Lu­ther­bi­bel mit Dra­chen­papst

Ba­di­sche Lan­des­bi­blio­thek mit Bü­cher­schät­zen auf Spu­ren der Re­for­ma­ti­on

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Tho­mas Liebs­cher

In der Hei­mat von Mar­tin Lu­ther ist der christ­li­che Glau­be im Deutsch­land­ver­gleich am we­nigs­ten ver­an­kert. In der „Lu­ther­stadt Wit­ten­berg“, wo der Re­for­ma­tor wirk­te, eben­so wie im gan­zen Bun­des­land Sach­sen-An­halt, ge­hö­ren nur rund 15 Pro­zent der Men­schen als Mit­glied zur evan­ge­li­schen Kir­che (zur rö­misch-ka­tho­li­schen be­ken­nen sich 3,5 Pro­zent.) Das er­gab die Volks­zäh­lung von 2011. Es könn­te durch­aus sein, dass die – wäh­rend der DDR-Zeit vor­an­ge­trie­be­ne – Glau­bens­fer­ne heute noch tie­fer wirkt. Wo al­so das geo­gra­fi­sche Zen­trum der an­ge­lau­fe­nen Er­in­ne­rung 500 Jah­re Re­for­ma­ti­on liegt, da ha­ben es Lu­the­ra­ner aktuell schwer. Viel stär­ker im Volk ver­an­kert ist die Evan­ge­li­sche Lan­des­kir­che in Ba­den. Des­halb konn­ten auch 3 6000 Ver­an­stal­tun­gen zum Ju­bli­lä­ums­jahr 2017 in die We­ge ge­lei­tet wer­den, freut sich Wolf­gang Br­jan­zew als Be­auf­trag­ter für die Re­for­ma­ti­ons­de­ka­de. Zu­sam­men mit der Ba­di­schen Lan­des­bi­blio­thek (BLB) in

