Abt Win­fried Schwab |

Vor­ste­her Klos­ter Stift Neu­burg in Hei­del­berg

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Tho­mas Liebs­cher

An Sonn­tag­nach­mit­ta­gen stellt sich Win­fried Schwab manch­mal sein ei­ge­nes Kul­tur­pro­gramm zu­sam­men. Er be­sucht Kunst­aus­stel­lun­gen in Mu­se­en oder Ga­le­ri­en – in Hei­del­berg oder Umgebung. „Mit be­son­de­rem In­ter­es­se für Ge­gen­warts­kunst“, er­zählt der 52-Jäh­ri­ge. Dann ist der Be­ne­dik­ti­ner­mönch nicht im­mer in der ty­pisch schwar­zen Tracht sei­nes Or­dens un­ter­wegs, dem Ha­bit, land­läu­fig Kut­te ge­nannt. Welt­ab­ge­wandt ist der Obers­te des Klos­ters Stift Neu­burg bei Hei­del­berg eben­so we­nig wie sei­ne Mit­brü­der. Abt Win­fried brach­te sein In­ter­es­se für mo­de­re Ge­mäl­de, Skulp­tu­ren oder Vi­deo­kunst zu­dem in den Be­ruf ein. „Im ös­ter­rei­chi­schen Klos­ter Ad­mont, war ich Be­auf­trag­ter für die dor­ti­ge Samm­lung Ge­gen­warts­kunst, die kei­nen re­li­giö­sen Be­zug auf­wei­sen muss.“Das Stift in der Stei­er­mark mit der größ­ten Klos­ter­bi­blio­thek der Welt sorg­te für Win­frieds Wen­de­punkt im Le­ben. „Ich woll­te ei­gent­lich Bi­b­lio­the­kar wer­den, doch im Al­ter von 31 Jah­ren ha­be ich mich ent­schlos­sen, in die­ses Klos­ter ein­zu­tre­ten.“Nun hat der in Hes­sen ge­bo­re­ne Mönch seit März 2016 ei­ne neue per­sön­li­che Her­aus­for­de­rung, die mit ei­ni­ger Um­stel­lung ver­bun­den ist. „Von der präch­ti­gen Ba­rock­kir­che zum schlich­ten Kir­chen­raum in Neu­burg, von gro­ßen Brü­derKon­vent mit 500 An­ge­stell­ten hin zu ei­ner klei­nen Ge­mein­schaft mit zwölf Mön­chen und we­ni­gen Be­schäf­tig­ten“. Abt Win­fried, der „ös­ter­rei­chi­sche Im­port“, wie er sich schmun­zelnd nennt, fin­det es span­nend, die ein­zi­ge ba­di­sche Be­ne­dik­ti­ner-Ab­tei mit wirt­schaft­lich-fi­nan­zi­el­le Ver­ant­wor­tung zu füh­ren so­wie mit zu er­hal­ten – „ voll Freu­de und Zu­ver­sicht.“Auch ein re­li­giö­ser Ma­na­ger ist ein op­ti­mis­ti­scher Ma­cher. Nach drei Neu­bur­ger Jah­re sol­le man Früch­te sei­nes Wir­kens be­mer­ken. Mehr Dia­log zwi­schen (Hei­del­ber­ger) Wis­sen­schaft und Theo­lo­gie ge­hört eben­falls zu sei­nen Zie­len. Je­den Mor­gen um Vier­tel nach Fünf wacht Abt Win­fried auf, in­zwi­schen oh­ne We­cker. Nach der ers­ten Ge­bets­zeit um 6.15 in die Kir­che, macht er sich Früh­stück im Spei­se­saal. Werk­tags um 8.15 Uhr folgt die Mes­se, an­schlie­ßend wä­re Bü­ro­zeit, die der Abt am Sonn­tag aber ru­hen lässt. Be­vor die Ge­bets­zei­ten an­ste­hen, schal­tet Abt Win­fried sein Smart­pho­ne aus. Er liest Zei­tun­gen und hört Ra­dio, am Fern­se­hen ist er, wie die an­de­ren Mön­che, nicht in­ter­es­siert. Ob es In­ter­net­an­schluss in sei­nem Zim­mer gibt, ent­schei­det je­der Mit­bru­der. Netz­wer­ke wie Face­book zu ken­nen und als Klos­ter dort prä­sent zu sein, ist Win­fried wich­tig. „Es gibt an an­de­ren Or­ten Be­ru­fun­gen über das In­ter­net.“Wenn es an ihm ist, die Sonn­tags­pre­digt zu hal­ten, dann spricht er frei, oh­ne Ma­nu­skript. Er möch­te die Bi­bel­tex­te als An­lei­tung fürs ganz per­sön­li­che Le­ben aus­le­gen, fast nie die­nen sie ihm als Vor­la­ge für ge­sell­schaft­li­che-po­li­ti­sche An­mer­kun­gen. Ne­ben sei­nem Ha­bit mit Ka­pu­ze trägt der Abt manch­mal noch ei­ne an­de­re Uni­form. Er schlüpf­te so­gar auf dem Klos­ter­grund­stück hin­ein – als im Früh­jahr ein Bach über die Ufer trat: Der Abt pack­te kräf­tig mit an. Schließ­lich ist er ak­ti­ves Mit­glied der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Zie­gel­hau­sen.

Fo­to: Dia­na Deutsch/Ab­tei Neu­burg

52 Jah­re alt und seit we­ni­gen Mo­na­ten Abt in Neu­burg: Win­fried Schwab kam vom präch­ti­gen Klos­ter Ad­mont in Ös­ter­reich. Im Al­ter von 31 ent­schloss er sich, Mönch zu wer­den.

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