Al­les ganz an­ders

Lu­zia fei­ert zum ers­ten Mal Weih­nach­ten in ih­rer neu­en Hei­mat Ame­ri­ka

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tanja Ka­sisch­ke

Wäh­rend wir in Deutsch­land am 24. De­zem­ber un­se­re Weih­nachts­ge­schen­ke be­kom­men, ist für Kin­der und Er­wach­se­ne in den USA ei­nen Tag spä­ter Be­sche­rung. Sie pa­cken gleich nach dem Auf­ste­hen ih­re Päck­chen aus, die der Weih­nachts­mann in der Nacht un­ter den Christ­baum ge­legt hat. In den USA fei­ert man Weih­nach­ten am 25. De­zem­ber. Für Lu­zia Ogureck läuft der Tag in die­sem Jahr an­ders ab als bis­her: Sie ist vor drei Mo­na­ten von Bonn nach Ame­ri­ka ge­zo­gen und fei­ert nun „ame­ri­ka­ni­sche“Weih­nach­ten mit ih­rem Mann Ja­mes und sei­ner Fa­mi­lie im Ort Sum­mit, ei­ne knap­pe St­un­de west­lich von New York im Bun­des­staat New Jer­sey. Hier ver­ra­ten Lu­zia und Ja­mes, wel­che Weih­nachtsUn­ter­schie­de zwi­schen den USA und Deutsch­land be­ste­hen, wel­che Tra­di­tio­nen ih­nen als Kin­der am bes­ten ge­fal­len ha­ben, und wer die Ge­schen­ke brach­te.

Lu­zia: Häu­ser sind ge­schmückt

Mei­nen Ad­vents­ka­len­der ha­be ich in die­sem Jahr in ei­ner der noch un­aus­ge­pack­ten Um­zugs­kis­ten ver­ges­sen. Die Säck­chen zum Selbst­be­fül­len fie­len mir erst wie­der ein, als ich fer­ti­ge Ka­len­der im Su­per­markt ent­deck­te. Die hie­ßen auch „Ad­vents­ka­len­der“. Ein ei­ge­nes eng­li­sches Wort gibt es da­für nicht, weil der Ad­vents­ka­len­der kein ame­ri­ka­ni­scher Brauch ist. Der Su­per­markt über­nahm des­halb die deut­sche Be­zeich­nung. Auch Weih­nachts­märk­te sind nicht so zahl­reich wie in Deutsch­land. Wenn, dann gibt es sie nur in Städ­ten wie New York und da­zu ei­ne Eis­bahn zum Schlitt­schuh­lau­fen. Auf dem Land ist da­für je­des Haus su­per­schön ge­schmückt, mit Lich­ter­ket­ten, Fi­gu­ren, manch­mal mit ei­ner be­leucht­ba­ren Rie­senK­rip­pe. Al­le Fa­mi­li­en de­ko­rie­ren Haus, Veran­da und Gar­ten gleich nach Thanks­gi­ving und schal­ten dann fei­er­lich die Weih­nachts­be­leuch­tung ein. Thanks­gi­ving fei­ern Ame­ri­ka­ner am letz­ten Don­ners­tag im No­vem­ber. Dann trifft sich die gan­ze Fa­mi­lie abends zum Es­sen, ähn­lich wie bei uns an den Weih­nachts­fei­er­ta­gen.

Ja­mes: Ich wünsch­te mir Le­go

Wäh­rend der 25. De­zem­ber bei uns der ei­gent­li­che Weih­nachts­tag ist, pas­siert am 26. De­zem­ber nicht mehr viel. Die Kin­der stört das über­haupt nicht, so ha­ben sie mehr Zeit zum Spie­len. Ich war im­mer der Ers­te, der am Mor­gen des 25. De­zem­bers auf­ge­stan­den ist, um sei­ne Ge­schen­ke aus­zu­pa­cken. Ganz oben auf mei­nem Wunsch­zet­tel stand Le­go, und das ha­be ich auch be­kom­men. Bis ich sie­ben Jah­re alt war, glaub­te ich an den Weih­nachts­mann und schrieb ei­nen Wunsch­zet­tel. Am Abend des 24. De­zem­ber ha­ben mei­ne Ge­schwis­ter und ich vor dem Schla­fen­ge­hen Milch und Kek­se auf die Fens­ter­bank ge­stellt, da­mit sich der Weih­nachts­mann nach sei­nem Be­such bei uns stär­ken konn­te. Wa­ren die Kek­se am Mor­gen weg, wuss­ten al­le: Er war da! Mei­ne Schwes­ter hat au­ßer­dem Möh­ren für die Ren­tie­re hin­ge­legt, sie fand, auch die Tie­re ver­dien­ten ei­nen Snack. Und als mei­ne El­tern nachts heim­lich die Milch und die Kek­se her­ein­hol­ten, wa­ren die Möh­ren ver­schwun­den. Ich bin über­zeugt, die Re­he, die es hier gibt, ha­ben sie weg­ge­fut­tert.

