Ist der Ted­dy si­cher?

Ein Be­such im Prüf­la­bor bei den Spiel­zeug­tes­tern des TÜV

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - In­ter­view: Tan­ja Ka­sisch­ke

Spiel­zeug muss Spaß brin­gen, die Fan­ta­sie an­re­gen und – si­cher sein! Da­für sor­gen die Mit­ar­bei­ter des Spiel­zeug­prüf­la­bors des TÜV Rhein­land, das sich in Nürn­berg be­fin­det. Rolf Ohl­sen lei­tet es und be­rich­tet im In­ter­view, war­um sein Job so wich­tig ist, was mit den Spiel­sa­chen pas­siert, nach­dem sie ge­tes­tet wur­den, und dass sei­ne Kol­le­gen Bag­ger, Ted­dy und Co schon mal „ka­putt­spie­len“, oh­ne Är­ger zu krie­gen. Wo­mit er als Jun­ge am liebs­ten ge­spielt hat, ver­riet er au­ßer­dem.

Hal­lo, Herr Ohl­sen! Sie sind zu be­nei­den, den gan­zen Tag dür­fen Sie Spiel­zeug tes­ten. Wie wird man Spiel­zeug­prü­fer?

Rolf Ohl­sen: In der Spiel­zeug­prü­fung sind ei­ne tech­ni­sche Aus­bil­dung wich­tig, ein gu­tes Ein­füh­lungs­ver­mö­gen in tech­ni­sche Zu­sam­men­hän­ge und de­tek­ti­vi­sches Ge­spür, auch den kleins­ten Si­cher­heits­man­gel an ei­nem Spiel­zeug zu fin­den.

Wie läuft Ihr Tag ab?

Ohl­sen: Ich be­spre­che mit Kol­le­gen Prüf­be­rich­te und Prüf­ergeb­nis­se zu ein­zel­nen Spiel­zeu­gen und wir über­le­gen, wie wir neu gestal­te­te Spiel­wa­ren tes­ten kön­nen. Wir ori­en­tie­ren uns da­bei an der Eu­ro­päi­schen Spiel­zeug­richt­li­nie und tes­ten zum Bei­spiel die me­cha­ni­sche Si­cher­heit, die Ent­flamm­bar­keit, die elek­tri­sche Si­cher­heit oder auch die Laut­stär­ke bei Spiel­zeu­gen, die Ge­räu­sche ma­chen.

Tes­ten Sie al­les Spiel­zeug oder sind Sie zum Bei­spiel nur für Au­tos zu­stän­dig? Und gibt es Mit­ar­bei­ter, die wie­der­um nur Puz­zles ma­chen?

Ohl­sen: In­ner­halb un­se­rer Ab­tei­lung gibt es tat­säch­lich Spe­zia­lis­ten zum Bei­spiel für Schau­keln oder Kin­der­fahr­rä­der. Wir kön­nen hier bei TÜV Rhein­land aber al­le Ar­ten von Spiel­zeug tes­ten. Tes­ten Sie nur Spiel­zeug, dass in Deutsch­land her­ge­stellt wird? Ohl­sen: Wir tes­ten Spiel­zeug aus der Re­gi­on, aus Deutsch­land und aus der gan­zen Welt.

Wer kam auf die Idee, ein Spiel­zeug­prüf­la­bor zu grün­den?

Ohl­sen: Seit 1990 gibt es ei­ne Eu­ro­päi­sche Richt­li­nie für die Si­cher­heit von Spiel­zeug, al­ler­dings ha­ben wir in un­se­ren Prüf­hal­len und La­bo­ren schon vie­le Jah­re vor­her die Si­cher­heit von Spiel­zeug im Auf­trag der Her­stel­ler oder von Han­dels­un­ter­neh­men über­prüft.

Wie vie­le Leu­te ar­bei­ten au­ßer Ih­nen dort?

Ohl­sen: In Nürn­berg ar­bei­ten über 50 Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen.

Müs­sen Sie dann ei­ne Er­klä­rung un­ter­schrei­ben, dass Sie nie­man­dem ver­ra­ten, was für tol­les Spiel­zeug bald kommt?

Ohl­sen: Wir „tes­ten“Spiel­zeug manch­mal so­gar schon, wenn ein Her­stel­ler erst die Idee da­zu hat und mit uns be­spricht, wie das Spiel­zeug si­cher pro­du­ziert wer­den kann. Und ge­nau, wir dür­fen nichts ver­ra­ten.

War­um muss Spiel­zeug ge­prüft wer­den?

Ohl­sen: Klei­ne Kin­der neh­men Spiel­zeug in den Mund, da­bei dür­fen sich kei­ne Stof­fe lö­sen, die das Kind krank ma­chen. Wenn Ein­zel­tei­le von ei­nem Spiel­zeug ab­bre­chen kön­nen, sol­len sich Kin­der dar­an nicht ver­let­zen. Was an ei­nem Spiel­zeug al­les ge­prüft wer­den muss, steht in der Eu­ro­päi­schen Spiel­zeug­richt­li­nie.

Was pas­siert, wenn ein Spiel­zeug im Test durch­fällt?

Ohl­sen: Dann in­for­mie­ren wir den Her­stel­ler und das Spiel­zeug darf nicht ver­kauft wer­den.

Was pas­siert mit dem Test-Spiel­zeug, dür­fen Sie das be­hal­ten und mit nach Hau­se neh­men?

Ohl­sen: Die ge­tes­te­ten Spiel­sa­chen ge­hen ent­we­der an den Auf­trag­ge­ber zu­rück oder müs­sen bei uns auf­ge­ho­ben wer­den. Mit­neh­men dür­fen wir kei­ne Spiel­sa­chen. Vie­les geht auch im Rah­men der Prü­fung ka­putt.

Wo­mit ha­ben Sie als Kind am liebs­ten ge­spielt?

Ohl­sen: Mei­ne Lieb­lings­spiel­sa­chen wa­ren ein Trak­tor und spä­ter mei­ne Mo­dell­ei­sen­bahn.

Träu­men Sie auch von Ih­rem Be­ruf?

Ohl­sen (lacht): Manch­mal kommt schon mal ein Spiel­zeug oder ei­ne der ent­spre­chen­den Prü­fun­gen in mei­nen Träu­men vor und ich kann da­bei im­mer gut schla­fen.

50 Mit­ar­bei­ter des TÜV Rhein­land tes­ten im Spiel­zeug­prüf­la­bor Ted­dys, fern­ge­steu­er­te Au­tos oder Kin­der­fahr­rä­der auf ih­re Si­cher­heit. Spiel­wa­ren-Her­stel­ler mel­den sich oft schon bei den Kol­le­gen an, be­vor sie ein Spiel­zeug pro­du­zie­ren – da­mit sie ganz si­cher sein kön­nen, dass spä­ter für die Kin­der kein Ri­si­ko be­steht. Das Spiel­zeug­prüf­la­bor hat sei­nen Sitz in Nürn­berg, Deutsch­lands Spiel­zeug­haupt­stadt. Die Zen­tra­le des TÜV Rhein­land sitzt aber in Köln. Fo­tos: TÜV Rhein­land

Rolf Ohl­sen ist Lei­ter des Spiel­zeug­prüf­la­bors. Zu sei­nem Be­ruf ge­hö­ren ei­ne tech­ni­sche Aus­bil­dung und „ein de­tek­ti­vi­scher Spür­sinn da­für, wie Spiel­zeug si­cher ge­macht wer­den kann“.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.