„Re­gel­rech­ter Sucht­fak­tor“

Trend­sport Pa­del-Ten­nis: Wel­le schwappt von Spa­ni­en nach Ba­den über

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Ekart Kin­kel

Wäh­rend der Me­den­run­de schwang Ben Ru­dolph re­gel­mä­ßig den Ten­nis­schlä­ger. Im Ju­li fei­er­te der Sport­wart des TC Gröt­zin­gen mit den Her­ren 30 die Ba­den­li­ga-Meis­ter­schaft und den da­mit ver­bun­de­nen Auf­stieg in die Re­gio­nal­li­ga. Nach der Sai­son bleibt Ru­dolphs Ra­cket aber meis­tens im Schrank. Wenn es den 33Jäh­ri­gen auf die Gröt­zin­ger An­la­ge zieht, steht er fast aus­schließ­lich auf ei­nem der zwei neu­en Pá­del-Plät­ze „Die­se Spiel macht ein­fach un­heim­lich Spaß“, schwärmt Ru­dolph, „es macht so­gar re­gel­recht süch­tig und ist we­gen der ge­rin­ge­ren Ge­schwin­dig­keit und des klei­ne­ren Fel­des nicht so se­lek­tiv wie Ten­nis“. Selbst im Win­ter will er nicht auf sei­ne neue Pas­si­on ver­zich­ten und sich bei Tem­pe­ra­tu­ren von über zehn Grad Cel­si­us mit Be­kann­ten für ei­ne Par­tie Pá­del auf ei­nem der bei­den Frei­luft­plät­ze ver­ab­re­den.

Frei­luft­plät­ze wer­den ganz­jäh­rig be­spielt

Vor über 50 Jah­ren wur­de das Rück­schlag­spiel Pá­del, Pa­del-Ten­nis oder Padd­le-Ten­nis, in Me­xi­ko er­fun­den. Über Spa­ni­en fand der Trend­sport sei­nen Weg nach Eu­ro­pa. Im Früh­jahr hat die Pá­del-Wel­le auch die Fä­cher­stadt er­reicht und zum Be­ginn der Frei­luft­sai­son wur­den auf den Sport­an­la­gen des TC Gröt­zin­gen, des Karls­ru­her ETV und der Spvgg Dur­lach-Aue ins­ge­samt vier Pá­delPlät­ze of­fi­zi­ell in Be­trieb ge­nom­men. Ei­ne Frei­zeit­an­la­ge gibt es auch im Grün­bach­tal im Ba­den-Ba­de­ner Orts­teil Varn­halt. Um­rahmt von Wein­ber­gen be­fin­det sich dort ein Ma­gnum De­lu­xe Pá­del Court. Al­le ge­nann­ten Plät­ze sind mit Flut­licht aus­ge­stat­tet. Die Grund­re­geln sind de­nen des Ten­nis ähn­lich, al­ler­dings wird Pá­del aus­schließ­lich als Dop­pel ge­spielt. Au­ßer­dem darf der Auf­schlag beim Pá­del nur von un­ten aus­ge­führt wer­den. Mar­kan­tes­te Un­ter­schie­de zum Ten­nis sind das klei­ne­re Spiel­feld und dass der Ball wie beim Squash auch über Ban­de ge­spielt wer­den darf. Hoch zu­frie­den mit der Re­so­nanz auf den neu­en Platz ist Pá­del-Ab­tei­lungs­lei­ter Frank Cra­mer von der Spvgg Dur­lach-Aue. „Die Leu­te kom­men aus der gan­zen Re­gi­on zu uns“, sagt er. „So­gar aus Stutt­gart ha­ben wir re­gel­mä­ßi­ge Gast­spie­ler“. Cra­mer wur­de be­reits vor vie­len Jah­ren bei ei­nem Spa­ni­en-Ur­mit vom Pá­del-Vi­rus in­fi­ziert und gibt am Ober­wald nun Trai­ner­stun­den für An­fän­ger und Fort­ge­schrit­te­ne. Mit dem Trend­sport­an­ge­bot möch­te er vor al­lem jün­ge­re Leu­te an­spre­chen. „Wer vom Ten­nis oder Squash kommt, kann auch Pá­del spie­len“, be­tont Cra­mer. Rund 40 neue Mit­glie­der sei­en dank des Pá­del-Plat­zes be­reits zur Spiel­ver­ei­ni­gung ge­sto­ßen und auch die Spon­so­ren wür­den sich im­mer stär­ker für Pá­del in­ter­es­sie­ren. Ob im kom­men­den Jahr ein zwei­ter Pá- del-Platz er­rich­tet wird, steht laut Cra­mer al­ler­dings noch nicht fest. „Aber viel­leicht be­kommt der jet­zi­ge Platz schon bald ein Dach“, sagt der Ab­tei­lungs­lei­ter, „dann kann auch bei schlech­te­rem Wet­ter ge­spielt wer­den“. An tro­cke­nen und nicht zu kal­ten Ta­gen herr­sche auf dem Pá­del-Ge­län­de aber so­gar im Win­ter re­ger Be­trieb. Rund 40 000 Eu­ro kos­tet ein um­zäun­tes Feld mit den durch­sich­ti­gen Ple­xi­glas­ban­den. Ge­baut wur­den die vier Karls­ru­her Courts von der Ten­nis­platz-Fir­ma des KETV-Vi­ze­prä­si­den­ten Oli­ver Klenert. Beim Ten­nis­ver­ein an der Alb sol­len laut Klenert vor al­lem Ju­gend­li­che für das Pá­del-Spiel be­geis­tert wer­den. „Pá­del ist ein ab­so­lu­ter Trend­sport“, be­tont Klenert, und über kurz oder lang könn­te da­laub so­gar dem der­zei­ti­gen Mit­glie­der­schwund in vie­len Ten­nis­ver­ei­nen ent­ge­gen­ge­steu­ert wer­den. Laut Klenert hät­ten in Karls­ru­he be­reits et­li­che Ver­ei­ne In­ter­es­se an ei­nem Pá­del-Platz si­gna­li­siert. Oli­ver Klenert hat be­reits ein Zu­kunfts­bild vor Au­gen, ihm schwe­ben „Ra­cket-Clubs“mit Plät­zen für Ten­nis, Pá­del und für die schnel­le Bad­min­ton-Frei­luft-Va­ri­an­te Speed­min­ton vor. „Wenn Ten­nis­ver­ei­ne ei­ne Zu­kunft ha­ben möch­ten, müs­sen sie die al­ten Mus­ter auf­bre­chen“, glaubt Klenert. Denn mit den Struk­tu­ren aus den 1970er und 1980er Jah­ren könn­ten heu­te kaum mehr neue Mit­glie­der be­geis­tert wer­den, meint er.

Ball darf auch mit­tels Ban­de ge­spielt wer­den

Von Süd­ame­ri­ka über Spa­ni­en nach Deutsch­land: Pá­del oder Pa­del-Ten­nis wird in­zwi­schen auch in Karls­ru­he, wie hier beim TC Gröt­zin­gen, und in Ba­den-Ba­den an­ge­bo­ten. Ge­spielt wird im Dop­pel auf ei­nem klei­ne­ren Platz als beim Ten­nis. Wie beim Squash darf die Ban­de des Fel­des ins Spiel ein­be­zo­gen wer­den. Fo­to: Schwi­tal­la

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.