Jen­seits von Kitsch und Tru­bel

Et­li­che Al­pen­or­te ver­spre­chen Ru­he in vor­weih­nacht­li­cher Zeit

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

Mit sei­nen gol­de­nen Lich­tern, dem ver­füh­re­ri­schen Duft von Zimt und Va­nil­le und den wohl­klin­gen­den Weih­nachts­lie­dern ver­zau­bert der Ad­vent je­des Jahr aufs Neue. Am schöns­ten ist es zu die­ser Zeit in den Ber­gen, wo al­les noch et­was ru­hi­ger und be­sinn­li­cher zu­geht als in den hek­ti­schen Fuß­gän­ger­zo­nen der Groß­städ­te. Mit et­was Glück knirscht schon der Schnee un­ter den Fü­ßen. Auf je­den Fall aber ist für stim­mungs­vol­le Mo­men­te, ech­tes Kunst­hand­werk und je­de Men­ge re­gio­na­ler Spe­zia­li­tä­ten und Tra­di­tio­nen ge­sorgt. Hier die fünf Fa­vo­ri­ten des „Sonn­tags“für et­was Ru­he im vor­weih­nacht­li­chen Tru­bel.

Der Te­gern­see

Ei­ne ro­man­ti­sche Art, zum Weih­nachts­markt zu fah­ren, gibt es in­mit­ten der ober­baye­ri­schen Voral­pen­idyl­le am Te­gern­see. Per Pen­del­schiff geht es an den Ad­vents­wo­chen­en­den zu den Märk­ten rund um den See. Bei­spiels­wei­se zum „Weih­nacht­li­chen Schloss­markt Te­gern­see“, ein ma­le­ri­sches Hüt­ten­dorf vor dem his­to­ri­schen Schloss und dem Bräust­überl. Ne­ben Punsch und Bier war­ten selbst­ge­strick­te Woll­müt­zen, Trach­ten­hü­te, Filz­ar­bei­ten, Töp­fer­kunst oder Kräu­ter­pro­duk­te auf Lieb­ha­ber. Da­nach schip­pert man nach Rottach: Zu den Hö­he­punk­ten des „Rotta­cher Ad­vents“auf der ge­gen­über­lie­gen­den See­sei­te zäh­len der am höchs­ten ge­wach­se­ne Weih­nachts­baum Ober­bay­erns, die Schnitz­küns­te von Mar­kus Trinkl und die ed­len Pra­li­nen von Ma­xi­mi­li­an Hagn. Jetzt gilt es noch längs über den See zu Bad Wies­sees Sch­man­kerln zu kreu­zen. Wer Nä­he­res über Brauch­tum und Men­schen am Te­gern­see er­fah­ren möch­te, der nimmt sich ei­nen Te­gern­se­er Hei­mat­füh­rer mit auf die Christ­kindl­markt-Schiffs­tour.

Das Pitz­tal

Ei­ne ro­man­ti­sche Vor­weih­nachts­tra­di­ti­on lebt je­des Jahr im klei­nen Ti­ro­ler Dorf Plan­ge­ross im Pitz­tal wie­der auf. Auf 1 600 Me­tern Hö­he, um­ge­ben von stei­len Fels­wän­den, wird im De­zem­ber der gan­ze Ort zum Ad­vents­ka­len­der. Je­den Abend im Ad­vent öff­net ein an­de­res Haus sein Fens­ter und be­wir­tet nach al­ter Tra­di­ti­on Ur­lau­ber und Ein­hei­mi­sche mit haus­ge­mach­ten Spe­zia­li­tä­ten wie selbst­ge­räu­cher­tem Speck, Stru­del nach Fa­mi­li­en­re­zept, Brat­äp­feln, Plätz­chen, Glüh­wein und Schnaps. Treff­punkt ist im­mer um 20.30 Uhr. Dann heißt es, den Zau­ber des Pitz­ta­ler Berg­ad­vents zu ge­nie­ßen. An den Don­ners­ta­gen vor Weih­nach­ten geht es mit Fa­ckeln durch den tief ver­schnei­ten Wald zu ei­ner Lich­tung, auf der ei­ne be­sinn­li­che Wald­an­dacht un­ter frei­em Himmel ge­hal­ten wird. Wer be­son­de­re Wün­sche hat, der kann sie üb­ri­gens im Christ­kindl-Post­amt auf den Weg brin­gen: Das ist im Ca­fé 3440 auf dem Glet­scher un­ter­ge­bracht und hat dem­nach den kür­zes­ten Weg nach oben.

