Das Wort zum Sonn­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - von Kir­chen­rat i.R. Klaus Schna­bel, Karls­ru­he

Ein Weih­nachts­mann der be­son­de­ren Art ist Jo­sef. Seit Jahr­hun­der­ten steht er in vie­len Darstel­lun­gen ein­fach so und wie über­flüs­sig her­um. Er hat ei­ne La­ter­ne in der Hand und be­leuch­tet das Je­sus­kind im Stall, und nimmt so die bes­te Ne­ben­rol­le der Welt ein. Da­bei wis­sen die Evan­ge­lis­ten nichts von ei­nem al­ten Opa. Viel­mehr be­rich­ten sie, dass Je­sus noch Brü­der und Schwes­tern ge­habt hat, die die ka­tho­li­sche Dog­ma­tik zu Vet­tern und Ba­sen macht. Auch wenn kein Wort von ihm über­lie­fert ist, so zei­gen ihn die Evan­ge­lis­ten doch als ei­nen zu­pa­cken­den und be­herz­ten Mann. Er hat im ent­schei­den­den Augenblick ge­han­delt und sich so ganz in den Di­enst der Re­vo­lu­ti­on ge­stellt, die in der Weih­nachts­ge­schich­te steckt. In vie­lem ist uns Jo­sef ähn­lich, wenn wir auf die Weih­nachts­ge­schich­te sto­ßen: völ­lig über­rascht und über­rum­pelt von dem Ge­sche­hen. Jung­frau­en­geburt, al­so et­was völ­lig Neu­es in der Welt, das nicht männ­li­cher Macht ent­springt. Nach­dem Jo­sef dies er­fah­ren hat, hät­te er sich da­von ma­chen und voll Un­ver­ständ­nis ab­wen­den kön­nen, wie das heu­te vie­le tun an­ge­sichts der Weih­nachts­bot­schaft. Ist das doch ei­ne ab­sur­de Idee, fern der Rea­li­tät, ein Kind vom hei­li­gen Geist. Aber Jo­sef ver­hält sich an­ders. Er schafft es, sich vom tra­di­tio­nel­len Den­ken zu ver­ab­schie­den. Dass Neu­es nicht oh­ne mensch­li­che Po­tenz in die Welt kommt, dass die Ge­schich­te vor­her­be­stimmt ist durch Ab­stam­mung, das ist mit Weih­nach­ten vor­bei. Jung­frau­en­geburt hat nichts mit Se­xu­al­kun­de zu tun, son­dern ist ein Sym­bol für den neu­en Weg, mit dem Gott sich den Men­schen nä­hert. Gott kann auch ganz an­de­re und ab­so­lut un­ge­wöhn­li­che We­ge nut­zen, um uns na­he zu kom­men. Dar­auf lässt sich Jo­sef ein und be­kommt so ei­ne be­son­de­re Be­zie­hung zu dem Kind, in dem Gott er­scheint. Das könn­ten wir von Jo­sef ler­nen, trotz al­ler Skep­sis und in­ne­ren Ab­wehr mit der au­ßer­ge­wöhn­li­chen Art zu rech­nen, mit der Gott uns an Weih­nach­ten be­geg­net.

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