Sport­kom­men­tar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Man­fred Spitz

Bleibt er, oder bleibt er nicht? Noch sei nichts ent­schie­den, be­tont Hand­bal­lBun­des­trai­ner Da­gur Si­gurds­son – und die Spe­ku­la­tio­nen um die Zu­kunft des Is­län­ders ge­hen wei­ter. Si­gurds­son hat die deut­schen Hand­bal­ler seit sei­nem Amts­an­tritt 2014 auf Vor­der­mann ge­bracht. Er hat sie 2016 erst zum EM-Ti­tel, dann zu Olym­pia-Bron­ze ge­führt. Er hat nach den vie­len Ent­täu­schun­gen in der un­glück­li­chen Ära von Martin Heu­ber­ger das Image wie­der kräf­tig auf­po­liert und ei­ne neue Be­geis­te­rung im Hand­ball-Mut­ter­land aus­ge­löst. Bei der WM im Ja­nu­ar 2017 in Frank­reich will er mit dem Team des Deut­schen Hand­ball-Bun­des (DHB) noch ein­mal zum gro­ßen Wurf an­set­zen. Doch in punc­to wei­te­rer Plä­ne lässt der cha­ris­ma­ti­sche Er­folgs­coach Fans und Ver­ant­wort­li­che beim DHB noch „zwei, drei Wo­chen“zap­peln. Zwar hat der coo­le Wi­kin­ger zu­letzt bei der Vor­stel­lung sei­ner Au­to­bio­gra­fie „Feu­er und Eis“ei­ne Of­fer­te aus Ja­pan be­stä­tigt, ei­ne Ei­ni­gung mit dem Ver­band aus Fer­n­ost aber de­men­tiert. Und auch ei­nen Ver­bleib in Deutsch­land nicht aus­ge­schlos­sen. Doch ei­ni­ges deu­tet dar­auf hin, dass sich der glü­hen­de Ja­pan-Fan Si­gurds­son wie in der „Bild“-Zei­tung ver­mel­det, be­reits ent­schie­den hat: Der 43-Jäh­ri­ge ver­lässt den DHB nach der WM im Ja­nu­ar und über­nimmt Nip­pons Na­tio­nal­mann­schaft. Um sie bis zu den Olym­pi­schen Spie­len 2020 in To­kio an die Welt­spit­ze her­an­zu­füh­ren. Si­gurds­sons Ver­trag beim DHB läuft ei­gent­lich bis 2020. Ei­ne Op­ti­on, zu zie­hen bis zum 31. De­zem­ber die­ses Jah­res, er­mög­licht ihm den vor­zei­ti­gen Aus­stieg zum 30. Ju­ni 2017. Auf­bau­ar­beit beim Hand­ball-Exo­ten, der 1979 ein­mal die Asi­en­meis­ter­schaft ge­wann, statt Me­dail­len­jagd mit dem Eu­ro­pa­meis­ter? Ja­pan ist für Da­gur Si­gurds­son kein Neu­land. Von 2000 bis 2003 war er Spie­ler­trai­ner in Hi­ro­shi­ma, ab­ge­ris­sen ist der Kon­takt über die Jah­re nie. Auch wenn Ja­pans Ver­band er­klär­te, von ei­ner Ver­pflich­tung Si­gurds­sons als Trai­ner des Na­tio­nal­teams nichts zu wis­sen: Al­te Lie­be ros­tet nicht, ein En­ga­ge­ment des Is­län­ders wä­re kei­ne wirk­li­che Über­ra­schung. Dass im Herbst ver­gan­ge­nen Jah­res – in­iti­iert von Si­gurds­son – ein Ge­sand­ter aus dem Trai­ner­stab der ja­pa­ni­schen Män­ner-Na­tio­nal­mann­schaft beim DHB hos­pi­tier­te, er­scheint in die­sem Zu­sam­men­hang in ei­nem ganz an­de­ren Licht. Da­gur Si­gurds­son hat den deut­schen Hand­ball wie­der er­folg­reich und in­ter­es­sant ge­macht. Soll­te er 2017 vor­zei­tig ge­hen, wä­re das ein schmerz­haf­ter Ver­lust. Und ganz gleich, wer die Nach­fol­ge als Bun­des­trai­ner an­tritt: Er wird sich an ihm mes­sen las­sen müs­sen.

Ver­schlos­se­ner Ja­pan-Ver­eh­rer

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