Der Achen­see

Idyl­le pur am Berg­see: Das Fi­scher­gut in Per­ti­sau, ei­nes der äl­tes­ten Bau­ern­häu­ser am See, bil­det am 8. und 9. De­zem­ber die ma­le­ri­sche Ku­lis­se für den „Berg­ad­vent“mit klei­nen Stän­den und Hüt­ten. An de­nen wer­den selbst­ge­mach­te Köst­lich­kei­ten und Kunst­hand­werk aus der Re­gi­on an­ge­bo­ten. Wäh­rend die Er­wach­se­nen im Stadl un­ter An­lei­tung Krän­ze bin­den oder den Lie­dern der tra­di­tio­nel­len Wei­sen­blä­ser und Chö­re lau­schen, freu­en sich die Kin­der aufs Po­ny­rei­ten im Schnee und dar­auf, Leb­ku­chen und Brie­fe in der Christ­kindl-Ecke zu ver­zie­ren. Für die dop­pel­te Por­ti­on Weih­nachts­stim­mung sorgt ei­ne Fahrt mit der MS „Stadt Inns­bruck“zum Berg­ad­vent. Das Schiff der Achen­see­schiff­fahrt ver­wan­delt sich in ei­nen schwim­men­den Christ­kindl­markt. An Bord gibt es Kek­se, Glüh­wein und Ad­vents­wei­sen – für die De­ko­ra­ti­on sorgt Ka­pi­tä­nin Da­nie­la Neu­hau­ser höchst­per­sön­lich. Den ge­sam­ten Ad­vent über bis ein­schließ­lich 27. De­zem­ber lädt Achen­kirch zur „Ti­ro­ler Berg­weih­nacht“in die Schau­räu­me des Hei­mat­mu­se­ums mit ei­ner der äl­tes­ten Krip­pen des Achen­tals.

In Al­ta Ba­dia

Au­then­ti­zi­tät statt Kitsch: Das ist auch in Al­ta Ba­dia im Her­zen der Süd­ti­ro­ler Do­lo­mi­ten das Cre­do in der Vor­weih­nachts­zeit. Wenn in der Fuß­gän­ger­zo­ne von San Cas­sia­no das Paisc da Na­dé auf­ge­baut wird. Ein Weih­nachts­dorf im Sti­le Süd­ti­ro­ler Tä­ler mit Holz­häus­chen, ei­ner von Künst­lern des Or­tes er­schaf­fe­nen Holz­krip­pe und Kon­zer­ten ört­li­cher Chö­re. Es duf­tet nach la­di­ni­schen Spe­zia­li­tä­ten, denn auch im Weih­nachts­dorf ist die Lei­den­schaft für gu­te Kü­che all­ge­gen­wär­tig. Mit be­son­de­rer Span­nung er­war­tet wird die Krea­ti­on des Ster­ne­kochs Mat­teo Me­tul­lio, der im Weih­nachts­dorf erst­mals sei­ne neue Süß­spei­se „Weih­nachts­zopf mit Za­baio­ne und Mar­sa­la“vor­stellt. Al­te Tra­di­tio­nen haut­nah er­le­ben las­sen sich auch wäh­rend ei­nes ad­vent­li­chen Berg­bau­ern­hofBe­suchs: Los geht’s zu Fuß mit Fa­ckeln vom Zen­trum des Orts­teils San Leo­nar­do hin­auf zum Bau­ern­hof Al­farëi.

Im Sarn­tal

Schau­ri­ge Tö­ne, Glo­cken und Ge­tö­se schal­len durch die stil­le Win­ter­nacht. Bis zur Un­kennt­lich­keit ver­mummt, mit hand­ge­fer­tig­ten Mas­ken vor den Ge­sich­tern, zie­hen Zuss­lmandl, Zuss­l­wei­be­le, Lot­ter­sack­trä­ger mit Glo­cken, Bock­hör­nern und In­stru­men­ten aus, um mit viel Lärm die bö­sen Geis­ter des Win­ters zu ver­trei­ben. Das Klö­ckeln ge­hört zum Sarn­ta­ler Al­pe­n­ad­vent wie der Sar­ner Weih­nachts­markt. Wäh­rend die Kin­der mit der Pfer­de­kut­sche durch die Gas­sen tra­ben, be­stau­nen die El­tern die Ar­bei­ten der Sarn­ta­ler Tra­di­ti­ons­hand­wer­ker: Bild­hau­er Isak Rung­gal­dier schafft aus ei­nem Stück Holz ein Kunst­werk. Ein Drechs­ler zeigt sei­ne Fer­tig­keit an der Dreh­bank. Ei­ne Holz­bu­de wei­ter er­klärt Hand­we­ber Un­ter­we­ger, wie der Sar­nar Jang­gar, die tra­di­tio­nel­le Trach­ten­ja­cke des Ta­les, ge­strickt wird.

Stim­mungs­vol­ler Ad­vent: Wer die Wo­chen vor dem hei­li­gen Fest oh­ne Tru­bel und Hek­tik er­le­ben möch­te, soll­te in die Ber­ge fah­ren, wo al­les noch ein we­nig be­sinn­li­cher zu­geht. Im klei­nen Dorf Plan­ge­ross im Pitz­tal wer­den Tra­di­tio­nen groß­ge­schrie­ben. Fo­to: TVB Pitz­tal

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.