„Die Po­le ist nicht al­les“

In­ter­la­gos: Ha­mil­ton hängt Ros­berg ab

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Hei­ner Ger­hardts

Für die vor­zei­ti­ge Er­fül­lung sei­nes Kind­heits­traums muss WM-Thron­an­wär­ter Ni­co Ros­berg in der Hei­mat von Ayr­ton Sen­na wohl sei­ne Fä­hig­kei­ten als „Re­gen­gott“be­wei­sen. Der Mer­ce­des-Pi­lot, der beim Gro­ßen Preis von Bra­si­li­en mit ei­nem Sieg aus ei­ge­ner Kraft erst­mals For­mel-1-Welt­meis­ter wer­den kann (sie­he auch „In­fo“), wur­de im Qua­li­fy­ing für das Ren­nen heu­te in São Pau­lo (17 Uhr/MEZ, RTL) Zwei­ter hin­ter sei­nem Team­kol­le­gen und ein­zig ver­blie­be­nen WMRi­va­len Le­wis Ha­mil­ton aus En­g­land. Al­ler­dings könn­ten die Kar­ten an­ge­sichts ei­nes pro­gnos­ti­zier­ten Re­gen­ri­si­kos aber kom­plett neu ge­mischt wer­den. 0,102 Se­kun­den war Ros­berg (1:10,838 Mi­nu­ten) auf der Stre­cke in In­ter­la­gos lang­sa­mer als der bä­ren­stark fah­ren­de Ha­mil­ton, der sich in 1:10,736 Mi­nu­ten die 60. Po­le sei­ner Kar­rie­re – mehr ha­ben nur Ayr­ton Sen­na (65) und Michael Schu­ma­cher (68). Ha­mil­ton hat da­mit zugleich gu­te Chan­cen, auch Ros­bergs zwei­ten WM-Match­ball ab­zu­weh­ren. Al­ler­dings schwä­chel­te der 51-ma­li­ge Grand-Prix-Sie­ger, der in Bra­si­li­en noch oh­ne Er­folg ist, in die­ser Sai­son häu­fi­ger beim Start als Ros­berg. „Ich ha­be na­tür­lich mein Bes­tes ge­ge­ben, das hat nicht ge­reicht. Die Po­le ist nicht al­les, ich ha­be für mor­gen noch al­le Chan­cen“, sag­te Ros­berg, der sich über die Wet­ter­aus­sich­ten kei­ne Ge­dan­ken macht. „Im Nas­sen und im Tro­cke­nen ist mein Au­to su­per­schnell.“Ha­mil­ton er­klär­te: „Ni­co ist im­mer schnel­ler ge­wor­den, aber ich konn­te es im­mer ab­weh­ren. Das ist hier erst mei­ne zwei­te Po­le. Um­so glück­li­cher bin ich, ganz vor­ne zu ste­hen.“Der vier­ma­li­ge Welt­meis­ter Se­bas­ti­an Vet­tel (Fer­ra­ri/Hep­pen­heim), der nach sei­nen Bo­xen­funk-Pö­be­lei­en aus dem vor­he­ri­gen Ren­nen in Me­xi­ko un­ter Be­ob­ach­tung steht, star­tet von Platz fünf. Vor ihn setz­ten sich sein fin­ni­scher Team­kol­le­ge Ki­mi Raik­kö­nen, der sei­nen 250. Grand Prix be­strei­tet, und der Nie-

Nur Start­platz zwei für For­mel 1-WM-An­wär­ter

der­län­der Max Ver­stap­pen. Ni­co Hül­ken­berg, der 2010 in Bra­si­li­en sei­ne bis­lang ein­zi­ge Po­le er­reicht hat­te, si­cher­te sich im Force In­dia den ach­ten Start­platz. Pas­cal Wehr­lein, der noch um ein Cock­pit für die kom­men­de Sai­son kämpft, geht im un­ter­le­ge­nen Ma­nor von Start­platz 19 ins Ren­nen. Der 31-jäh­ri­ge Ros­berg ge­wann 2014 und 2015 in São Pau­lo je­weils von der Po­le Po­si­ti­on. Ge­lingt ihm der Bra­si­li­en-Hattrick in der Welt­meis­ter-Schmie­de In­ter­la­gos (sechs Ti­te­l­ent­schei­dun­gen seit 2005), hät­te das SaiUm son­fi­na­le in zwei Wo­chen in Abu Dha­bi nur noch sta­tis­ti­schen Wert. Ha­mil­ton, der als Hom­mage an die bra­si­lia­ni­sche Le­gen­de Sen­na ei­nen gelb-grü­nen Helm trägt, will end­lich im zehn­ten An­lauf sei­nen ers­ten Er­folg in São Pau­lo er­zie­len – und die WM-Ent­schei­dung da­mit in die Wüs­te ver­ta­gen. Das Wetter könn­te wie so oft in In­ter­la­gos zum Züng­lein an der Waa­ge wer­den. Laut der Pro­gno­se des For­mel-1-Me­teo­ro­lo­gie­dienst­leis­ters nimmt die Re­gen­wahr­schein­lich­keit im Renn­ver­lauf kon­ti­nu­ier­lich zu.

Berg-und-Tal-Bahn: Sil­ber­pfeil-Pi­lot Ni­co Ros­berg auf der Stre­cke in In­ter­la­gos. Der Deut­sche führt in der WM-Wer­tung vor dem GP von Bra­si­li­en mit 349 Punk­ten vor Erz-Ri­va­le Le­wis Ha­mil­ton (330). Fo­to: AFP

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