Al­les aus Filz

Die et­was an­de­ren Krip­pen­fi­gu­ren von Hei­ke Vogt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Wenn Hei­ke Vogt in der Stra­ßen­bahn auf dem Weg zur Ar­beit ih­re Ve­sper­do­se aus­packt, ma­chen die an­de­ren Fahr­gäs­te schon mal gro­ße Au­gen. Statt be­leg­ter Bro­te qu­el­len Wol­le und ei­ne Na­del her­aus. Auch ei­ne Schaum­stoff­un­ter­la­ge steckt im Ruck­sack der Rhein­stet­tene­rin. Die hat sie nicht et­wa aus Ver­se­hen ein­ge­packt, son­dern be­wusst. Die Fahrt ver­treibt sich Hei­ke Vogt mit ih­rem Hob­by. Sie filzt. In den Wo­chen vor Weih­nach­ten ent­ste­hen ge­filz­te Krip­pen­fi­gu­ren in der Karls­ru­her Stra­ßen­bahn, aber auch El­fen und Wich­tel. Dass die Hei­li­ge Fa­mi­lie Tram fährt, sorgt für Ge­sprächs­stoff bei den Mi­t­rei­sen­den.

Mit ei­ner El­fe fing al­les an

Von der „Be­set­zung“der Weih­nachts­krip­pe ge­fällt Hei­ke Vogt der Esel am bes­ten. Zehn Tie­re, die Fa­mi­li­en aus der Re­gi­on bei ihr be­stellt ha­ben, will sie bis Hei­lig­abend fer­tig­be­kom­men. Mehr geht nicht, denn ge­filzt wird erst „im Herbst, wenn das Wet­ter trü­ber wird. Bei 36 Grad im Schat­ten kann ich mich nicht auf Krip­pen­fi­gu­ren ein­stim­men“. Der Som­mer ist an­de­ren We­sen vor­be­hal­ten, El­fen, Eu­len, auch ein Mi­chel aus Lön­ne­ber­ga war schon da­bei. Auf Märk­ten und Basa­ren bie­tet Hei­ke Vogt ihr bun­tes Volk an, für sie ei­ne will­kom­me­ne Ab­wechs­lung vom Bü­ro­all­tag: „Fil­zen ist Ent­span­nung pur.“Ab­ge­se­hen da­von hat sie im­mer ei­ne Klei­nig­keit pa­rat, wenn je­mand aus der Fa­mi­lie oder dem Freun­des­kreis be­schenkt wird: Ih­re jün­ge­re Toch­ter wünscht sich zu Weih­nach­ten ein ge­filz­tes Rot­kehl­chen. „Die meis­ten Fi­gu­ren ge­stal­te ich nach ei­ge­nen Ide­en“, be­grün­det die ge­bür­ti­ge Karls­ru­he­rin, war­um sie Fil­zen an­de­ren Hand­ar­bei­ten vor­zieht. Nach Vor­la­ge zu ar­bei­ten, sei ihr zu we­nig krea­tiv, et­wa beim Nä­hen. Als in der Klas­se ih­rer in­zwi­schen 15-jäh­ri­gen Toch­ter, die auf die Wal­dorf­schu­le Hags­feld geht, die Re­de aufs Fil­zen kam, sprang der Fun­ke auf Mut­ter Hei­ke über. Sie pro­bier­te sich an ei­ner El­fe. Und noch ei­ner. Und noch ei­ner. „Ir­gend­wann sag­ten an­de­re El­tern zu mir: Ver­kauf’ die doch!“Eins er­gab das an­de­re. Nur ein Hand­ar­beits­zim­mer oder gar ein Ate­lier hat Hei­ke Vogt nicht. „Ich fil­ze über­all.“So­gar im Ur­laub. Al­ler­dings legt sie sich auf die Me­tho­de des Na­del­fil­zens fest. Da­bei wird die Wol­le mit ei­ner spe­zi­el­len Filz­na­del ge­harkt und ih­re fei­nen Fa­sern grei­fen in­ein­an­der. Die Va­ri­an­te des Nass­fil­zens mit Was­ser und Sei­fe kann Hei­ke Vogt un­ter­wegs nicht um­set­zen: „Das gä­be sonst ei­ne Saue­rei.“Manch­mal pas­siert es, dass sich Fi­gu­ren beim Fil­zen ver­än­dern. „Ich fan­ge mit ei­nem Wich­tel an, dann miss­lingt mir aber die Fri­sur und ich set­ze ihm statt­des­sen ei­nen Hut auf.“Wenn sie auf Be­stel­lung El­fen für Mäd­chen filzt, be­kom­men die glit­zern­de Haa­re oder glän­zen­de Klei­dung „ver­passt“. Ge­kauft wer­den Hei­ke Vogts Fi­gu­ren fast nur von Frau­en. „Ein Mann kauft höchs­tens ei­ne, um sie zu ver­schen­ken.“Ih­re bei­den Töch­ter hat die Fil­ze­rin eben­falls mit El­fen „ein­ge­deckt“, nicht aber mit dem Hob­by an­ge­steckt. Kei­nes der Mäd­chen filzt mit. Es bleibt das In­ter­es­se der Mut­ter. Bei Krip­pen­fi­gu­ren geht Hei­ke Vogt nicht ganz so weit, Wün­sche zu er­fül­len. Sie filzt Ma­ria und Jo­sef, Esel, Hir­te und Co. klas­sisch. „Das mag kon­ser­va­tiv sein aber ich fin­de, es passt an­ders nicht zur Ge­schich­te.“Im­mer­hin sei das Weih­nacht­sevan­ge­li­um über 2000 Jah­re alt. Das dür­fe man der Krip­pe ru­hig an­se­hen. Üb­ri­gens: Bei Fa­mi­lie Vogt in Rhein­stet­ten gibt es gar kei­ne!

Fotos: Fa­b­ry

Krip­pen­fi­gu­ren wie die­se sieht man wahr­lich nicht oft. Ma­ria, Jo­sef, das Je­sus­kind, Hir­ten, Scha­fe und Esel: Al­le sind aus Filz her­ge­stellt. „Die meis­ten Fi­gu­ren ge­stal­te ich nach ei­ge­nen Ide­en“, sagt die in Rhein­stet­ten le­ben­de ge­bür­ti­ge Karls­ru­he­rin Hei­ke Vogt. Das Fil­zen zieht sie an­de­ren Hand­ar­bei­ten vor. Nach Vor­la­ge zu ar­bei­ten – wie bei­spiels­wei­se beim Nä­hen – sei ihr zu we­nig krea­tiv.

Fo­to: privat

Hübsch an­zu­schau­en ist die­se „Weih­nacht­sel­fe“. Auf Märk­ten und Basa­ren bie­tet Hei­ke Vogt ih­re Filz­fi­gu­ren an, de­ren Her­stel­lung für sie ei­ne will­kom­me­ne Ab­wechs­lung vom Bü­ro­all­tag ist.

Sie filzt über­all, zu­hau­se oder in der Stra­ßen­bahn: Hei­ke Vogt.

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