Ewi­ger Re­vo­lu­tio­när

Der ver­stor­be­ne Fi­del Cas­tro re­gier­te Ku­ba 47 Jah­re lang

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Avs/SO

Fi­del Cas­tro war ei­ne der schil­lernds­ten Per­sön­lich­kei­ten der Welt­po­li­tik. Zu­letzt war es um den frü­he­ren Staats­chef Ku­bas ru­hig ge­wor­den. Mil­de war er nie: Die An­nä­he­rung an den eins­ti­gen Erz­feind USA sah er bis zu­letzt kri­tisch. Gut drei Mo­na­te nach sei­nem 90. Ge­burts­tag ist Fi­del Cas­tro am spä­ten Frei­tag­abend ge­stor­ben. Er re­gier­te sein Land nach der mi­li­tä­ri­schen Ero­be­rung der Macht 47 Jah­re lang. Sein Fa­mi­li­en­le­ben ver­such­te Cas­tro im­mer ab­zu­schir­men. Er hat ei­nen Sohn aus ei­ner frü­hen Ehe und min­des­tens sechs wei­te­re Kin­der. Ge­bo­ren wur­de er laut of­fi­zi­el­ler Bio­gra­fie am 26. Ju­li 1926 in Bi­ran im Os­ten Ku­bas. Schon als Kind emp­fand er die so­zia­len Ver­hält­nis­se auf der In­sel als zu­tiefst un­ge­recht. Als jun­ger Rechts­an­walt nahm er den Kampf ge­gen den Dik­ta­tor Ful­gen­cio Ba­tis­ta auf. En­de 1956 lan­de­te er aus Me­xi­ko kom­mend mit rund 80 Mit­kämp­fern auf der Ka­ri­bik­in­sel und be­gann den Gue­ril­la­kampf. Im Ja­nu­ar 1959 zo­gen sei­ne Trup­pen sieg­reich in Ha­van­na ein. Mit ei­ner Land­re­form und der Ver­staat­li­chung von Un­ter­neh­men mach­te sich Cas­tro schnell die USA zum Feind, die mit ei­nem Han­dels­em­bar­go re­agier­ten. Hil­fe fand das so­zia­lis­ti­sche Ku­ba bei der So­wjet­uni­on, von der die In­sel im­mer ab­hän­gi­ger wur­de. Der Zu­sam­men­bruch des Ost­blocks stürz­te Ku­ba nach 1990 in ei­ne schwe­re Wirt­schafts­kri­se. Als sich der grei­se Re­vo­lu­ti­ons­füh­rer kurz vor sei­nem 80. Ge­burts­tag ei­ner Ope­ra­ti­on un­ter­zie­hen muss­te, gab er am 31. Ju­li 2006 sei­ne Äm­ter zu­nächst pro­vi­so­risch an sei­nen fünf Jah­re jün­ge­ren Bru­der Raúl ab. 2008 über­nahm Raúl dau­er­haft die Füh­rung. Der ku­ba­ni­sche Staats­rat ord­ne­te ei­ne neun­tä­gi­ge Trau­er des Lan­des bis zur Bei­set­zung des „Máxi­mo Li­der“am 4. De­zem­ber an. Im US-Bun­des­staat Flo­ri­da be­ju­bel­ten Exil-Ku­ba­ner sei­nen Tod. Do­nald Trump sprach von ei­nem „bru­ta­len Dik­ta­tor“. Der fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent François Hol­lan­de wür­dig­te Cas­tro als „ei­ne Per­sön­lich­keit des 20. Jahr­hun­derts“. Er ha­be die ku­ba­ni­sche Re­vo­lu­ti­on mit ih­ren Hoff­nun­gen und Ent­täu­schun­gen ver­kör­pert. Der Vor­sit­zen­de der deut­schen Link­s­par­tei, Bernd Ri­ex­in­ger, lob­te, dass Castros Ku­ba, auch in schwie­ri­gen Zei­ten vor­bild­li­che So­zi­al­sys­te­me ge­habt ha­be.

Fi­del Cas­tro, hier auf ei­nem Fo­to von 2006, ist im Al­ter von 90 Jah­ren ge­stor­ben. Der jun­ge Rechts­an­walt er­ober­te nach ei­nem Gue­ril­la­kampf 1959 die Macht in Ku­ba und bau­te ei­nen so­zia­lis­ti­schen Staat auf. Fo­to: avs

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