Lu­zia: Ich glaub­te ans Christ­kind

Ich ha­be frü­her ans Christ­kind ge­glaubt, das brach­te auch die Ge­schen­ke. Die Weih­nachts­post­fi­lia­len in Deutsch­land, die Wunsch­zet­tel sam­meln und be­ant­wor­ten, kann­te ich als Kind noch nicht. In den USA stel­len vie­le Ge­mein­den im Ad­vent ei­nen ähn­li­chen Weih­nachts­brief­kas­ten auf. „Nord­pol“steht dar­auf als Hin­weis, dass die Post an den Weih­nachts­mann geht. Be­ant­wor­tet wird sie auch. Ver­gleich­bar ist au­ßer­dem das Wich­teln, bei dem sich Schul­klas­sen oder Kol­le­gen im Bü­ro klei­ne Ge­schen­ke ma­chen, oh­ne den Ab­sen­der zu ver­ra­ten. In den USA heißt es „Se­cret San­ta“, ge­hei­mer Weih­nachts­mann. Die Päck­chen wer­den al­ler­dings nicht am 25. De­zem­ber, son­dern schon am letz­ten Schul- oder Ar­beits­tag vor den Weih­nachts­fe­ri­en ge­wich­telt. Auf Weih­nachts­fei­ern tra­gen Ame­ri­ka­ner Strick­pul­lis mit Weih­nachts­mo­ti­ven. Ei­ni­ge Mo­ti­ve sind echt häss­lich, aber die Pul­lis ge­hö­ren da­zu. Nächs­tes Weih­nach­ten kau­fe ich mir auch ei­nen!

Ja­mes: Kur­ze Nacht für El­tern

Der 24. De­zem­ber ist für El­tern ein langer Tag – viel­mehr ist die Nacht ist sehr kurz. Sie kom­men meist erst spät­abends da­zu, die Ge­schen­ke für ih­re Kin­der ein­zu­pa­cken, nach­dem die end­lich ein­ge­schla­fen sind. Bei der Vor­freu­de und Auf­re­gung fällt das nicht leicht. Mei­ne El­tern ka­men nicht vor 2 oder 3 Uhr nachts ins Bett – und um halb sie­ben stan­den wir Kin­der wie­der auf und weck­ten sie. Das ty­pischs­te Weih­nachts­ge­schenk für ei­nen Jun­gen ist in den USA der „G.I. Joe“, ei­ne Ac­tion-Spiel­fi­gur. Au­ßer un­term Christ­baum hin­ter­lässt der Weih­nachts­mann klei­ne Ge­schen­ke in den Strümp­fen, die je­des Fa­mi­li­en­mit­glied am Ka­min auf­hängt. Wir hat­ten kei­nen Ka­min, wir ha­ben ein­fach ei­ne Schnur ge­spannt und un­se­re Strümp­fe an der Wand dran auf­ge­hängt. Weil der Weih­nachts­mann nicht durch den Ka­min in un­ser Haus kom­men konn­te, er­zähl­ten mir mei­ne El­tern, er kom­me durchs Fens­ter.

Lu­zia: Vie­le, vie­le Bü­cher

Die ame­ri­ka­ni­sche Raum­fahrt­be­hör­de Na­sa hat ei­ne Web­sei­te, auf der Kin­der den Ritt des Weih­nachts­man­nes ver­fol­gen kön­nen: www.noradsan­ta.org Das fin­de ich schön, weil es die Vor­freu­de auf die Be­sche­rung stei­gert. Ich er­in­ne­re mich, dass ich als Kind mal ei­nen Reit­helm be­kom­men ha­be und im­mer vie­le, vie­le Bü­cher. Das Meer­schwein­chen, das ich mir ge­wünscht hat­te, be­kam ich auch – al­ler­dings nur als Stoff­tier.

Lu­zia zog vor drei Mo­na­ten von Bonn nach Ame­ri­ka und fei­ert nun „ame­ri­ka­ni­sche“Weih­nach­ten mit ih­rem Mann Ja­mes und sei­ner Fa­mi­lie im Ort Sum­mit in der Nä­he von New York. Fo­to: pri­vat

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