Wenn der Win­ter­blues kommt . . .

Licht­man­gel sorgt in dunk­len Mo­na­ten oft für Tr­üb­sinn / Auch Ku­scheln hilft

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - AFP

Kur­ze Ta­ge, grau­er Him­mel, Nie­sel­re­gen: Die dunk­le Jah­res­zeit drückt vie­len Men­schen aufs Ge­müt. So­lan­ge es sich nicht um ei­ne ech­te De­pres­si­on han­delt, gibt es ei­ni­ge Re­zep­te ge­gen den Herbst- und Win­ter­blues. Meist hel­fen schon klei­ne Spa­zier­gän­ge und Sport im Frei­en da­bei, die schlech­te Stim­mung und die Mü­dig­keit zu ver­trei­ben. Hier ei­ni­ge Ant­wor­ten auf zen­tra­le Fra­gen:

War­um die­ser Tr­üb­sinn?

Der Haupt­grund für den Tr­üb­sinn ist der Man­gel an Ta­ges­licht. Das hemmt die Pro­duk­ti­on des Mun­ter­ma­cher­hor­mons Se­ro­to­nin. Gleich­zei­tig schüt­tet der Kör­per bei Licht­man­gel zu viel von dem Schlaf­hor­mon Me­la­to­nin aus – Mü­dig­keit ist die Fol­ge.

Was hilft?

Sport und Be­we­gung an der fri­schen Luft brin­gen die Se­ro­to­nin-Pro­duk­ti­on und den Kreis­lauf in Schwung. Selbst bei grau­em, be­wölk­tem Him­mel ist das na­tür­li­che Ta­ges­licht noch drei- bis vier­mal so stark wie die Mög­lichst ei­ne hal­be St­un­de soll­te nach dem Rat von Ex­per­ten des­halb je­der täg­lich nach drau­ßen ge­hen – al­so in der Mit­tags­pau­se mal auf die Stra­ße oder am Wo­che­n­en­de ei­nen aus­ge­dehn­ten Spa­zier­gang machen. Bei ei­nem stark emp­fun­de­nen Win­ter­blues kann auch ei­ne Licht­the­ra­pie mit ex­trem hel­len Lam­pen hel­fen.

Und die Er­näh­rung?

Ana­nas, Ba­na­nen, Wein­trau­ben, Scho­ko­la­de und Fisch för­dern die Aus­schüt­tung von Se­ro­to­nin. Das in See­fisch ent­hal­te­ne Jod regt au­ßer­dem die Schild­drü­sen­funk­ti­on an und bringt den Stoff­wech­sel der Zel­len in Gang.

Hilft kör­per­li­che Nä­he?

Der Leip­zi­ger Forscher Mar­tin Gr­un­wald emp­fiehlt Ku­schel­ein­hei­ten ge­gen den No­vem­ber­blues. Schon ei­ne zehn­mi­nü­ti­ge Mas­sa­ge pro Tag kön­ne die Stim­mung auf­hel­len. Da­zu braucht es kei­nen pro­fes­sio­nel­len Mas­seur. Durch die Be­rüh­rungs­rei­ze wer­den be­stimm­te Hor­mo­ne und Neu­ro- trans­mit­ter im Ge­hirn aus­ge­schüt­tet und ge­bil­det, die sich po­si­tiv auf den kör­per­li­chen Zu­stand aus­wir­ken, meint der Ex­per­te von der Me­di­zi­ni­schen Fa­kul­tät der Leip­zi­ger Uni­ver­si­tät. Durch Selbst­be­rüh­run­gen lässt sich die­ser Ef­fekt üb­ri­gens nicht er­rei­chen.

Win­ter­blues oder De­pres­si­on?

Der Win­ter­blues ist in der Re­gel kei­ne „rich­ti­ge“De­pres­si­on, son­dern eher ei­ne harm­lo­se­re Va­ri­an­te der so­ge­nann­ten „sai­so­nal ab­hän­gi­gen De­pres­si­on (SAD)“, von der et­wa 800 000 Men­schen und da­mit ein Pro­zent der Be­völ­ke­rung in Deutsch­land be­trof­fen sind. Von ei­ner SAD spre­chen Ex­per­ten aber erst dann, wenn sich im Herbst und Win­ter min­des­tens zwei Jah­re hin­ter­ein­an­der de­pres­si­ve Sym­pto­me ein­stel­len. Bei schwe­rer SAD ist meist ei­ne me­di­ka­men­tö­se oder psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Be­hand­lung nö­tig.

Wie er­ken­ne ich De­pres­sio­nen?

Die SAD-Sym­pto­me wie ge­drück­te Stim­mung, Freud­lo­sig­keit, man­geln­der An­trieb oder auch kör­per­li­che Be­schwer­den wie RüZim­mer­be­leuch­tung. cken- oder Ma­gen­schmer­zen glei­chen de­nen an­de­rer de­pres­si­ver Er­kran­kun­gen. Im Un­ter­schied zu an­de­ren For­men geht SAD nach An­ga­ben der Stif­tung Deut­sche De­pres­si­ons­hil­fe aber nicht mit Schlaf­stö­run­gen und Ap­pe­tit­lo­sig­keit ein­her. Im Ge­gen­teil: Men­schen mit Herbst-Win­ter-De­pres­si­on ha­ben ei­nen ge­stei­ger­ten Ap­pe­tit, ei­nen re­gel­rech­ten Heiß­hun­ger auf Koh­len­hy­dra­te und Sü­ßes und ein grö­ße­res Schlaf­be­dürf­nis.

Was bringt ei­ne Licht­the­ra­pie?

Die auf­hel­len­de Wir­kung des Lichts zeigt bei sai­so­na­ler De­pres­si­on gu­te Wir­kung. Das ge­rin­ge Ta­ges­licht wird da­bei durch künst­li­che Lam­pen er­setzt, die UV- und Blau­licht­an­tei­le her­aus­fil­tern. Das Licht wird di­rekt in die Au­gen ge­strahlt. Die Be­hand­lung er­folgt täg­lich et­wa ei­ne hal­be St­un­de bei ei­ner Hel­lig­keit von bis zu 10 000 Lux. Der Me­di­zi­ni­sche Di­enst der Kran­ken­kas­sen be­schei­nigt bei der Be­wer­tung von in­di­vi­du­el­len Ge­sund­heits­leis­tun­gen der Licht­the­ra­pie bei ei­ner SAD ei­nen „ten­den­zi­ell po­si­ti­ven“Nut­zen.

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