BB – ei­ne Mo­de-Iko­ne

Und ewig lockt das Weib: mit opu­len­ten Ro­ben, Vi­chy-Ka­ro, Hot­pants oder im Hip­pie-Look

Der Sonntag (Mittelbaden) - - MODE & STIL - Su­san­ne Forst

Das soll Bri­git­te Bar­dot sein? Die­se „be­zau­bern­de jun­ge Da­me“in ro­sen­holz­far­be­nem Kleid aus Sei­den­taft? Oder die­ses adret­te „Schmuck­stück“vor dem Weih­nachts­baum, im wei­ßen Tüll­traum, schul­ter­frei mit Sto­la? Auch in dem da­men­haf­ten Man­ne­quin, das züch­ti­ge­le­gant die Bei­ne über­ein­an­der­schlägt, ist das Sex­sym­bol kaum zu er­ken­nen. Und doch. Zu Be­ginn der 1950er Jah­re ar­bei­tet Bri­git­te Bar­dot als „Mo­del“. Als 15-jäh­ri­ge taucht sie in „El­le“auf. Sie trägt da­men­haf­te Mo­del­le, die Haar­pracht ist ge­bän­digt, ak­ku­rat in leich­te Wel­len ge­legt und die Haar­far­be braun bis braun-brü­nett. Das war vor „Und ewig lockt das Weib.“Der Film aus dem Jahr 1956 gilt, nach­dem er in den USA ei­nen Skan­dal aus­ge­lös­te hat­te, als Durch­bruch Bri­git­te Bar­dots. Er prägt ihr Image: wild, män­ner­fres­send, ei­ne un­be­re­chen­ba­re Lo­li­ta. Im Film tanzt, schlen­dert und wiegt sie sich in Saint Tro­pez als Wai­se an der Sei­te Lou­is Trin­ti­gnants und Curt Jür­gens, der ei­nen halb­wegs kla­ren Kopf zu be­hal­ten scheint. Saint Tro­pez wird, im rich­ti­gen Le­ben, zum Jet-Set Treff und Bri­git­te zum Sinn­bild se­xu­el­ler Be­frei­ung: Und zur StilI­ko­ne, noch be­vor es die­ses Wort gibt. Bri­git­te Bar­dot, da denkt man an hoch tou­pier­tes Haar, ih­re in­zwi­schen blon­de Turm­fri­sur, die wie ne­ben­bei ent­stan­den zu sein scheint. Die Fran­zo­sen nen­nen das „chou­crou­te“, Sau­er­kraut. Oder Bri­git­te Bar­dot dreht ei­nen smar­ten tief sit­zen­den Chi­gnon, wie er ge­ra­de eben als Trend aus­ge­macht wird. An den Fü­ßen trägt sie Bal­le­ri­nas. Ih­re schwarz ge­schmink­ten Au­gen, ein Kopf­tuch oder das Band im Haar wer­den in den 1960er-Jah­ren zum Mar­ken­zei­chen der Schau­spie­lern, wie das Vi­chy-Ka­ro. Das Vi­chy-Ka­ro ge­hört zu den Klas­si­kern. In der Hau­te-Cou­ture fin­det es im­mer wie­der sei­nen Platz. In der Prêt-à-Por­ter wird es de­kli­niert. In­nen­aus­stat­ter set­zen es ein. Auch die Be­to­nung der Au­gen­par­tie, die das öf­fent­li­che Bild Bar­dots be­stimmt, taucht in im­mer neu­en Trend-Va­ri­an­ten auf. Der Eye­liner, die schwar­zen Au­gen, bei Amy Wi­ne­hou­se auf dem x-ten Hö­he­punkt, ist selbst bei Män­nern an­ge­kom­men. Die Fra­ge beim Bar­bier, ob die Brau­en ge­zupft und nebst Wim­pern ge­färbt wer­den sol­len, ist fast Rou­ti­ne. Der Ein­satz von Ka­jal im bart­ge­schmück­ten Ge­sicht kei­ne ex­zen­tri­sche Ges­te mehr. Bri­git­te Bar­dot wech­selt zwi­schen Husa­renan­mu­tung und Ho­sen­an­zug, dem Mi­ni, Hippy-Out­fits und Cou­ture – auch wenn sie für ei­nen Look steht. Spä­tes­tens, als sie 1959 den Schau­spie­ler und Pro­du­zen­ten Jac­ques Char­ri­er im Ka­ro­kleid in zwei­ter Ehe hei­ra­tet, ist das Vi­chy-Ka­ro ge­puscht. Das Hoch­zeits­kleid stamm­te vom Cou­turi­er Jac­ques Es­terel. Dar­an er­in­nert der Jour­na­list und Mo­de­ra­tor Henry-Je­an Ser­vat. In sei­nem Band „Bri­git­te Bar­dot, Fil­m­idol, Mo­de-Iko­ne, Sex­sym­bol“zeigt Ser­vat die „ty­pi­sche“Bar­dot. Er kon­zen­triert sich auf den Hö­he­punkt der Kar­rie­re der 1934 ge­bo­re­nen Schau­spie­le­rin, die 1960er bis 1970er Jah­re. Aber auch der „Back­fisch“, ganz Da­me, im Ma­ga­zin „El­le“ist prä­sent. Bar­dot ent­puppt sich un­ter an­de­rem als Be­wun­de­rin Co­co Cha­nels, zieht Pa­co Ra­ban­ne an, sie trägt Di­or oder Bal­main. Gi­venchy macht ihr Kom­pli­men­te. Sie läuft in Hot pants durch

