Von Bo­wie bis Ge­or­gie Fa­me

Das Bes­te vom Bes­ten / Li­ve, oh­ne Strom oder ori­gi­nal / Schö­ne Schei­ben für Samm­ler

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Max

Und wie­der dür­fen wir in die­ser Wo­che vier Neu­ver­öf­fent­li­chun­gen vor­stel­len, die zum größ­ten Teil aus be­kann­tem Ma­te­ri­al be­ste­hen, aber vor al­lem für Samm­ler und „Neu­ein­stei­ger“von In­ter­es­se sein dürf­ten. Da ist zum Bei­spiel In den über 50 Jah­ren, die zwi­schen sei­nen frü­hen Auf­nah­men in den spä­ten 60ern und sei­nem letz­ten Al­bum „Black­star“, das An­fang die­ses Jah­res nur we­ni­ge Ta­ge nach sei­nem Ab­le­ben er­schien, stand der „thin whi­te du­ke“als Ga­li­ons­fi­gur an der Spit­ze der zeit­ge­nös­si­schen Mu­sik. Als Mu­si­ker, Künst­ler, Mo­de­und Pop-Iko­ne und als kon­stan­te In­spi­ra­ti­on für gan­ze Ge­ne­ra­tio­nen von Mu­si­kern, Künst­lern und De­si­gnern hat er die Pop­kul­tur des spä­ten 20. Jahr­hun­derts ge­prägt. Bo­wie war ein ein­zig­ar­ti­ges Phä­no­men zeit­ge­nös­si­scher Kul­tur. Jetzt er­schien mit dem Al­bum „Le­ga­cy“das Ver­mächt­nis die­ses ein­zig­ar­ti­gen Man­nes, das ei­ni­ge sei­ner er­folg­reichs­ten und bes­ten Singles prä­sen­tiert. An­ge­fan­gen von sei­nem ers­ten gro­ßen in­ter­na­tio­na­len Hit „Space Od­di­ty“bis hin zu sei­nen letz­ten Singles „La­za­rus“und „I Can’t Gi­ve Ever­y­thing Away“, die An­fang die­ses Jah­res er­schie­nen, ent­hält Le­ga­cy fast aus­schließ­lich Mei­len­stei­ne der Pop­mu­sik. „Le­ga­cy“er­schien in zwei For­ma­ten, als Sing­le-CD mit 20 Tracks und als Dop­pel-CD mit 40 Tracks. Bei­de Ver­sio­nen ent­hal­ten ei­ne bis­her un­ver­öf­fent­lich­te Ver­si­on des 1971er Hits „Li­fe On Mars?“, die vom Pro­du­cer des Al­bums „Hun­ky Do­ry“, Ken Scott, ge­mixt wur­de. Er ist nicht ganz so be­deu­tend wie Da­vid Bo­wie, aber fast: ist ei­ner der be­rühm­tes­ten Song­wri­ter und Gi­tar­ris­ten sei­ner Zeit und sein Bei­trag zur Pop­mu­sik ist nicht zu un­ter­schät­zen. In den 1960er Jah­ren ge­lang­te Ro­bert­son als Mit­be­grün­der von „The Band“zu Welt­ruhm und leg­te daund den Grund­stein für das viel­sei­ti­ge So­lo­ma­te­ri­al, das er seit der Auf­lö­sung von „The Band“im Jahr 1976 pro­du­ziert hat. Jetzt ver­öf­fent­lich­te UMG mit dem Al­bum „Te­sti­mo­ny“ei­ne neue Antho­lo­gie mit 18 Auf­nah­men, die Ro­bert­son per­sön­lich als Be­glei­ter zu sei­nen gleich­na­mi­gen, so­eben er­schie­ne­nen Me­moi­ren aus­ge­wählt hat. „Te­sti­mo­ny“ist ei­ne Rei­se durch zahl­rei­che Stu­dio- und Li­ve­auf­nah­men aus sei­ner ge­sam­ten Mu­sik­kar­rie­re – vor, wäh­rend und nach der Hoch­pha­se von „The Band“. „Te­sti­mo­ny“prä­sen­tiert frü­he Auf­nah­men aus den 1960ern von Ro­bert­son und sei­nen zu­künf­ti­gen „The Band“-Kol­le­gen mit Ron­nie Haw­kins and The Hawks (und der spä­te­ren Be­set­zung von Le­von & The Hawks), Li­ve- und Stu­dio­ma­te­ri­al von „The Band“, Auf­nah­men von Bob Dy­lan mit „The Band“und nach der Tren­nung von „The Band“ent­stan­de­ne So­lo­tracks, dar­un­ter auch die ers­te Ver­öf­fent­li­chung ei­nes neu­en Mi­xes von Ro­bert­sons Song “Te­sti­mo­ny”. Mit Songs wie „The Weight“, „The Night They Dro­ve Old Di­xie Down“und „It Ma­kes No Dif­fe­rence“kre­ierten Ro­bert­son und sei­ne Kol­le­gen ei­nen Sound, der sich jahr­zehn­te­lang ge­hal­ten und zahl­lo­se Mu­si­ker be­ein­flusst hat. Ro­bert­sons Buch Te­sti­mo­ny und das gleich­na­mi­ge Al­bum er­gän­zen ein­an­der per­fekt und hal­ten die­sen