„Ge­duld hat sich aus­be­zahlt“

IAAF in­ves­tiert ins In­door Mee­ting

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Bei den Pres­se­kon­fe­ren­zen im Vor­feld des Karls­ru­her Leicht­ath­le­tik-Hal­len­mee­tings ist es gu­te Tra­di­ti­on, die Ver­an­stal­tung mit min­des­tens ei­ner pro­mi­nen­ten Sport­le­rin oder ei­nem pro­mi­nen­ten Sport­ler zu „gar­nie­ren“, den man beim Event am Start er­le­ben darf. Am ver­gan­ge­nen Di­ens­tag über­nahm die­se Rol­le St­ab­hoch­sprin­ge­rin Li­sa Ry­zih, die ak­tu­el­le Vi­ze­eu­ro­pa­meis­te­rin. Die für den ABC Lud­wigs­ha­fen star­ten­de Hö­hen­jä­ge­rin ließ sich al­ler­dings von Mar­tin Wa­cker mit der Fra­ge, ob sie in Karls­ru­he den deut­schen Re­kord an­grei­fen will, nur teil­wei­se aus der Re­ser­ve lo­cken. Bei 4,72 Me­ter steht ih­re ak­tu­el­le Hal­len­best­mar­ke, der deut­sche Hal­len­re­kord hat seit fast fünf Jah­ren Be­stand: Sil­ke Spie­gel­burg sprang im Ja­nu­ar 2012 in Le­ver­ku­sen 4,77 Me­ter hoch. „Da­für müss­te ich mei­ne Best­mar­ke um fünf Zen­ti­me­ter stei­gern. Das ist mög­lich und mein pri­mä­res Ziel. Doch in un­se­rer Dis­zi­plin geht es Zen­ti­me­ter für Zen­ti­me­ter nach oben.“Al­ler­dings sieht sie auch Gren­zen des Mach­ba­ren: „Bei den Frau­en dürf­ten die fünf Me­ter so et­was wie ei­ne Ober­gren­ze dar­stel­len.“Von Aus­nah­men ab­ge­se­hen. Wie et­wa Welt­re­kord­hal­te­rin Je­le­na Isin­ba­je­wa. Die Rus­sin hat schon die 5,06 Me­ter ge­meis­tert, steht aber wie so vie­le Sport­ler aus ih­rem Land un­ter ei­ner Art Ge­ne­ral­ver­dacht in punk­to Do­ping. Ein The­ma, das na­tür­lich auch Li­sa Ry­zih be­schäf­tigt und zu dem sie ei­ne kla­re Mei­nung hat: „Ich möch­te ge­gen Kon­kur­ren­tin­nen sprin­gen, die die glei­chen Vor­aus­set­zun­gen ha­ben.“Er­go sagt sie: „Ich bin da­für, dass hart durch­ge­grif­fen wird, da­mit uns kei­ne Be­trü­ger mehr um die Plät­ze brin­gen.“In der Hal­le 2 der Karls­ru­her Mes­se wird die Pfäl­ze­rin sich mit ei­ner über­schau­ba­ren Zahl an Geg­ne­rin­nen aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. „Wir pla­nen mit ma­xi­mal acht bis zehn St­ab­hoch­sprin­ge­rin­nen, da­mit der Wett­kampf zü­gig läuft“, sagt Sport­di­rek­tor Alain Blon­del. Der Fran­zo­se äu­ßer­te sich auch zur Zu­kunft der Tra­di­ti­ons­ver­an­stal­tung, die 2017 zum 33. Mal aus­ge­tra­gen wird: „Wir ha­ben in Karls­ru­he ziem­lich gu­te Per­spek­ti­ven.“Spe­zi­ell als Teil der World In­door Tour konn­te man sich beim Leicht­ath­le­tik-Welt­ver­band (IAAF) so in den Fo­kus rü­cken, dass man fi­nan­zi­ell erst­mals da­von pro­fi­tiert. Das be­stä­tig­te auch Mar­tin Wa­cker, Ge­schäfts­füh­rer der ver­an­stal­ten­den Karls­ru­her Event Gm­bH (KEG). „Die IAAF hat ei­nen fi­nan­zi­el­len Bei­trag ge­leis­tet“, sagt er, oh­ne den ge­nau­en Be­trag zu nen­nen. Die Kos­ten des In­door Mee­tings be­zif­fert er auf 550 000 Eu­ro für die Be­reit­stel­lung der In­fra­struk­tur in der „nack­ten Mes­se­hal­le“(Wa­cker) und wei­te­re 500 000 Eu­ro für das Kern­mee­ting. Zur In­fra­struk­tur steu­ert die Stadt 350000 Eu­ro bei, für den sport­li­chen Teil flie­ßen 200000 Eu­ro. Rund 500000 Eu­ro hat die KEG über Spon­so­ren und an­de­re Ein­nah­me­quel­len selbst ein­brin­gen kön­nen. Doch die­se Zah­len sol­len sich mög­lichst bald än­dern. Mar­tin Wa­cker: „Wir ar­bei­ten dar­an, den Be­trag für die Stadt zu sen­ken, um das Mee­ting auch lang­fris­tig an­bie­ten zu kön­nen.“Mehr Er­lö­se aus der TV-Ver­mark­tung, die Ak­qui­se ei­nes Ti­tel­spon­sors für die In­door-Tour und ei­ne da­mit ver­bun­de­ne stei­gen­de fi­nan­zi­el­le Be­tei­li­gung der IAAF könn­ten da­zu bei­tra­gen. „Im ers­ten Jahr ha­ben wir dar­um ge­kämpft, da­bei zu sein. Nun sind wir be­reit für den nächs­ten Schritt, von dem wir pro­fi­tie­ren wer­den“, sagt Wa­cker, der in die­sem Zu­sam­men­hang dar­auf hin­wies, dass er und Alain Blon­del ein­ge­la­den wur­den, um mit den Ver­ant­wort­li­chen der IAAF über die Zu­kunft der In­door-Tour zu re­den, be­zie­hungs­wei­se ei­ge­ne Er­fah­run­gen und Ide­en ein­zu­brin­gen. „Die IAAF in­ves­tiert in Karls­ru­he, man setzt auf die­sen Stand­ort. Und da­mit hat sich un­se­re Ge­duld in­zwi­schen aus­be­zahlt“, sagt Wa­cker. Es geht al­so um mehr als nur um ei­nen Sil­ber­streif am Ho­ri­zont – auch