Die­se schwarz ge­schmink­ten Au­gen . . . Mit Ho­sen für Auf­ruhr im Ély­sée-Pa­last ge­sorgt

Saint Tro­pez oder hüllt sich – „Heu­te sind wir Hip­pie“– in lan­ge wal­len­de, in­disch an­mu­ten­de Stof­fe und bun­te Tü­cher. Wenn sie nicht ge­ra­de ei­nen Mi­ni über­streift. „Ich er­fand Mo­de, in­dem ich nie Mo­de be­folg­te“, zi­tiert der Buch­au­tor die Bar­dot. Sie sorg­te, be­vor sie zum Vor­bild der Ma­ri­an­ne, der Büs­te der Na­tio­nal­hel­din Frank­reichs er­ho­ben wur­de, 1967 beim Emp­fang im Ély­sée-Pa­last erst ein­mal für Auf­ruhr. Statt im schwar­zen Kleid und mit Auf­steck­fri­sur, wie es das Pro­to­koll vor­schrieb, er­schien BB, be­glei­tet von ih­rem Ehe­mann Gun­ter Sachs, im Ho­sen­an­zug, das Ober­teil mit Tres­sen­mo­ti­ven ver­ziert, und of­fe­nem lan­gen Haar. Die 1960er und 1970er-Jah­re le­ben im Bild­band auf: die Mo­de, die Fil­me, die Stars, der Zeit­geist. Beim Blät­tern fällt auf, was die Bran­che im 21. Jahr­hun­dert fei­ert. Bei­na­he al­les geht: Hip­pie- und Folk­lo­re-Look, der Re­ga­le und Wühl­ti­sche füllt, Far­be, das eng an­lie­gen­de, aus­ge­schnit­te­ne Top mit schma­len Trä­gern oder der Zwit­ter, zwi­schen Bus­tier und Mie­der, der spä­tes­tens seit Je­an Paul Gaul­tier ein Dau­er­bren­ner ist. Da­zu ge­hört das Ma­ke-up, fast egal wel­ches, Haupt­sa­che ge­schminkt, ob im Nu­de-Look oder aus farb­kräf­ti­ger Pa­let­te. Was heu­te an­ders ist? Die Ro­ben, die opu­len­ten, ele­gan­ten Klei­der feh­len weit- ge­hend. Das Ein­kau­fen hat sich kom­plett ver­än­dert. Bri­git­te Bar­dot er­zählt vom Stö­bern in Bou­ti­quen – klei­ne Lä­den, klei­ne La­bels – , die selbst in der deut­schen Pro­vinz er­öff­ne­ten. Der Na­me wirkt fast an­ti­quiert – Bou­tique. Heu­te fin­det sich al­les un­ter ei­nem Dach, in der Shop­ping Mall, bei gro­ßen Bil­lig-Ket­ten. Tü­ten­be­la­den strei­fen die Kun­den durch die Städ­te, wenn sie nicht gleich von zu Hau­se aus, im Netz be­stel­len. So­ge­nann­te Sex­sym­bo­le oder It-Girls tri­um­phie­ren nicht über ein Jahr­zehnt hin­weg, sie wer­den lau­fend ge­kürt und in im­mer kür­ze­ren In­ter­val­len auch wie­der ver­ges­sen, ver­drängt. Ob mäd­chen­haft, las­ziv oder selbst­be­wusst, als Schau­spie­le­rin oder Tier­schüt­ze­rin: Män­ner und Frau­en ha­ben sich mit Bri­git­te Bar­dot aus­ein­an­der­ge­setzt, sie ver­un­glimpft, ihr ge­hul­digt. Die Pe­ri­ode nach ih­rem Ab­schied aus dem Film­ge­schäft Mit­te der 1970er Jah­re spart Henry-Je­an Ser­vat aus. Kein Schat­ten auf BB. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren fiel sie vor al­lem durch rechts­ex­tre­me Äu­ße­run­gen auf. In Saint Tro­pez wird sie nach wie vor ver­ehrt, bei­na­he ver­göt­tert. Ser­vat führt Zeit­ge­nos­sen und Weg­ge­fähr­ten an, um die Stil-Iko­ne ins „rech­te Licht“zu rü­cken: An­dy War­hol sieht in ihr „ei­ne der ers­ten wirk­lich mo­der­nen Frau­en, sie ist in der La­ge, Män­ner als Sex­ob­jekt zu be­han­deln, sie zu kau­fen und sie dann weg­zu­wer­fen.“Die Schrift­stel­le­rin Françoi­se Sa­gan bringt Bar­dots of­fen­bar sa­gen­haf­te Prä­senz und Aus­strah­lung auf den Punkt: „Ihr Werk, das war das Le­ben im Au­gen­blick.“

Zwei Sei­ten ei­ner öf­fent­li­chen Per­son: 1957 fei­ert Bri­git­te Bar­dot als Eh­ren­gast in Mün­chen den Fa­schings­diens­tag. Fo­to © Ci­né­ma­thèque françai­se/cour­te­sy Schir­mer/Mo­sel

Bri­git­te Bar­dot, so wie man die fran­zö­si­sche Schau­spie­le­rin kennt – mit Turm­fri­sur, Eye­liner und Schmoll­mund. Fo­to © Ci­né­ma­thèque françai­se/cour­te­sy Schir­mer/Mo­sel

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