be­son­de­ren Mo- ment und die Er­eig­nis­se fest, als der Rock ’n’ Roll zu ei­nem Teil des Le­bens wur­de, als Le­gen­den wie Bud­dy Hol­ly und Bo Didd­ley kreuz und quer durch die Clubs und Road­hou­ses von Te­xas bis To­ron­to fuh­ren, als die Beat­les, Ji­mi Hen­d­rix, die Rol­ling Sto­nes und An­dy War­hol durch die sel­ben Stra­ßen gin­gen und in den sel­ben Ho­tels wohn­ten. Lan­ge nichts mehr ge­hört hat­te man von der Band In all den Jah­ren ih­res sa­gen­haf­ten Er­fol­ges wur­de der Spi­rit von der bri­ti­schen Reg­gae-Com­bo nie in ein Akus­tik Set über­tra­gen. Nun zei­gen sich mit „Un­plug­ged & Grea­test Hits“ih­re Songs von ei­ner ganz neu­en Sei­te. “Zum ers­ten Mal nah­men wir uns UB40-Songs vor und ver­lie­hen ih­nen ein Akus­tik­ge­wand.”, er­zählt Sän­ger Ali Camp­bell. “Es klingt al­les sehr frisch. Und es ist et­was, was wir vor­her noch nie ge­macht ha­ben.” Un­ter den High­lights des Al­bums gibt es ei­ne neue Ver­si­on von „I Got You Ba­be“, wo­bei Alis 22-jäh­ri­ge Toch­ter Ka­ya je­ne Pas­sa­gen singt, die ur­sprüng­lich von Ch­ris­sie Hyn­de im Jahr 1985 ge­sun­gen wur­den, da­mit mals, als der Song an die Spit­ze der Charts klet­ter­te. Dar­über hin­aus gibt es un­ter an­de­rem neue Auf­nah­men von „(I Can’t Help) Fal­ling In Lo­ve With You“, „Red Red Wi­ne“so­wie von „Ba­by Co­me Back“fea­turing Pa­to Ban­ton, dem Reg­gae-Star aus Bir­ming­ham, der den Song an die Spit­ze der Charts im Jahr 1994 brach­te. Auch wei­te­ren Klas­si­kern wur­de ein neu­es Akus­tik-Ge­wand ge­ge­ben, dar­un­ter „Food For Thought“oder „Ty­ler“, bei­de vom De­büt­al­bum „Si­gning Off“. Qua­si als Bo­nus-CD gibt es die „Grea­test Hits“von UB 40 in den ver­trau­ten Ver­sio­nen. Ei­nen pracht­vol­len, lie­be­voll zu­sam­men­ge­stell­ten Kar­riere­über­blick bie­tet schließ­lich die Sechs-CD-Box Sur­vi­val. A Ca­re­er Antho­lo­gy 1963 – 2015“. In die­ser Box be­fin­den sich sechs Discs mit 110 Lie­dern (18 da­von bis­her un­ver­öf­fent­licht) aus mehr als fünf Jahr­zehn­ten, dar­un­ter al­le sei­nen Hit­sin­gles (dar­un­ter drei UK #1 Hits), be­mer­kens­wer­te B-Sei­ten, Ra­ri­tä­ten (ein­schließ­lich sei­ner vier In­stru­men­tal­auf­nah­men als Band­lea­der) und ei­ne gan­ze Rei­he wich­ti­ger Al­bum­tracks. Un­ter den un­ver­öf­fent­lich­ten Tracks fin­den sich sechs Ju­we­len aus der CBS-Zeit (auf­ge­nom­men zwi­schen 1967 und 1970), fünf Stü­cke aus den 1974 und 1976 in den USA auf­ge­nom­me­nen Is­land-Re­cor­ds-Ses­si­ons sie­ben Tracks von ei­ner Li­ve­show im Ly­ce­um in Lon­don im Sep­tem­ber 1974. Das 48-sei­ti­ge Hard­co­ver-Buch ent­hält aus­führ­li­che Be­gleit­tex­te in­klu­si­ve ei­nes neu­en In­ter­views mit Ge­or­gie, das der Mu­sik­jour­na­list Pao­lo He­witt führ­te. Da­zu gibt es vie­le

Von „Space Od­di­ty“bis „La­za­rus“ UB 40 sind plötz­lich wie­der da Sechs-CD-Box von Ge­or­gie Fa­me

bis­her nicht ge­zeig­te Fo­tos. Es ist der um­fang­reichs­te Über­blick über ei­ne wirk­lich atem­be­rau­ben­de Kar­rie­re, ei­ne Samm­lung, die wirk­lich Klas­se hat. Es gibt noch ein wei­te­res Ele­ment, das wir nicht ver­ges­sen wol­len. Wäh­rend er die gro­ße Wel­le der Pop­mu­sik ritt, Lob­lie­der da­bei nie zu ernst nahm, Tief­schlä­ge weg­steck­te und sei­ne ein­zig­ar­ti­ge Vi­si­on ver­folg­te, gab es im­mer ei­ne Kon­stan­te: Der Mann ver­ström­te im­mer „Cool­ness“. Sei­ne Auf­trit­te, sei­ne Klei­dung, sein Stil – coo­ler ging es nicht.

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