Aus­stel­lung zur „Macht des Wor­tes“

Karls­ru­he bringt die Evan­ge­li­sche Kir­che nun Bü­cher­schät­ze aus der Zeit Mar­tin Lu­thers samt ih­rer Ge­schich­te nä­her. In der Schau „Die Macht des Wor­tes – Re­for­ma­ti­on und Me­di­en­wan­del“wird die Ent­wick­lung der neu­en Glau­bens­rich­tung an­hand von Bi­beln, Be­kennt­nis- und Streit­schrif­ten, Vor­schrifts und Ge­s­ang­bü­chern na­he­ge­bracht. Das von Mar­tin Lu­ther in­ner­halb von drei Mo­na­ten ins Deut­sche über­setz­te Neue Tes­ta­ment er­schien im Sep­tem­ber 1522 ge­druckt –in ei­ner Auf­la­ge von 3 000 Stück, oh­ne den Na­men des Ver­fas­sers. Im Aus­stel­lungs­raum der BLB ist die­ses „Newe Tes­ta­ment Deutzsch“(newe be­deu­tet neu) mit ei­ner Illustration von Lu­kas Cra­nach auf­ge­schla­gen. Der Holz­schnitt zur Of­fen­ba­rung des Jo­han­nes zeigt ein dra­chen­ar­ti­ges Tier. Es steht für den Wi­der­sa­cher, der sich in den Tem­pel Got­tes setzt und vor­gibt, er sei selbst Gott. „Die­ser Dra­che trug in der ers­ten Druck­aus­ga­be der Lu­ther­bi­bel noch die Papst­kro­ne Ti­a­ra“, er­läu­tert Ku­ra­to­rin An­ni­ka Stel­lo. „In die­ser zwei­ten Aus­ga­be, dem so­ge­nann­ten De­zem­ber­tes­ta­ment, wur­de nach Pro­tes­ten ei­ne normale Kro­ne dar­aus, um die Wir­kung ab­zu­schwä­chen.“Her­zog Ge­org der Bär­ti­ge von Sach­sen ver­bot den Ver­kauf mit ei­nem sol­chen schar­fen bild­li­chen An­griff auf den Papst und woll­te al­le Buch-Ex­em­pla­re ver­nich­ten. In der BLB-Aus­stel­lung kann man er­fah­ren, dass ein Teil der Straß­bur­ger Bi­bel von 1529 bei Veit Ko­bi­an in Dur­lach ge­druckt wur­de. „Die Lan­des­bi­blio­thek be­saß da­von ein Ex­em­plar, das wie vie­le an­de­re Bü­cher aus der Lu­ther­zeit beim Bom­ben­an­griff 1942 ver­nich­tet wur­de. Erst 1976 konn­te die­se Bi­bel wie­der er­wor­ben wer­den“, be­rich­tet An­ni­ka Stel­lo. Sie hat die Aus­stel­lung zu­sam­men mit Udo Wen­ne­muth, Ar­chi­var und Bi­b­lio­the­kar beim Ober­kir­chen­rat, ge­stal­tet. Als sehr er­gie­big fürs Pu­bli­kum dürf­te sich ei­ne der mo­nat­li­chen Ku­ra­to­ren­füh­run­gen durch die Schau in der BLB er­wei­sen. Die nächs­te ist am Sams­tag, 10. De­zem­ber, um 11 Uhr. Son­der­füh­run­gen sind nach Ab­spra­che mit der BLB mög­lich. Man kann sich da­für an die Pres­se­stel­le wen­den, Te­le­fon (07 21) 1 75-22 50. In der Aus­stel­lung sind die Saal- tex­te nun vor grü­nem Hin­ter­grund prä­sen­tiert. Die Far­be Pe­trol fließt in das neue Cor­po­ra­te De­sign der Lan­des­bi­blio­thek ein. Ihr Si­g­net ist ab 2017 ei­ne Art Trop­fen oder Blatt als Mi­schung aus Kreis und Recht­eck. Nicht ganz ein­ge­löst wird die Er­läu­te­rung des im Aus­stel­lungs­ti­tels er­wähn­ten „Me­di­en­wan­dels“. Die Re­for­ma­to­ren konn­ten durch Pre­digt und dank der re­la­tiv neu­en Tech­nik Buch­druck ih­re Ide­en ver­brei­ten. Als Me­di­en stan­den jetzt Flug­blät­ter, ge­bun­de­ne Flug­blät­ter oder Bü­cher zur Ver­fü­gung. Theo­lo­gi­sches wur­de nicht mehr nur auf Latein pu­bli­ziert. Aber wie ha­ben die Men­schen der Re­for­ma­ti­ons­zeit, von de­nen fünf Pro­zent le­sen konn­ten, auf die Me­di­en re­agiert? Wie hat sich der Wan­del zum Buch auf Deutsch tat­säch­lich voll­zo­gen? Ei­ni­ge Fra­ge­zei­chen hin­ter­lässt zu­dem der edel ge­stal­te­te Ka­ta­log (Ver­lag Schnell und St­ei­ner). Die an sich vor­züg­li­che Idee, links im Ka­ta­log rund 70 Buch­ti­tel oder ei­ne Sei­te ab­zu­bil­den und rechts die­ses wich­ti­ge Werk zu er­läu­tern, wird oft nicht le­ser­freund­lich um­ge­setzt. Je­den­falls wenn man an Nut­zer denkt, die nicht selbst Wis­sen­schaft­ler sind. Vie­le Ab­bil­dun­gen blei­ben ein­fach oh­ne Er­klä­rung. Zahl­rei­che la­tei­ni­sche oder früh­neu­hoch­deut­sche Buch­ti­tel wer­den nicht über­setzt. Ei­ni­ge Au­to­rin­nen und Au­to­ren le­gen lei­der zu sehr Wert auf die „Macht des wis­sen­schaft­li­chen Worts“an­statt die Buch­schät­ze ver­ständ­li­cher vor­zu­stel­len und zu wür­di­gen.

Das Wort zum Sonn­tag

Präch­ti­ge Illustration in der Lu­ther­bi­bel von 1560 (Frank­fur­ter Aus­ga­be). Der Apos­tel Pe­trus hat ge­ra­de ei­nen Brief ge­schrie­ben und über­gibt ihn ei­nem Men­schen in Re­nais­sance-Klei­dung. Wich­ti­ge Wer­ke der Re­for­ma­ti­ons­zeit stellt die Ba­di­sche Lan­des­bi­blio­thek der­zeit aus. Fo­to:© Karls­ru­he, Ba­di­sche Lan­des­bi­blio­thek,

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