Don­ny McCas­lin: Er spiel­te bis zu­letzt mit Da­vid Bo­wie

Der Sa­xo­fo­nist Don­ny McCas­lin war bis kurz vor Bo­wies Tod mit dem Welt­star im Stu­dio

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SIETE -

Nur we­ni­ge Men­schen wa­ren Da­vid Bo­wie in den letz­ten Mo­na­ten vor sei­nem Tod am 10. Ja­nu­ar 2016 so na­he wie Don­ny McCas­lin. Der Sa­xo­fo­nist und Band­lea­der, der mehr­mals für den Gram­my no­mi­niert war, ar­bei­te­te mit ihm am letz­ten Al­bum „Black­star“, das nur zwei Ta­ge vor dem Tod des le­gen­dä­ren Mu­si­kers er­schien. Bo­wies Werk, da ist er sich si­cher, wer­de die Zeit über­dau­ern.

Ihr im Ok­to­ber er­schie­ne­nes Al­bum „Bey­ond Now“ist für Sie ein ganz be­son­de­res – war­um?

Don­ny McCas­lin: Da­vor hat­te ich mit Da­vid Bo­wie an sei­nem Al­bum „Black­star“ge­ar­bei­tet, und das war ei­ne tief grei­fen­de Er­fah­rung für mich. Sei­ne Songs wa­ren im­mer da­bei, wäh­rend ich mei­ne ei­ge­nen schrieb. Nach sei­nem Tod hat­te ich mit den an­de­ren Mu­si­kern vom „Black­star“-Al­bum – Tim Lef­eb­v­re, Ja­son Lind­ner und Mark Gui­lia­na – ei­ne Wo­che lang je­den Abend ei­nen Auf­tritt in New York. Und wir ha­ben dar­über nach­ge­dacht, wie wir ihn eh­ren kön­nen. Dann ha­ben wir je­den Abend „A Small Plot of Land“ge­co­vert – für uns war das ei­ne Mög­lich­keit, un­se­re Ge­füh­le aus­zu­drü­cken. Es war ka­thar­tisch, die­ses Lied zu­spie­len.

Ist Ihr Al­bum ei­ne Hom­mage an Bo­wie?

McCas­lin: Ja, das füh­le ich so. Ich möch­te sei­ne Furcht­lo­sig­keit als Künst­ler eh­ren, die ihm da­bei ge­hol­fen hat, die Gren­zen von Mu­sik, Mo­de und Vi­deo­kunst zu spren­gen. So war es auch bei „Black­star“. Für je­man­den wie mich, der das in sei­ner Ar­beit auch ver­sucht, war es sehr be­stä­ti­gend, das von Na­hem zu se­hen und zu le­ben.

Wie war die Zu­sam­men­ar­beit mit Da­vid Bo­wie?

McCas­lin: Wie er an sei­ne Ar­beit her­an­ge­gan­gen ist: Man hat so­fort ge­spürt, wenn er ei­nen Raum be­tre­ten hat. Man konn­te sei­ne Prä­senz spü­ren, sei­nen Fo­kus, aber al­les mit ei­ner ru­hi­gen Ge­las­sen­heit – das war ein­fach wun­der­bar! Aber auch die Men­sch­lich­keit, die er uns ent­ge­gen­ge­bracht hat. Von der ers­ten Mi­nu­te an hat man sich wohl ge­fühlt. Er hat uns er­mu­tigt, Ri­si­ken in un­se­rer Ar­beit ein­zu­ge­hen, und war dann sehr glück­lich mit al­lem, wie es war. Au­ßer­dem war er auch sehr lus­tig, sehr klug – wir ha­ben über al­les ge­spro­chen: Fil­me, Bü­cher, Po­li­tik – al­les. Er war groß­zü­gig, be­schei­den, konn­te über sich selbst la­chen – all das war wirk­lich be­ein­dru­ckend und an­re­gend.

Für die Welt kam sein Tod scho­ckie­rend plötz­lich, für Sie auch?

McCas­lin: Dar­über möch­te ich nicht spre­chen. Bo­wie hat sei­ne Pri­vat­sphä­re im­mer sehr ge­schützt, und ich möch­te das re­spek­tie­ren. Aber ich kann sa­gen, dass im­mer, wenn wir zu­sam­men wa­ren, er prä­sent und fo­kus­siert war. Das war be­ein­dru­ckend. Es gab zum Bei­spiel im Som­mer 2014 ei­nen Tag, an dem wir den Song „Sue (Or in a Sea­son of Cri­me)“auf­ge­nom­men ha­ben. Erst ha­ben wir fünf oder sechs St­un­den lang die In­stru­men­tal­tei­le auf­ge­nom­men, und er saß die gan­ze Zeit im Re­gie­raum und hat zu­ge­hört. Da­nach soll­te er ei­ne Pro­be­ver­si­on des Ge­sangs auf­neh­men. Und der ist bei die­sem Lied ei­ne ganz schö­ne Her­aus­for­de­rung! Er steht al­so auf nach sechs St­un­den, singt ein paar No­ten zum Auf­wär­men, legt los – und am En­de wird das die fi­na­le Ver­si­on.

Was ist Bo­wies Ver­mächt­nis?

McCas­lin: Er wird ei­ner die­ser Künst­ler sein, de­ren Werk die Men­schen noch in Ge­ne­ra­tio­nen hö­ren wer­den. Ein Künst­ler, der sein Den­ken im­mer wei­ter vor­an­ge­trie­ben hat und kei­ne Angst da­vor hat­te, Ri­si­ken ein­zu­ge­hen. Er hat die Gren­zen ge­sprengt und sein Pu­bli­kum mit­ge­nom­men. Die Qua­li­tät sei­ner Ar­beit wird Ge­ne­ra­tio­nen über­dau­ern.

Don­ny McCas­lin (50), ge­bo­ren in Ka­li­for­ni­en, ist ein ge­fei­er­ter Jazz-Sa­xo­fo­nist. Mit Da­vid Bo­wie ar­bei­te­te er an des­sen letz­tem Al­bum „Black­star“. Im Ok­to­ber er­schien McCas­lins jüngs­tes Al­bum „Bey­ond Now“als Hom­mage an Bo­wie.

Fo­tos: avs

Jazz-Sa­xo­fo­nist Don­ny McCas­lin (links) ver­brach­te mit Da­vid Bo­wie des­sen letz­te Le­bens­mo­na­te. Zu­sam­men ar­bei­te­ten sie an „Black­star“, dem Ab­schluss ei­ner gro­ßen Kar­rie­re.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.