Es ist Le­ben in der Bu­de

Nicht nur Auf­stei­ger RB Leipzig mischt die Li­ga auf

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

End­lich macht mal wie­der ein Bun­des­li­ga-Kon­kur­rent den Bay­ern das Le­ben schwer – auch wenn es „nur“der un­ge­lieb­te Auf­stei­ger RB Leipzig ist. Doch als es dar­auf an­kam, beim „Jah­res­fi­na­le“in der Höh­le des Lö­wen, da war die vor­ge­täusch­te Lo­cker­heit des Neu­lings plötz­lich nur noch Ma­ku­la­tur. Au­ge in Au­ge mit dem Gi­gan­ten von der Isar zeig­te das jun­ge Team aus Sach­sen schwa­che Ner­ven. Lahm und Co. rück­ten mit ei­nem 3:0-Sieg die Macht­ver­hält­nis­se in der deut­schen Fuß­ball-Pre­mi­um­klas­se zu­min­dest für den Mo­ment wie­der zu­recht. Da könn­te man fast schon wie­der die Ur­alt-Flos­kel vom „psy­cho­lo­gisch wich­ti­gen Mo­ment“be­mü­hen, denn die Leip­zi­ger müs­sen mit der erst zwei­ten Nie­der­la­ge der Sai­son in die Win­ter­pau­se ge­hen. Ein biss­chen Zeit zum Gr­ü­beln dürf­te da schon blei­ben. So wie dies auch 1899 Hof­fen­heim pas­sier­te, als die Kraich­gau­er als Auf­stei­ger in der Sai­son 2008/09 so­gar Herbst­meis­ter vor den Bay­ern wur­den, um am En­de auf Platz sie­ben zu lan­den. Meis­ter wur­den da­mals – nein, nicht die Bay­ern. Es ju­bel­ten die „Wöl­fe“, der VfL Wolfs­burg fei­er­te sei­ne bis heu­te ein­zi­ge deut­sche Meis­ter­schaft. Zwei Prot­ago­nis­ten von RB Leipzig stan­den da­mals üb­ri­gens bei Hof­fen­heim auf der Ge­halts­lis­te: Ralf Rang­nick als Trai­ner und Mar­vin Comp­per als Fuß­bal­ler. Ob sie er­neut ei­nen Ab­sturz mit­er­le­ben? Ab­war­ten. RB Leipzig hat sich mit sei­ner Art Fuß­ball zu spie­len Sym­pa­thi­en und Re­spekt er­wor­ben. Der oft als „Brause­club“ ver­spot­te­te Re­tor­ten­ver­ein hat die Chan­ce ge­nutzt, und sein Image auf­po­liert. Auf­stei­ger Num­mer zwei ist in Sa­chen Bun­des­li­ga Wie­der­ho­lungs­tä­ter. Zum fünf­ten Mal (!) ist der SC Frei­burg in­zwi­schen schon in die Eli­te­klas­se auf­ge­stie­gen. Und nach 16 Spiel­ta­gen muss man auch vor dem Team von Chris­ti­an Streich den Hut zie­hen. Schon 23 Punk­te hat der Sport-Club ge­sam­melt, das ist mehr als die „hal­be Mie­te“. In der ver­gan­ge­nen Sai­son reich­ten 1899 Hof­fen­heim be­reits 37 Zäh­ler zum Klas­sen­er­halt. Apro­pos Hof­fen­heim – die „Na­gels­män­ner“sind zwar mit ei­nem är­ger­li­chen 1:1 zu­hau­se ge­gen Wer­der Bre­men in die Win­ter­pau­se ge­rutscht, doch sonst ha­ben sie ei­ne sen­sa­tio­nel­le Hin­run­de ab­ge­lie­fert. Schon 16 Punkt­spie­le und noch kein ein­zi­ges da­von ver­lo­ren. Das ver­dient Re­spekt. Da­mit steht das Team von Ju­li­an Na­gels­mann als ein­zi­ger deut­scher Pro­fi­club noch oh­ne Nie­der­la­ge da.

