Punk im Schwarz­wald

Wit­zi­ge Er­in­ne­run­gen des „Per­ry-Rho­dan“-Chef­re­dak­teurs

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Wolf­gang We­ber

Im Haupt­be­ruf küm­mert sich Klaus N. Frick um Sci­ence Fic­tion: Er ist Chef­re­dak­teur von „Per­ry Rho­dan“. Da­ne­ben ist der in Karls­ru­he le­ben­de Au­tor und Jour­na­list aber auch im­mer noch ein Punk. Auch wenn man ihm das nicht mehr un­be­dingt an­sieht. Schon in den frü­hen 80er Jah­ren pro­du­zier­te der ge­bür­ti­ge Freu­den­städ­ter meh­re­re Fanzines, die sich mal mit Sci­ence Fic­tion, mal mit Punk be­schäf­tig­ten. Ne­ben ei­ni­gen Ro­ma­nen schrieb er auch zahl­rei­che Kurz­ge­schich­ten, die nun erst­mals ge­sam­melt in ei­nem di­cken Buch er­schei­nen. In „Für im­mer Punk?“er­zählt der mitt­ler­wei­le 53-Jäh­ri­ge, wie es sich „da­mals“an­fühl­te, ein Punk zu sein. Und zwar nicht in den Me­tro­po­len, son­dern in ei­nem klei­nen Dorf im Schwarz­wald, wo die nächs­te und ein­zi­ge Stadt der Um­ge­bung das be­schau­li­che Freu­den­stadt ist. Dort kam es nicht all­zu gut an, wenn man so aus­sah: Sprin­ger­stie­fel, zer­ben schlis­se­ne Ho­se, selbst­ge­druck­tes „De­ad-Ken­ne­dys“-Shirt, St­a­chel­ket­te um den Hals und blon­dier­te Haa­re. Punk eben. In den Bier­zel­ten der Re­gi­on fühl­te sich der jun­ge Pun­ker dann auch recht un­wohl – da gab es näm­lich ei­ner­seits die bru­ta­len Haupt­schü­ler mit den „Sta­tus-Quo“-T-Shirts, an­de­rer­seits Volks­mu­sik­sän­ger, die ger­ne mal „Sieg!“in die Hal­le brüll­ten und dann auf das „Heil!“der be­trun­ke­nen Be­su­cher war­te­ten – was auch ge­brüllt wur­de ... In ei­nem solch pro­ble­ma­ti­schen Um­feld al­so wuchs der Te­enager Klaus da­mals auf. Das Buch, so Frick, soll we­der ein his­to­ri­scher Ab­riss über die Punk-Sze­ne in Deutsch­land sein noch soll es ei­ne ro­man­haf­te Hand­lung über ei­ne er­fun­de­ne Fi­gur er­zäh­len. Ins­ge­samt um­fas­sen die oft ko­mi­schen und lus­ti­gen Ge­schich­ten ei­nen Zei­t­raum von mehr als 30 Jah­ren. Auf den über 300 Sei­ten lernt man vie­le schrul­li­ge Fi­gu­ren ken­nen, die Na­men ha- wie „Na­zi Weiß­bart“, Nob­be oder Mao. Man taucht ein in die spie­ßi­ge Sonn­tag­nach­mit­tags­welt ei­ner Kle­in­stadt, man lei­det mit bei der Abi-Fei­er und man nimmt leb­haft teil am Er­wach­sen­wer­den ei­nes jun­gen Man­nes, der ir­gend­wie an­ders ist als die meis­ten sei­ner Mit­schü­ler. „Ich war nie von ir­gend­ei­ner Be­deu­tung“, sagt Klaus N. Frick. „Ich war ei­ner von de­nen, die eben da­bei wa­ren – ich ging auf Kon­zer­te und Cha­os­ta­ge, ich leb­te mei­nen ei­ge­nen Punk für mich und mit an­de­ren zu­sam­men“. Le­se­rin­nen und Le­sern zwi­schen 40 und 60 wird vie­les sehr be­kannt vor­kom­men in dem Buch, aber auch Jün­ge­re oder Äl­te­re wer­den Ant­wor­ten fin­den auf ei­ni­ge Fra­gen. Zum Bei­spiel auf je­ne, wie es sich für ei­nen Mann von über 50 Jah­ren an­fühlt, wenn man „den klei­nen Punk im Kopf bis heute nicht ver­lo­ren hat.“Zeit­ge­schich­te – mal ganz an­ders.

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