Eck­art Köh­ne: Di­rek­tor des Lan­des­mu­se­ums

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Eck­art Köh­ne | Di­rek­tor des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums Tho­mas Liebs­cher

Grö­ßer könn­te ein Fin­ger­zeig nicht sein. In ei­ner Ecke des Bü­ros von Eck­art Köh­ne fällt so­fort ei­ne über­di­men­sio­na­le Hand auf. Sie ist so groß wie ein Mensch, drei Fin­ger sind zum Hand­rü­cken ge­beugt, Dau­men und Zei­ge­fin­ger wei­sen nach oben. Was deu­ten sie an? In­ter­es­se für mo­der­ne Kunst – oder für je­ne der An­ti­ke? Die Skulp­tur hat mit den al­ten Rö­mern zu tun. „Die­se Nach­bil­dung der Kon­stan­ti­ni­schen Hand von der Mo­nu­men­tal­sta­tue des Kai­sers be­glei­tet mich seit der Ar­beit in Tri­er, sie passt ein­fach zu ei­nem Archäo­lo­gen“, meint Köh­ne. Der Chef des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums wuss­te be­reits in der ach­ten Klas­se, dass er ein­mal stu­die­rend in die Welt der An­ti­ke ein­tau­chen woll­te. „Des­halb wech­sel­te ich vom Rüppur­rer Max-PlanckGym­na­si­um zum Bis­marck-Gym­na­si­um, um auch Grie­chisch zu ler­nen.“Dass der jun­ge Eck­art ein­mal das lan­des­his­to­ri­sche Mu­se­um in sei­ner Hei­mat­stadt Karls­ru­he lei­ten wür­de, konn­te noch nie­mand ah­nen. Ob­wohl ihn sei­ne El­tern, ei­ne Sän­ge­rin und ein Di­plom-In­ge­nieur so­wie Ober­stu­di­en­rat, häu­fig mit­nah­men ins Schloss zu den Samm­lun­gen. Fa­mi­li­en­rei­sen nach Frank­reich, Ita­li­en oder Grie­chen­land ver­stärk­ten den Wunsch, sich in die Welt der Rö­mer oder Grie­chen mit ih­ren Bau­wer­ken noch ge­nau­er ein­zu­gra­ben. Oh­ne auf Dau­er selbst aus­zu­gra­ben. „Ich ha­be im Stu­di­um be­merkt, dass ich nicht der For­scher­typ bin. Im Mu­se­um war ich dann gleich von der ,neu­en Welt’ und dem Ver­mit­teln fas­zi­niert. In Ham­burg konn­te ich et­was über Spie­le im al­ten Rom prä­sen­tie­ren – und das war noch et­was Neu­es fürs Pu­bli­kum.“Gro­ße Mu­se­en in Tri­er und Spey­er lei­te­te der 50-Jäh­ri­ge, be­vor er 2014 nach Karls­ru­he wech­sel­te. Die Aus­stel­lun­gen über Karls­ru­hes Stadt­grün­der Karl Wil­helm oder Cow­boy und In­dia­ner fal­len in sei­ne Ver­ant­wor­tung. Ab nächs­ter Wo­che lädt der Chef nach Ägyp­ten ein. Die Schau über Ram­ses, den gött­li­chen Herr­scher am Nil, bringt mo­nu­men­ta­le Ex­po­na­te, Schmuck der Lieb­lings­frau des 66 Jah­re herr­schen­den Pha­ra­os, und Auf­klä­rung über den ers­ten pa­ri­tä­ti­schen Frie­dens­ver­trag der Welt “, kün­digt Köh­ne an. Mit kla­rer, heller Stim­me spricht der freund­li­che Mann. Den Mu­se­ums-Re­vo­lu­tio­när wür­de man nicht so­fort in ihm ver­mu­ten. Und doch will Köh­ne al­te Kon­zep­te um­wer­fen und ei­nen völ­lig neu­en Zu­gang zu den Schät­zen des BLM er­mög­li­chen. Erst­mals in ei­nem gro­ßen kul­tur­his­to­ri­schen Haus sol­len in ei­ni­gen Jah­ren Schloss­be­su­cher al­le Sam­mel­ob­jek­te se­hen kön­nen. „Ent­we­der in ei­ner Aus­stel­lung oder im De­pot, ganz re­al und nicht nur durch ei­ne di­gi­ta­le Prä­sen­ta­ti­on.“Ab nächs­ten Jahr wird die Ab­tei­lung Urund Früh­ge­schich­te so um­ge­baut, dass dort das Kon­zept ge­tes­tet wer­den kann. Be­ruf­li­cher Aus­tausch zu Hau­se bleibt bei Köh­ne kaum aus. Sei­ne Frau Cor­ne­lia Ewig­le­ben ist eben­falls Archäo­lo­gin und Di­rek­to­rin – des Würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­mu­se­ums in Stutt­gart. Bei so viel Kul­tur­le­ben mit his­to­ri­schem Ge­wicht stürzt sich das Paar wäh­rend Ur­lau­ben in ganz an­de­re Wel­ten – ge­gen­wär­ti­ge und schwe­re­lo­se: Durch Tauch­rei­sen in al­ler Welt.

Der Lei­ter des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums Karls­ru­he kehr­te nach vie­len Jah­ren in sei­ne Hei­mat­stadt Karls­ru­he zu­rück: Eck­art Köh­ne woll­te schon als Kind Archäo­lo­ge wer­den. Fo­to: Ar­tis

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