Neue Kon­kur­renz für Abo-Meis­ter FC Bay­ern

Was war sonst noch be­mer­kens­wert in der Bun­des­li­ga? Mit Si­cher­heit die Zahl der Trai­ner­ent­las­sun­gen: Sie­ben sind es bis­lang. Bru­no Lab­ba­dia (HSV), Die­ter He­cking (VfL Wolfs­burg), Dirk Schus­ter (FC Augs­burg), Mar­kus Kauc­zin­ski (FC In­gol­stadt 04), Nor­bert Mei­er (SV Darm­stadt 98), Vik­tor Skrip­nik (Wer­der Bre­men) und zu­letzt An­dré Schu­bert (Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach) wur­den in den Zwangs­ur­laub ge­schickt. He­cking hat schon ei­nen neu­en Job und be­erbt Schu­bert in Mön­chen­glad­bach. Und ein an­de­rer, der ei­gent­lich auch zit­tern muss­te, darf nun doch blei­ben: Valé­ri­en Is­maël geht als Chef­trai­ner des VfL Wolfs­burg ins Jahr 2017. Ge­hen muss­te bei den „Wöl­fen“da­ge­gen schon Ma­na­ger Klaus All­ofs. Und „Motz­ki“Ju­li­an Drax­ler soll auch so schnell wie mög­lich vom Hof. Da­mit man in Wolfs­burg even­tu­ell noch ret­ten kann, was zu ret­ten ist. Un­ge­scho­ren ka­men auch zwei an­de­re Füh­rungs­kräf­te nicht da­von. Beim HSV wur­de das Ka­pi­tel Diet­mar Bei­ers­dor­fer be­en­det, der Vor­stands­vor­sit­zen­de wur­de durch „Früh­rent­ner“He­ri­bert Bruch­ha­gen er­setzt. Und die Darm­städ­ter „Li­li­en“wol­len nach dem Rück­tritt von Hol­ger Fach ganz oh­ne Sport­di­rek­tor über und durch die Run­de kom­men. Ach ja, nicht zu ver­ges­sen: Pier­reE­me­rick Auba­meyang. Der BVB-Ex­zen­tri­ker hin­ter­lässt nicht nur mit sei­nen eu­ro­pa­wei­ten Par­ty-Tou­ren den Ein­druck, dass er ei­ne schil­lern­de Per­sön­lich­keit ist. Er macht auch sei­nen Job im Tri­kot der Dort­mun­der per­fekt. Das be­le­gen 16 Li­ga-Tref­fer. Es ist Le­ben drin in der Bun­des­li­ga. Dank RB Leipzig. Dank Tra­di­ti­ons­ver­ei­nen wie Her­tha BSC Ber­lin, dem 1. FC Köln oder Ein­tracht Frankfurt, die al­te Hier­ar­chi­en durch­ein­an­der­wir­beln. Man darf sich wirk­lich freu­en auf die kom­men­den 18 Spiel­ta­ge, die ga­ran­tiert nicht lang­wei­lig wer­den. Man muss nur ein we­nig Ge­duld ha­ben: Wei­ter geht es schon am 20. Ja­nu­ar mit der Par­tie SC Frei­burg ver­sus Bay­ern Mün­chen.

Auf­fal­lend – Pier­re-Eme­rick Auba­meyang sorgt nicht nur mit sei­nen To­ren für Schlag­zei­len. Auch als neu­es „Fei­er­biest“der Bun­des­li­ga ist der Welt­klas­se­stür­mer in­ter­na­tio­nal auf Ach­se. Fo­to: avs

Er­folgs­duo aus Leipzig: RB-Coach Ralph Ha­sen­hüttl (rechts) und Ralf Rang­nick. Fo­to: avs

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.