Was für ein bru­ta­ler Ab­sturz

KSC: Im Som­mer 2015 die Bun­des­li­ga vor Au­gen – jetzt im Ab­stiegs­kampf

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Der Blick auf die Ta­bel­le dürf­te so man­chem KSC-Fan der­zeit die Lau­ne ver­der­ben. Auf Rang 15 be­en­de­ten die Blau-Wei­ßen die Hin­run­de. Gan­ze 14 Punk­te in 17 Spie­len – ei­ne ma­ge­re, ei­ne frus­trie­ren­de Bi­lanz. Im Wild­park ist die Angst vor ei­nem Ab­stieg nicht weg­zu­leug­nen. Auch weil der Kreis der be­droh­ten Clubs sich der­zeit auf fünf bis sechs Ver­ei­ne re­du­ziert. Die Spvgg Greu­ther Fürth bei­spiels­wei­se hat als Ta­bel­lenzwölf­ter schon sie­ben Punk­te Vor­sprung ge­gen­über dem KSC. In ei­ner Re­gi­on, in der Punkt­ge­win­ne und Sie­ge eher sel­ten sind, ist dies ei­ne gan­ze Men­ge. In solch ei­ner La­ge wer­den selbst tor­lo­se Un­ent­schie­den schon zu Er­fol­gen. In­te­rims­trai­ner Lu­kas Kwas­ni­ok sind zwei da­von ge­lun­gen. Ein 0:0 beim star­ken Auf­stei­ger Dy­na­mo Dres­den und ein 0:0 zu­hau­se ge­gen Zweit­li­ga-Spit­zen­rei­ter Ein­tracht Braun­schweig. Zwei Fünk­chen Hoff­nung so­zu­sa­gen. Doch Kwas­ni­ok darf nicht mehr wei­ter­ma­chen, ihm fehlt die pas­sen­de Fuß­ball­leh­rer-Li­zenz. Ei­nes aber ist ihm ge­lun­gen: Er hat die KSCPro­fis aus ih­rer Lethar­gie ge­weckt. Ob To­mas Oral dies ge­lun­gen wä­re, ist zwei­fel­haft. Mit ei­nem gro­ßen Ver­trau­ens­vor­schuss und ei­nem Drei­jah­res­ver­trag aus­ge­stat­tet, hat­te Oral selbst­be­wusst gro­ße Ta­ten ver­spro­chen. Doch am En­de hat­te er nicht ein­mal die Mi­ni­mal­for­de­rung sei­nes Prä­si­den­ten er­füllt. In­go Wel­len­reu­ther hät­te ger­ne Sie­ge ge­gen al­le ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Li­ga­kon­kur­ren­ten ge­fei­ert. Oral konn­te den Wunsch nicht um­set­zen. Be­son­ders bit­ter: Das 1:3 zu­hau­se ge­gen den VfB Stutt­gart. Auch beim 1.FC Hei­den­heim (1:2) und bei der 1:3-Heim­nie­der­la­ge ge­gen den SV Sand­hau­sen prä­sen­tier­te sich das Karls­ru­her Team über­for­dert und Chef­coach Oral rat­los. Als die Er­kennt­nis bei den Ent­schei­dungs­trä­gern wuchs, dass der schon bei RB Leipzig, beim FC In­gol­stadt 04 und auch beim FSV Frankfurt ge­schei­ter­te Oral au­ßer Durch­hal­te­pa­ro­len nicht mehr viel zu bie­ten hat­te und auch noch ein in­dis­ku­ta­bles Pri­vatschar­müt­zel mit Te­am­ma­na­ger Burk­hard Reich we­gen ei­ner Ba­ga­tel­le an­zet­tel­te, war die per­so­nel­le Zä­sur nur noch ei­ne Fra­ge der Zeit. Zu­erst muss­te Sport­di­rek­tor Jens Todt Zwangs­ur­laub an­tre­ten und wur­de durch Heim­keh­rer Oli­ver Kreu­zer er­setzt. Der ar­ti­ku­lier­te zu­nächst ein­mal in sport­di­plo­ma­tisch kor­rek­ter Wei­se ein paar Sät­ze über das an­geb­lich noch vor­han­de­ne Zu­trau­en in To­mas Orals Qua­li­tä­ten als Trai­ner, um dem dau­er­haft glü­ckund er­folg­lo­sen Trai­ner nach dem nächs­ten Dämp­fer (1:2-Heim­nie­der­la­ge ge­gen die Spvgg Greu­ther Fürth) eben je­nes „wa­cke­li­ge“Ver­trau­en wie­der zu ent­zie­hen. Nach 157 Ta­gen im Amt muss­te Oral ge­hen. Sei­ne Ver­pflich­tung im Som­mer konn­te end­gül­tig in die Ka­te­go­rie „gro­ßes Miss­ver­ständ­nis“ein­ge­ord­net wer­den. Was von Oral bleibt? Gan­ze 14 Punk­te Hin­ter­las­sen­schaft. Viel zu spät sei die Tren­nung ge­kom­men, unk­ten vie­le Fans, denn die Hälf­te der Sai­son ist rum, die Auf­hol­jagd in­klu­si­ve Ret­tung dürf­te schwer wer­den. Geld für Ver­stär­kun­gen ist knapp, der KSC wird wohl ver­su­chen, mit ei­ni­gen Leih­ge­schäf­ten den Ka­der qua­li­ta­tiv auf­zu­bes­sern. Die mi­se­ra­ble Plat­zie­rung dürf­te Kreu­zers Spie­ler­su­che zu­sätz­lich er­schwe­ren. En­de Mai 2015 klopf­te der KSC noch ans Tor zur Bun­des­li­ga, ein­ein­halb Jah­re spä­ter geht die Angst vor dem Ab­sturz in die Drit­te Li­ga um. Ein Hor­ror­sze­na­rio. Nach ei­ner ge­fühl­ten Ewig­keit hat man end­lich die Aus­sicht auf ein neu­es Sta­di­on, doch sport­lich droht ein De­sas­ter.

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