Ak­ti­on ge­gen Kat­zen­jam­mer

Streu­nen­de Samt­pfo­ten füh­ren oft ein Schat­ten­da­sein

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Fo­to: avs / Mon­ta­ge: SO

Sie sind häu­fig krank, ver­letzt, un­ter­ernährt oder kom­men un­ter die Rä­der: hei­mat­lo­se Kat­zen. Ih­re Zahl steigt in Ba­den-Würt­tem­berg seit Jah­ren. Tier­schüt­zer sam­meln jetzt Spen­den für ei­ne lan­des­wei­te Kastra­ti­ons­ak­ti­on.

Hei­mat­lo­se Kat­zen brau­chen mehr als nur Zu­nei­gung und Fut­ter. Oft­mals füh­ren sie ein Le­ben ge­prägt durch Krank­heit, Hun­ger und Leid. Doch um da­ge­gen an­kämp­fen zu kön­nen, müs­se man an an­de­rer Stel­le an­set­zen, heißt es beim Lan­des­tier­schutz­ver­band Ba­den-Würt­tem­berg. Im No­vem­ber und De­zem­ber ruft die­ser da­her zu Spen­den für ei­ne lan­des­wei­te Kat­zen­kas­tra­ti­ons­ak­ti­on auf. Zum ers­ten Mal wen­de man sich nun an die Öf­fent­lich­keit, sagt Mar­ti­na Klaus­mann vom ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Tier­schutz­ver­band. Weil so we­nig Kastra­tio­nen statt­fin­den, ge­be es ei­ne enor­me Über­be­völ­ke­rung bei frei­le­ben­den Kat­zen. Durch die Kastra­ti­ons­ak­ti­on wol­len die Tier­schutz­ver­ei­ne ge­mein­sam die Ver­meh­rung der streu­nen­den Samt­pfo­ten ein­däm­men, In­fek­ti­ons­ket­ten un­ter­bre­chen und das Lei­den re­du­zie­ren. „Aktuell le­ben in un­se­rer Ein­rich­tung über 120 Kat­zen, die wir ver­su­chen, in­ner­halb ei­nes Mo­nats zu ver­mit­teln. Un­se­re Er­folgs­ra­te ist gut. Doch die Tier­arzt­kos­ten sind der­art hoch, dass wir auf Spen­den an­ge­wie­sen sind. Die Kastra­ti­on ei­ner Kat­ze kos­tet zwi­schen 120 und 140 Eu­ro“, be­rich­tet We­ra Schmitz von der Kat­zen-Hil­fe Karls­ru­he. Be­reits sechs Mo­na­te nach ih­rer Ge­burt sind Kat­zen zum ers­ten Mal paa­rungs­fä­hig, zu­dem kön­nen sie mehr­mals im Jahr Nach­wuchs be­kom­men. Die Tier­schutz­ver­ei­ne im Land ver­su­chen seit Jah­ren, die Fol­gen ein­zu­däm­men: Wil­de Kat­zen wer­den me­di­zi­nisch ver­sorgt, kas­triert und an­schlie­ßend ver­mit­telt oder frei­ge­las­sen. Hier­aus ent­ste­hen star­ke fi­nan­zi­el­le Be­las­tun­gen, die die Ver­ei­ne oh­ne Hil­fe nicht schul­tern kön­nen. „Die enor­me An­zahl frei­le­ben­der Kat­zen zu kas­trie­ren, ist ei­ne lang­wie­ri­ge und kost­spie­li­ge An­ge­le„Je­der gen­heit. Des­halb ver­su­chen wir, Gel­der ein­zu­wer­ben, und un­ter­stüt­zen die kom­mu­na­len Ver­ei­ne seit 2012 auch fi­nan­zi­ell“, be­tont Klaus­mann vom Lan­des­tier­schutz­ver­band: „Wir ver­tei­len Spen­den­gel­der so­wie Fi­nanz­zu­schüs­se an die je­wei­li­gen Tier­schutz­ver­ei­ne, da­mit die­se sie dann in ih­rem Zu­stän­dig­keits­ge­biet ein­set­zen. Die an­säs­si­gen Tier­ärz­te rech­nen nach Ta­rif­ver­ord­nung ab. Hier gibt es kei­ne Son­der­prei­se, egal ob für Pri­vat­per­son oder für den Tier­schutz­ver­ein.