Ei­ne Be­rühmt­heit

Wie der Bol­len­hut in­ter­na­tio­nal Kar­rie­re mach­te

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Bo

Das Mäd­chen mit dem ro­ten Bol­len­hut: Es steht sym­bol­haft für den ge­sam­ten Schwarz­wald – da­bei wird die ma­le­ri­sche Kopf­be­de­ckung tra­di­tio­nell ei­gent­lich nur in drei Dör­fern (Gutach, Kirn­bach, und Rei­chen­bach) ge­tra­gen. Dass der Bol­len­hut in­ter­na­tio­nal Be­rühmt­heit er­lang­te, liegt ganz we­sent­lich an der Gut­a­cher Ma­ler­ko­lo­nie. Und am Schrift­stel­ler Bert­hold Au­er­bach, der mit sei­nen „Schwarz­wäl­der Dorf­ge­schich­ten“ei­ner der meist ge­le­se­nen deut­schen Au­to­ren des 19. Jahr­hun­derts war. Von Au­er­bachs Er­zäh­lung „Lor­le, die Frau Pro­fes­so­rin“soll­te ei­ne il­lus­trier­te Aus­ga­be er­schei­nen – Wil­helm Hase­mann wur­de mit der Be­bil­de­rung be­auf­tragt. Au­er­bach gab dem Ma­ler den Tipp, da­für Stu­di­en in Gutach zu be­trei­ben. Die Fol­ge: Hase­mann stat­te­te das Lor­le mit ei­nem ro­ten Bol­len­hut aus. Und als „Die Frau Pro­fes­so­rin“1916 als Ope­ret­te un­ter dem Ti­tel „Schwarz­wald­mä­del“zum Welter­folg avan­cier­te, trug die Ti­tel­hel­din selbst­ver­ständ­lich ei­nen Bol­len­hut. Auch der Hei­mat­film „Schwarz­wald­mä­del“von 1950 moch­te auf das reiz­vol­le Re­qui­sit nicht ver­zich­ten. Spä­tes­tens jetzt glaub­te es je­der zu wis­sen: Der Bol­len­hut ge­hört zum Schwarz­wald wie die Lederhose zu Bay­ern. Ne­ben Hase­mann hat­ten für die­se Kar­rie­re des Bol­len­huts frei­lich auch an­de­re Ma­ler der Gut­a­cher Ko­lo­nie den Bo­den be­rei­tet: Weil ih­re Ge­mäl­de und Aqua­rel­le, die im­mer wie­der ger­ne die Gut­a­cher Tracht zeig­ten, re­pro­du­ziert in Zei­tun­gen er­schie­nen, zu­dem als Wer­be­dru­cke und Post­kar­ten Ver­brei­tung fan­den, präg­te sich der Bol­len­hut rasch ins Ge­dächt­nis wei­ter Be­völ­ke­rungs­krei­se ein. „Be­reits im frü­hen 20. Jahr­hun­dert war die Gut­a­cher Tracht zur Mar­ke und ihr Ab­bild zum Wer­be­bild ge­wor­den“, schreibt die Volks­kund­le­rin Bri­git­te Heck im Ka­ta­log zur Aus­stel­lung „Schwarz­wald-Bil­der“.

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