Dy­lan lässt Fei­er sau­sen

Stock­holm fei­ert den Rock­poe­ten und No­bel­preis­trä­ger trotz­dem

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Avs

Selbst die Aus­sicht dar­auf, beim No­bel­ban­kett viel­leicht zwi­schen Kö­ni­gin Sil­via und Prin­zes­sin Ma­de­lei­ne zu sit­zen, hat ihn nicht um­ge­stimmt. Der US-Sän­ger, in die­sem Jahr mit dem Li­te­ra­tur­no­bel­preis be­dacht, ließ die gest­ri­ge Preis­ver­lei­hung in Stock­holm ein­fach sau­sen. Das hin­der­te die Schwe­den aber nicht dar­an, den 75-jäh­ri­gen Rock­poe­ten zu fei­ern. No­bel­ju­ror Hor­a­ce Eng­dahl nann­te Dy­lan bei der Fei­er in ei­nem Atem­zug mit Ovid und Sha­ke­speare. Da­mit woll­te er wohl auch Kri­ti­kern den Wind aus den Se­geln neh­men. Dass zum ers­ten Mal ein Song­schrei­ber die Aus­zeich­nung zu­er­kannt be­kom­men hat­te, ge­fiel nicht al­len. „Wenn die Leu­te in der Li­te­ra­tur­welt stöh­nen, muss sie ei­ner dar­an er­in­nern, dass die Göt­ter nicht schrei­ben, sie tan­zen und sin­gen“, er­klär­te Eng­dahl. Statt Dy­lan tanz­te und sang bei der Ga­la im Kon­zert­haus die ame­ri­ka­ni­sche Sän­ge­rin Pat­ti Smith. Wäh­rend es drau­ßen reg­ne­te, trug sie im Saal „A Hard Rain’s A-Gon­na Fall“vor – und stock­te plötz­lich mit­ten im Lied. „Es tut mir leid, ich bin so ner­vös“, er­klär­te der Su­per­star fast schüch­tern – und ern­te­te Ju­bel­stür­me. Die rest­li­chen Stro­phen des Lie­des, das Dy­lan mit zar­ten 21 Jah­ren ge­schrie­ben hat, brach­te sie flüs­sig über die Büh­ne. Nur ei­ner freu­te sich ins­ge­heim viel­leicht ein biss­chen, dass Bob Dy­lan sich nicht hat bli­cken las­sen: Phy­sik-Preis­trä­ger Dun­can Hald­a­ne durf­te beim Abend­es­sen zwi­schen der Kö­ni­gin und Prin­zes­sin Ma­de­lei­ne sit­zen.

„Ich ha­be kein spe­zi­el­les“, er­zählt Hil­de Be­cker (82), Rent­ne­rin aus Karls­ru­he. „Rich­ti­ge Weih­nachts­lie­der wie ‚O du fröh­li­che‘ pas­sen mei­ner Mei­nung nach erst an den Fei­er­ta­gen. Bes­ser geht jetzt et­was wie ‚Schnee­flöck­chen, Weiß­röck­chen‘. Ich sin­ge gern, aber nur wenn man mich nicht raus­hört.“ „Stil­le Nacht, Heilige Nacht’ ist gut“, sagt Ben­ny Mai­er (20), Stu­dent aus Malsch. „Das Lied greift den Geist von Weih­nach­ten auf und hat ge­ra­de im Kon­trast zur ak­tu­el­len Hek­tik et­was Be­sinn­li­ches. Den Ad­vent und die Fei­er­ta­ge mag ich gern. Ich hö­re Weih­nachts­mu­sik, ba­cke… das vol­le Pro­gramm.“ „Ich mag Lie­der wie ‚Jing­le Bells‘, er­wi­dert Mar­lies Mül­ler (68), Rent­ne­rin aus Ba­den-Ba­den. „Es ist nicht so an­rüh­rend wie zum Bei­spiel ‚Stil­le Nacht, Heilige Nacht‘, son­dern geht nach vorn. Ein Weih­nachts­lied soll­te für mich ei­nen ge­wis­sen Tief­gang ha­ben, oh­ne auf die Trä­nen­drü­se zu drü­cken.“ „Schön fin­de ich ‚Lei­se rie­selt der Schnee’, gib Ina Schnei­der (31), Pro­jek­tas­sis­ten­tin aus Karls­ru­he, zur Ant­wort. „Ich kann gar nicht so ge­nau sa­gen, war­um ich das Lied gern mag. Es klingt ein­fach schön. Wenn ir­gend­wo Weih­nachts­lie­der lau­fen, freue ich mich. Nur selbst zu sin­gen ist nichts für mich.“ „Wie wär’s mit ‚Sü­ßer die Glo­cken nie klin­gen’, sagt Chris­toph Ma­tern (30), Dok­to­rand aus Hal­le, der auf Durch­rei­se in Karls­ru­he ist. „Das Lied ist nicht so trä­ge und zäh wie vie­le an­de­re, son­dern kommt in ei­nem flot­ten Takt da­her. Mit der Fa­mi­lie sin­gen wir auch am Hei­li­gen Abend, mein Va­ter spielt Key­board.“ „Mir ge­fällt ‚Lei­se rie­selt der Schnee’, gibt Wolf­gang Hor­nung (63), Rent­ner aus Karls­ru­he, zur Ant­wort. „Tra­di­tio­nel­le Weih­nachts­lie­der auf Deutsch fin­de ich am bes­ten. Bei eng­li­scher Mu­sik ver­ste­he ich den Text oft nicht so gut. Frü­her ha­ben wir mit der Fa­mi­lie auch an Weih­nach­ten ge­sun­gen.“

Pat­ti Smith sang ein Lied – und war so ner­vös, dass sie kurz pau­sie­ren muss­te. Fo­to: avs

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