“In die­sem Jahr un­ter­stützt der Lan­des­ver­band die 115 Mit­glieds­ver­ei­ne bei der Kastra­ti­ons­ak­ti­on mit ins­ge­samt 30 000 Eu­ro. Auf Mit­hil­fe hof­fen die Tier­schüt­zer durch Spen­den von Kat­zen­lieb­ha­bern, Pri­vat­per­so­nen so­wie Un­ter­neh­men. Ste­fan Hitz­ler, der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de vom Lan­des­tier­schutz­ver­band Ba­den-Würt­tem­berg, stellt fest, dass es nö­tig wä­re, das seit lan­gem ge­for­der­te Kastra­ti­ons­ge­bot für die Hal­ter von Frei­gän­ger­kat­zen ein­zu­füh­ren. Doch vie­le Kom­mu­nen weh­ren sich da­ge­gen. War­um das so ist, weiß die Vor­sit­zen­de der Kat­zen-Hil­fe, We­ra Schmitz: „Ich war li­ve bei den Ver­hand­lun­gen da­bei. Laut Gut­ach­ter gä­be es nicht ge­nug kran­ke Kat­zen oder sol­che, die an­de­re Le­be­we­sen ge­fähr­den, um das Ge­bot durch­zu­set­zen. Wür­den wir jetzt al­ler­dings nichts mehr tun, dann wä­re die­ser Zu­stand in zehn Jah­ren er­reicht.“Das kön­ne je­doch kei­ner der Tier­schüt­zer ver­ant­wor­ten. Al­so blei­be die Ar­beit wei­ter­hin an ih­nen hän­gen, so Schmitz. Laut Deut­schem Tier­schutz­bund wur­de be­reits in zir­ka 355 Or­ten Deutsch­lands ei­ne „Kastra­ti­ons­ver­ord­nung“ein­ge­führt. Ganz vor­ne da­bei sind Nie­der­sach­sen und Nord­rhein-West­fa­len. In Ba­den-Würt­tem­berg wur­de bis­her kein Ge­bot für Kat­zen­hal­ter er­las­sen. Re­gi­na Tit­zentha­ler vom Tier­heim Karls­ru­he hiel­te ei­ne Ver­ord­nung in je­dem Fall für sinn­voll: „Wir be­kom­men je­des Jahr be­son­ders im Früh­ling vie­le neu­ge­bo­re­ne Kat­zen­jun­ge, die un­er­wünscht auf die Welt ka­men und letz­ten En­des bei uns lan­den.“ Kat­zen­hal­ter, ge­ra­de von un­kas­trier­ten Ka­tern, trägt da­zu bei, dass sich die Tie­re ex­po­nen­ti­ell ver­meh­ren“, klärt Mar­ti­na Klaus­mann auf. Uner­wünsch­ter Nach­wuchs wer­de spä­ter eben in Tier­hei­men ab­ge­ge­ben. Die­se aber sei­en über­füllt und es feh­le an Ver­sor­gungs­mög­lich­kei­ten. „Häu­fig glau­ben die Men­schen, dass sie den streu­nen­den Kat­zen hel­fen, in­dem sie sie füt­tern. Da­durch al­lein wird das Kat­zen­elend al­ler­dings nicht be­kämpft“, be­stärkt Hitz­ler vom Lan­des­ver­band sei­ne Tier­schutz-Kol­le­gen. Die flä­chen­de­cken­de Kastra­ti­on kön­ne hel­fen, sei aber von den ört­li­chen Tier­schutz­ver­ei­nen nicht zu stem­men. Auf die Fra­ge, wes­halb die Kastra­ti­ons­ak­ti­on des Lan­des­tier­schutz­ver­ban­des von so gro­ßer Be­deu­tung sei, ant­wor­te­te Schmitz von der Kat­zen­Hil­fe oh­ne nach­zu­den­ken: „Wer nicht weiß, wie­so das so wich­tig ist, der soll ein­fach ein­mal hier­her­kom­men zu uns.“

„Je­des Jahr lan­den bis zu 400 Kat­zen bei uns“

Sie­ben Le­ben wer­den ei­ner Kat­ze nach­ge­sagt – doch oft­mals ist das ers­te schon so elend, dass sich Tier­schüt­zer kein zwei­tes für die frei­le­ben­den Kat­zen wün­schen. Fo­to: avs

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