­men ist“, be­ton­te er: „Zu­vor war es sehr schwer, ich hat­te kei­ne Spiel­zeit. Die ha­be ich jetzt. Ich füh­le mich kör­per­lich gut und hof­fe, dass es so wei­ter geht.“Dass auch der Le­ver­ku­se­ner Ben­ja­min Hen­richs in San Ma­ri­no zu sei­ner DFB-Pre­mie­re ge­kom­men war, ging im gan­zen Hy­pe um Gn­ab­ry fast un­ter. Der 19-Jäh­ri­ge, der so­wohl links als auch rechts ver­tei­di­gen kann, sprach von ei­nem „über­ra­gen­den Ge­fühl“. Es ge­he ge­ra­de „steil berg­auf“, mein­te er, „des­halb ist es be­son­ders wich­tig, bo­den­stän­dig zu blei­ben“. Das hät­te auch von Gn­ab­ry kom­men kön­nen. Be­vor der Welt­meis­ter das Län­der­spiel­jahr nach dem lo­cke­ren Pflicht­sieg nun am Di­ens­tag in Mai­land im Klas­si­ker ge­gen Ita­li­en mit dem drit­ten Tri­umph in Fol­ge ge­gen den lang­jäh­ri­gen Angst­geg­ner aus­klin­gen las­sen will, steht erst ein­mal ein ab­wechs­lungs­rei­ches Pro­gramm in der ita­lie­ni­schen Haupt­stadt an. Der lang­jäh­ri­ge La­zio-Spie­ler und DFBTrai­ner-Azu­bi Mi­ros­lav Klo­se kann da­bei ein we­nig die Rei­se­lei­tung über­neh­men. Mor­gen früh er­war­tet Papst Fran­zis­kus die DFB-De­le­ga­ti­on zu ei­ner Pri­vat­au­di­enz, die 45 Mi­nu­ten dau­ern soll. „Das ist für je­den Spie­ler und uns al­le ei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che Sa­che“, sag­te Joa­chim Löw.

Fo­to: avs

Ers­ter DFB-De­bü­tant mit Drei­er­pack seit Die­ter Mül­ler: Ser­ge Gn­ab­ry (Drit­ter von links) hat beim 8:0-Er­folg im WM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel in San Ma­ri­no als ers­ter Neu­ling seit 40 Jah­ren drei Tref­fer für die deut­sche Fuß­ball­Na­tio­nal­mann­schaft er­zielt. Er traf in der 9., 58. und 76. Mi­nu­te. Auch Ke­vin Vol­land (Zwei­ter von links) trug sich in die Tor­schüt­zen­lis­te ein. Tho­mas Mül­ler (links) und Max Mey­er (rechts) gin­gen leer aus.

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