Gren­z­er­leb­nis­se ei­nes Ma­lers

Das Zep­pe­lin-Mu­se­um in Friedrichshafen am Bo­den­see er­in­nert an Ot­to Dix

Der Sonntag (Mittelbaden) - - FREIZEIT & AUSFLÜGE - Avs

Das be­rühm­te Werk „Va­ni­tas“ist da­bei, vie­le Frau­en­por­träts und Skiz­zen von spä­ter ver­schol­le­nen Wer­ken: An­läss­lich des Ge­burts­tags von Ot­to Dix (1891 bis 1969), der sich am 2. De­zem­ber zum 125. Mal jähr­te, zeigt das Zep­pe­lin Mu­se­um in Friedrichshafen am Bo­den­see ei­ne gro­ße Son­der­schau über den Künst­ler. Die Aus­stel­lung um­fas­se Wer­ke aus al­len Schaf­fens­pe­ri­oden des Ma­lers, sagt Ku­ra­to­rin Ina Ned­der­mey­er. Die Schwer­punk­te der Schau un­ter dem Ti­tel „Al­les muss ich se­hen“lie­gen auf den The­men Land­schaft, Por­träts, Ak­te, Städ­te, Krieg und Heilige. So wer­den Skiz­zen aus dem Ers­ten Welt­krieg ge­zeigt, zu dem sich Dix frei­wil­lig als Sol­dat ge­mel­det hat­te. Der Ma­ler sei fas­zi­niert ge­we­sen von dem „Na­tur­er­eig­nis Krieg“, sag­te Ned­der­mey­er. Er ha­be al­le Ex­trem­si­tua­tio­nen se­hen und auch am ei­ge­nen Kör­per er­fah­ren wol­len. Die­se Gren­z­er­leb­nis­se re­flek­tier­te Dix et­wa in sei­nem Zy­klus „Der Krieg“aus dem Jahr 1924. Mit der Hil­fe von Fo­tos und Zeich­nun­gen, die er wäh­rend und nach den Jah­ren als Sol­dat an­ge­fer­tigt ha­be, ha­be der po­la­ri­sie­ren­de Ma­ler ei­ne Art Su­per­rea­lis­mus ent­wi­ckelt, um sei­ne Er­leb­nis­se dras­tisch dar­stel­len zu kön­nen, sagt Ned­der­mey­er. Die Bil­der der Aus­stel­lung stam­men aus dem ei­ge­nen Be­stand des Zep­pe­lin Mu­se­ums, wie Di­rek­to­rin Clau­dia Em­mert sagt. Das Haus be­sit­ze mit mehr als 400 Ar­bei­ten ei­ne der welt­weit größ­ten Samm­lun­gen des Künst­lers in öf­fent­li­cher Hand. Das be­kann­te Dix-Ge­mäl­de „Va­ni­tas“, das ei­ne nack­te jun­ge Frau und da­hin­ter sche­men­haft ei­nen al­ten Kör­per zeigt, ist ei­ne Dau­er­leih­ga­be der Kul­tur­stif­tung der ZF Pas­sau. Ot­to Dix gilt als gro­ßer Rea­list und wich­ti­ger Ver­tre­ter der Neu­en Sach­lich­keit. Ge­bo­ren wur­de er 1891 in ei­nem heu­ti­gen Stadt­teil von Ge­ra. Er stu­dier­te und lehr­te an der Dresd­ner Kunst­aka­de­mie, bis er 1933 von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ent­las­sen wur­de. Sie dif­fa­mier­ten sei­ne Wer­ke als „ent­ar­te­te Kunst“. Das ha­be den Künst­ler mas­siv ge­trof­fen, sag­te Em­mert. Dar­auf­hin such­te Dix Zuflucht in Hem­men­ho­fen am Bo­den­see, wo er sich un­ter an­de­rem mit Land­schafts­ma­le­rei be­fass­te. 36 Jah­re leb­te der Künst­ler in der Re­gi­on – al­ler­dings mit re­gel­mä­ßi­gen Ar­beits­auf­ent­hal­ten et­wa in Dres­den. 1969 starb Dix mit 77 Jah­ren in Sin­gen.

Un­ter den Wer­ken, die das Zep­pe­lin-Mu­se­um zum 125. Ge­burts­tag von Ot­to Dix prä­sen­tiert, sind auch dras­ti­sche Kriegs­bil­der. Der Künst­ler hat­te sich im Ers­ten Welt­krieg frei­wil­lig als Sol­dat ge­mel­det, weil er Grenz­si­tua­tio­nen se­hen und am ei­ge­nen Leib er­fah­ren woll­te. Fo­to: avs

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