Ein­kau­fen vor 100 Jah­ren

Aus­stel­lung in Karls­ru­he über die Wa­ren­haus-Dy­nas­tie Knopf

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Fo­to: ww/Mon­ta­ge: SO

Mehr über das Schick­sal der jü­di­schen Kauf­manns­fa­mi­lie und ihr Stamm­haus in der Kai­ser­stra­ße (Vor­gän­ger des heu­ti­gen Kar­stadt) le­sen Sie auf der

In sei­nem 1883 er­schie­ne­nen Ro­man „Au Bon­heur des Da­mes“(„Das Pa­ra­dies der Da­men“) setzt der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler und Jour­na­list Emi­le Zo­la dem gleich­na­mi­gen Wa­ren­haus in Pa­ris, ei­nem da­mals neu­en Phä­no­men, ein Denk­mal. Das präch­ti­ge Kauf­haus ver­zau­ber­te von Be­ginn an die Kun­den, trieb aber gleich­zei­tig vie­le Ein­zel­händ­ler in den Ru­in oder zu­min­dest in die Ver­zweif­lung. Zwei Jah­re zu­vor, 1881, hat­te der jü­di­sche Ge­schäfts­mann Max Knopf mit Hil­fe sei­ner Schwes­ter Jo­han­na ein klei­nes Tex­til­ge­schäft im eins­ti­gen Pa­lais des jü­di­schen Ban­kiers Sa­lo­mon von Ha­ber in der Karls­ru­her Kai­ser­stra­ße er­öff­net. Die Knopf-Fa­mi­lie, dar­un­ter auch die Brü­der Sal­ly, Mo­ritz und Al­bert, hat­te sich kurz zu­vor aus dem klei­nen Städt­chen Birn­baum in der da­ma­li­gen preu­ßi­schen Pro­vinz Po­sen (heute Po­len) auf den Weg nach Wes­ten ge­macht. Nach und nach grün­de­ten auch sei­ne Brü­der ei­ge­ne Ge­schäf­te: Mo­ritz Knopf 1882 in Straß­burg, Sal­ly Knopf 1887 in Frei­burg, Al­bert Knopf 1893 in Zü­rich. Schließ­lich gab es mehr als 80 Nie­der­las­sun­gen – ein wah­res „Knopf-Im­pe­ri­um“, das al­ler­dings nicht von Dau­er war. End­gül­tig en­de­te die „KnopfÄ­ra“1978, als das letz­te ih­rer Wa­ren­häu­ser in Ba­sel ge­schlos­sen wur­de. Max, der jüngs­te der vier Brü­der, woll­te bald mehr. Er ver­grö­ßer­te sich im­mer wei­ter – ei­ner­seits nach au­ßen mit vie­len Fi­lia­len, an­de­rer­seits in sei­nem ei­ge­nen La­den, der bald zu klein wur­de für die vie­len Wa­ren. Und so ließ Max Knopf im Jah­re 1912 das Ha­ber­sche Haus ab­rei­ßen und an sei­ner Stel­le ein mo­nu­men­ta­les Wa­ren­haus er­rich­ten. Der Ent­wick­lung die­ses Stamm­hau­ses in Karls­ru­he ist die sehr in­ter­es­san­te Aus­stel­lung „Wa­ren.Haus.Ge­schich­te – Die KnopfDy­nas­tie und Karls­ru­he“im Karls­ru­her Stadt­mu­se­um ge­wid­met. Er­in­nert wird an das Le­ben der jü­di­schen Kauf­manns­fa­mi­lie und de­ren Ver­fol­gung nach der Macht­er­grei­fung der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten. Zum ei­nen wird auf 40 groß­for­ma­ti­gen Ta­feln die Er­folgs­ge­schich­te des Knopf-Im­pe­ri­ums er­läu­tert, zum an­de­ren sor­gen vie­le ori­gi­na­le Wa­ren und Ge­gen­stän­de aus den 20er Jah­ren für Au­then­ti­zi­tät. Die Aus­stel­lungs­tex­te stam­men von Bernd Ser­ger, dem ehe­ma­li­gen Lei­ter der Hei­mat­re­dak­ti­on der Ba­di­schen Zei­tung in Frei­burg, der die