„Nichts als Müll“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Ni­ko­laj Stob­be

Der größ­te Sport­be­trug al­ler Zei­ten, ein An­griff auf Olym­pia, ein Ham­mer: Das Ent­set­zen nach der Ver­öf­fent­li­chung des McLa­ren-Be­richts zum Do­ping­Skan­dal in Russ­land war rie­sig. Doch wer­den die Ver­bän­de die an­ge­mes­se­nen Stra­fen ge­gen Russ­land auch durch­set­zen? Es droht ein gro­ßes Durch­ein­an­der. „Mein Job ist ge­tan. Jetzt sind die Ver­bän­de dran“, sag­te Er­mitt­ler Richard McLa­ren nach der Vor­stel­lung sei­nes über 100-sei­ti­gen Ab­schluss­be­rich­tes. Mehr als 1000 rus­si­sche Ath­le­ten aus 30 Sport­ar­ten wa­ren von 2011 bis 2015 in das Be­trugs­sys­tem in­vol­viert und ma­ni­pu­lier­ten auch bei Olym­pia 2012 in Lon­don und 2014 in Sot­schi. Po­li­ti­ker und Ver­tre­ter der na­tio­na­len An­ti-Do­ping-Agen­tu­ren for­der­ten be­reits ein har­tes Durch­grei­fen. Und tat­säch­lich. Im kom­men­den Jahr könn­te ei­ne Stra- fen-La­wi­ne auf Russ­land zu­rol­len. Es dro­hen Sper­ren für Ein­zel­tä­ter und Sport­ver­bän­de. Gi­an Fran­co Kas­per, Prä­si­dent des Ski-Welt­ver­ban­des, hat­te für den Fall weit­rei­chen­der Ver­stri­ckun­gen be­reits die Kol­lek­tivstra­fe ins Ge­spräch ge­bracht. Der Leichtathletik-Welt­ver­band IAAF hat­te es vor­ge­macht. Noch im­mer dür­fen rus­si­sche Leicht­ath­le­ten nicht an gro­ßen in­ter­na­tio­na­len Wett­kämp­fen teil­neh­men. Und an­ge­sichts der Schwe­re des Be­tru­ges durch das Staats­do­ping for­dern vie­le mehr, die nach­hal­tigs­te Stra­fe ge­gen Russ­land zu ver­hän­gen, al­so den Aus­schluss von den nächs­ten Olym­pi­schen Spie­len in 14 Mo­na­ten in Pyeong­chang/Süd­ko­rea. Doch das IOC ist kein Freund da­von und will un­ter sei­nem deut­schen Prä­si­den­ten Tho­mas Bach ei­ne sol­che Kol­lek­tivstra­fe ver­mei­den. Mehr­fach auf ein Olym­pia-Aus an­ge­spro­chen, brach­te Bach bis­lang nur le­bens­lan­ge Sper­ren für Ein­zel­tä­ter ins Ge­spräch. Für die­se hat­te er sich auch 2006 bei Olym­pia in Tu­rin als Vor­sit­zen­der der Dis­zi­pli­nar-Kom­mis­si­on aus­ge­spro­chen. Da­mals wa­ren sechs ös­ter­rei­chi­sche Sport­ler le­bens­lang ge­sperrt wor­den – auch oh­ne po­si­ti­ve Do­ping­tests. Das IOC hat nach dem McLa­ren-Re­port be­reits ei­ne Maß­nah­me ver­kün­det und will ne­ben den Pro­ben von Sot­schi auch al­le rus­si­schen Tests der Spie­le 2012 in Lon­don nach­kon­trol­lie­ren. Merk­wür­di­ger­wei­se ver­nein­te McLa­ren je­doch am Frei­tag im­mer wie­der ei­ne Ver­stri­ckung des rus­si­schen Na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees (NOK) Russ­lands in den Skan­dal, ob­wohl er in sei­nem ers­ten Be­richt ho­he Funk­tio­nä­re aus dem NOK na­ment­lich ge­nannt hat­te. „Ich ha­be kei­ne kla­ren Hin­wei­se auf Be­tei­li­gung des rus­si­schen NOK“, sag­te McLa­ren. Das pass­te dem IOC gut in die Kar­ten, denn so scheint kei­ne Kom­plett-Stra­fe nö­tig. Die Re­ak­tio­nen Russ­lands zeug­ten da­ge­gen von we­nig Ein­sicht und wa­ren mit­un­ter gro­tesk. Na­ta­lia Gart, Prä­si­den­tin des rus­si­schen Ro­del-Ver­ban­des, sag­te: „Der McLa­ren-Re­port wird durch nichts be­stä­tigt. Wo sind die Fak­ten? Man kann sa­gen, das ist nichts als Müll.“

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