Vi­ze­eu­ro­pa­meis­te­rin Ry­zih ist auch am Start

wenn Blon­del nicht um den hei­ßen Brei her­um­re­det, wenn es ge­ne­rell um die Or­ga­ni­sa­ti­on von Hal­len­mee­tings geht: „Die Si­tua­ti­on ist kom­pli­ziert ge­wor­den. Im Jahr 2012 et­wa sind auf ei­nen Schlag fünf Ver­an­stal­tun­gen aus dem Ka­len­der ver­schwun­den. Es ist schwie­rig, doch mit neu­en Kon­zep­ten kom­men wir wei­ter.“Und: „Es ist si­cher not­wen­dig, dass wir auch in Karls­ru­he das The­ma Do­ping mit sehr viel Klar­heit an­spre­chen.“Na­tür­lich stand auch der Sport auf der „Ta­ges­ord­nung“der Pres­se­kon­fe­renz. Elf Dis­zi­pli­nen wer­den beim In­door-Mee­ting 2017 an­ge­bo­ten, von de­nen neun in die Ge­samt­wer­tung der World In­door Tour ein­flie­ßen. In der war­ten auf die Dis­zi­plin-Sie­ger nicht nur 20 000 US-Dol­lar Preis­geld son­dern auch je­weils ei­ne Wild­card für die Hal­len-WM 2018 in Bir­ming­ham. Und ei­ne sport­li­che Pre­mie­re gibt es in Karls­ru­he am 4. Fe­bru­ar 2017 auch: Ku­gel­sto­ßen für Frau­en steht erst­mals im Pro­gramm. Mit Chris­ti­na Schwa­nitz hat man hier die am­tie­ren­de Welt­meis­te­rin am Start. Bei der Ver­tei­lung der Wett­be­wer­be ha­ben die Ama­zo­nen üb­ri­gens die Na­se mit sechs Dis­zi­pli­nen knapp vor­ne. Auch dies ist wahr­schein­lich kein Zu­fall, wenn man die Aus­sa­ge von Alain Blon­del („Frau­en-Leicht­ath­le­tik kann man in Deutsch­land gut ver­kau­fen.“) ent­spre­chend in­ter­pre­tiert.

Hö­hen­jä­ge­rin aus der Pfalz: St­ab­hoch­sprin­ge­rin Li­sa Ry­zih star­tet für ABC Lud­wigs­ha­fen und wird am 4. Fe­bru­ar 2017 am Karls­ru­her In­door Mee­ting in der Mes­se­hal­le 2 teil­neh­men. Fo­to: GES/Prang

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