Ge­schich­te der Fa­mi­lie Knopf in akri­bi­scher Ar­beit re­cher­chiert und fest­ge­hal­ten hat. Im April 1914, kurz vor Aus­bruch des Ers­ten Welt­krie­ges, wur­de der präch­ti­ge Neu­bau der Ge­schwis­ter Knopf er­öff­net – un­ter rie­si­gem In­ter­es­se der Karls­ru­her Be­völ­ke­rung. Mit Wil­helm Kreis hat­te sich Max Knopf ei­nen Star-Ar­chi­tek­ten ge­holt, der un­ter an­derm mit Bis­marck-Denk­mä­lern be­rühmt ge­wor­den war. Bernd Ser­ger schreibt hier­zu: „Das Wa­ren­haus Knopf, das die für die da­ma­li­ge Wa­ren­haus-Ar­chi­tek­tur gel­ten­den äs­the­ti­schen Vor­ga­ben des Pfei­ler­baus mit Ele­men­ten des Wein­bren­ner-Stils ver­band, war nun mit das schöns­te Wa­ren­haus Deutsch­lands – und blieb es bis heute, da sei­ne Fas­sa­de ge­ra­de noch recht­zei­tig als Bau­denk­mal ge­schützt wur­de.“Die­se in der Tat sehr schö­ne Fas­sa­de kann man heute noch se­hen: Sie ge­hört zum Kauf­haus Kar­stadt. Au­ßer der Fas­sa­de blieb je­doch nichts er­hal­ten, in­nen wur­de Kar­stadt in den 80er Jah­ren kom­plett um­ge­baut, auch der ma­jes­tä­ti­sche Licht­hof ist ver­schwun­den. Als die Na­zis an die Macht ka­men, zwan­gen die­se vie­le jü­di­sche Kauf­leu­te zur Auf­ga­be. In Karls­ru­he muss­te nach dem Tod von Max Knopf im Jah­re 1934 sei­ne Toch­ter Mar­ga­re­the die Fir­ma 1938 zum Schleu­der­preis ver­kau­fen. Zu­nächst über­nahm der Kauf­mann Fried­rich Höl­scher das Haus, 1953 wur­de es schließ­lich an den Kar­stadt­Kon­zern, die schon da­mals größ­te Wa­ren­haus­ket­te in Deutsch­land, ver­kauft. Die Karls­ru­her Aus­stel­lung be­leuch­tet nach den Wor­ten von Stadt­mu­se­ums­lei­ter Pe­ter Pretsch zwei Aspek­te: Wa­ren­haus­ge­schich­te und Kul­tur­ge­schich­te. „Wir zei­gen vie­les aus dem opu­len­ten Sor­ti­ment der 20er und 30er Jah­re, zum Bei­spiel Spiel­zeug, Ba­by­aus­stat­tung, ein Por­zel­lan­ser­vice oder Ori­gi­nal-Wer­be­pro­spek­te.“Der Gang durch die Aus­stel­lung ist in­ter­es­sant und macht Spaß – und das liegt nicht nur am Kurz­film „Der La­den­auf­se­her“(Ori­gi­nal­ti­tel: The Floor­wal­ker) von und mit Char­lie Chap­lin: Der stammt aus dem Jahr 1916, spielt in ei­nem gro­ßen Kauf­haus und läuft im Stadt­mu­se­um in Dau­er­schlei­fe. „Wa­ren.Haus.Ge­schich­te. Die Knopf-Dy­nas­tie und Karls­ru­he“, Stadt­mu­se­um Karls­ru­he (Prinz-Max-Pa­lais, Karl­stra­ße 10), bis 26. Fe­bru­ar, ge­öff­net Di­ens­tag und Frei­tag 10 bis 18 Uhr, Don­ners­tag 10 bis 19 Uhr, Sams­tag 14 bis 18 Uhr, Sonn­tag 11 bis 18 Uhr.

Der ma­jes­tä­ti­sche Licht­hof des Wa­ren­hau­ses Knopf in der Karls­ru­her Kai­ser­stra­ße. Heute be­fin­det sich hier das Kauf­haus Kar­stadt. Nur die Ori­gi­nal­fas­sa­de blieb er­hal­ten. © Mo­der­ne Bau­for­men 14, 1, 1915

Schau­fens­ter­pup­pen mit Ori­gi­nal­be­klei­dung der 20er Jah­re. Fo­to: ww

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