Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Wolf­gang We­ber

Sind sie nun echt? Oder han­delt es sich um ein be­son­ders pfif­fi­ges Tou­pet? Der selt­sam ge­form­te, blon­de Haar­schopf des de­si­gnier­ten US-Prä­si­den­ten Do­nald Trump be­schäf­tigt auch jetzt noch die Ge­mü­ter – ob­wohl man sich um an­de­re Fra­gen ei­gent­lich viel grö­ße­re Sor­gen ma­chen müss­te. „Vorn Stirn­fran­sen wie Zu­cker­wat­te, hin­ten ei­ne Wel­le wie ein Heck­spoi­ler“, so be­schrieb die „Bild“Zei­tung lie­be­voll das Haar-Mys­te­ri­um auf dem Kopf des neu­en Prä­si­den­ten und aus In­si­der-Qu­el­len hör­te man, es ge­be nur ei­ne ein­zi­ge Per­son, die die Haa­re von Mis­ter Trump an­fas­sen dürf­te: Mis­ses Trump. Ei­nes im­mer­hin muss sich Do­nald Trump nicht nach­sa­gen las­sen: Dass er je­mals un­fri­siert aus dem Haus ge­gan­gen wä­re. Wo­mit er sich ganz klar von all je­nen be­dau­erns­wer­ten Men­schen un­ter­schei­det, die „Struw­wel­pe­ter-Ge­ne“ha­ben. Doch, die gibt es wirk­lich. For­scher der Uni­ver­si­tä­ten Bonn und Tou­lou­se ha­ben jetzt ganz ernst­haft das Phä­no­men völ­lig zer­zaus­ter Haa­re bei Kin­dern wis­sen­schaft­lich er­klärt. Ver­ant­wort­lich da­für sei­en eben je­ne „Struw­wel­pe­ter-Ge­ne“. Über die Ur­sa­chen war bis­lang so gut wie nichts be­kannt – wohl auch des­halb, weil es nur re­la­tiv sel­ten vor­kommt. Dass das Fri­sie­ren von Kin­dern al­les an­de­re als ein Kin­der­spiel sein kann, wis­sen vie­le El­tern aus ei­ge­ner Er­fah­rung. Doch beim „Struw­wel­pe­ter-Syn­drom“ha­ben Bürs­te oder Kamm nicht ein­mal den Hauch ei­ner Chan­ce. Es bleibt un­or­dent­lich, ganz egal, was man da­ge­gen un­ter­nimmt. Die Be­trof­fe­nen ha­ben krause, tro­cke­ne, meist hell­blon­de Haa­re mit cha­rak­te­ris­ti­schem Glanz, die sich je­dem Bän­di­gungs­ver­such wi­der­set­zen. Am aus­ge­präg­tes­ten sind die­se Sym­pto­me in der Kind­heit – sie las­sen dann mit der Zeit nach. Mitt­ler­wei­le sind welt­weit gut 100 Fäl­le do­ku­men­tiert. Gänz­lich oh­ne „Struw­wel­pe­ter-Gen“hat der bel­gi­sche Popsän­ger Hel­mut Lot­ti sein Le­ben be­wäl­tigt. Wenn er jetzt nach ei­ner län­ge­ren Aus­zeit wie­der auf Tour­nee geht, wer­den ihn vie­le sei­ner Fans wo­mög­lich kaum noch wie­der­er­ken­nen. Was dar­an lie­gen könn­te, dass er oben­rum plötz­lich ziem­lich kahl aus­sieht. Sei­ne Plat­ten­fir­ma ha­be ihm frü­her ein Tou­pet auf­ge­schwatzt, gibt er heute zu. „Aber ich fand das von An­fang an blöd­sin­nig“. Jetzt singt er „oben oh­ne“. Und sieht da­mit auf al­le Fäl­le we­sent­lich bes­ser aus als Do­nald Trump mit sei­nem blon­den Helm.

Haa­ri­ges aus der Welt der For­scher

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