Kalt, käl­ter, Lap­p­land

Be­son­de­re Win­ter­ak­ti­vi­tä­ten in Fin­nisch-Lap­p­land

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB - Ma­ren Land­wehr

Dem grau­en Win­ter in Deutsch­land ent­flie­hen: Das ist in Fin­nisch-Lap­p­land mög­lich. Der Pal­las Na­tio­nal­park bei Yl­läs­jär­vi ist der dritt­größ­te Finn­lands. We­ni­ge Au­tos sind un­ter­wegs, da­für sind um­so mehr Bäu­me zu se­hen: Und Schnee, so­weit das Au­ge reicht. Zu­erst aber geht es auf dem Ren­tier­schlit­ten auf Po­lar­licht­su­che. Der fin­ni­sche Gui­de Ar­to schüt­telt et­was mit­leids­voll mit dem Kopf, als er auf die Rei­se­aus­stat­tung der Deut­schen blickt. Statt­des­sen reicht er ei­nen Ther­mo­a­n­zug, di­cke Stie­fel und ge­füt­ter­te Le­der­hand­schu­he. All das ist bei mi­nus 17 Grad nö­tig. Ein Ge­sichts­schutz emp­fiehlt sich eben­so wie di­cke So­cken und lan­ge Un­ter­ho­sen. Denn es geht auf dem Schlit­ten durch die Nacht. Auf Ren­tier­fel­len sit­zend, mit ei­ner di­cken De­cke zu­ge­deckt ist nur noch das Knir­schen des Holz­schlit­tens zu hö­ren und das Schnau­fen der Tie­re. Lang­sam und ge­müt­lich zie­hen die Ren­tie­re hin­ter­ein­an­der her. Doch Po­lar­lich­ter sind nicht zu se­hen. Nach rund ei­ner St­un­de geht es zum Auf­wär­men ins fin­ni­sche Ko­ta: ein Zelt, in dem das Feu­er be­reits für an­ge­neh­me Wär­me sorgt. Am nächs­ten Mor­gen freu­en sich vor al­lem die Hus­kys auf die be­vor­ste­hen­de Tour. Der Schlit­ten schnellt vor­an. Die Hun­de he­cheln, bei­ßen ab und zu in den Schnee oder wen­den schon mal den Kopf. Das ist bei klei­nen An­stie­gen ein Zei­chen für den Len­ker: Den Hun­den hel­fen!: Mit ei­nem Bein vom Schlit­ten ge­hen und ihn an­schie­ben. Au­ßer Pus­te ist aber nur der Mensch, denn die Tie­re ge­nie­ßen die Tour. Bis zu 150 Ki­lo­me­ter kön­nen sie täg­lich lau­fen, am liebs­ten bei Tem­pe­ra­tu­ren um die mi­nus 15 Grad. Spä­ter geht es mit Schnee­schu­hen durch den Wald. Das Ge­hen ist an­fangs et­was ge­wöh­nungs­be­dürf­tig, da­für ist ein Vor­wärts­kom­men auch quer­feld­ein mög­lich. Ab­seits der We­ge gibt es im Schnee klei­ne­re Spu­ren von Tie­ren zu ent­de­cken, denn die wei­ße Pracht lässt die Dun­kel­heit auf be­son­de­re Wei­se leuch­ten. Der Wald scheint still zu ste­hen. Das Schnee­rie­seln ver­zu­ckert auch die Men­schen, die an der Hüt­te ei­nen Zwi­schen­stopp mit hei­ßem Tee ein­le­gen. Dass die Fin­nen ein Feu­er ma­chen, war fast vor­her­seh­bar. Eben­so, dass das Po­lar­licht trotz spä­ter St­un­de nicht zu se­hen ist. Be­reits an der In­fo-Wand im Ho­tel ver­sprach die Po­lar­licht­vor­her­sa­ge nur ein „low“(nied­rig). Macht nichts. Denn be­reits am nächs­ten Mor­gen war­tet mit dem Schnee­mo­bil ei­ne wei­te­re At­trak­ti­on. Jetzt ist der Ther­mo­a­n­zug wie­der Pflicht, eben­so wie Helm und Sturm­hau­be. Bis zu 60 St­un­den­ki­lo­me­ter sind für Pro­fis er­reich­bar. Die An­fän­ger sind froh, wenn sie Gas­ge­ben, Brem­sen und Len­ken nach ei­ni­ger Zeit be­herr­schen. Denn ein­fach ist das Fah­ren nicht. Zwar gibt es ex­tra We­ge für die Schnee­mo­bi­le, doch an dem Schlit­tern und Sch­lin­gern lässt sich nichts än­dern. Im Ge­gen­teil: Wer das als Be­gleit­erschei­nung ak­zep­tiert, kommt gut vor­an. Und kann an ei­nem Son­nen­tag durch ei­ne be­ein­dru­cken­de Schnee­land­schaft rau­schen. Abends ist es auf dem ge­fro­re­nen See Yl­las­jär­vi sehr dun­kel. Die Stra­ßen­la­ter­nen wer­den in die­ser Re­gi­on früh aus­ge­schal­tet – da­mit die Tou­ris­ten das Nord­licht bes­ser se­hen kön­nen. An die­sem Abend ist das lei­der nicht der Fall. Als die Käl­te trotz Mehr­fach­schich­tung nicht mehr aus­zu­hal­ten ist, geht es zu­rück zum Ho­tel. Der zwei­te Teil der Po­lar­licht­su­che folgt im nächs­ten Jahr. Denn schön war es schon im fin­ni­schen Nor­den. Sehr schön und schön kalt.

Ei­si­ges Aben­teu­er: Schnee­mo­bil­tou­ren auf ge­fro­re­nen Se­en zäh­len zu den liebs­ten Win­ter­be­schäf­ti­gun­gen der Fin­nen. Auch Tou­ris­ten ha­ben ih­ren Spaß an dem mo­to­ri­sier­ten Ver­gnü­gen. Fo­to: Land­wehr

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