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Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Wolf­gang We­ber

Der Car­too­nist Uli St­ein, der am zwei­ten Weih­nachts­tag sei­nen 70. Ge­burts­tag fei­ert, hat kei­ne Lust auf Plätz­chen, Lich­ter­ket­ten und Weih­nachts­lie­der: „Bei mir zu Hau­se steht kein Weih­nachts­baum und hängt auch kein Stern am Fens­ter. Mir rei­chen die Ster­ne am Him­mel“, be­haup­tet der Zeich­ner. Dass vie­le sei­ner Bü­cher just zu Weih­nach­ten ver­schenkt wer­den und ihm viel Geld ein­brin­gen, dürf­te ihn aber ver­mut­lich we­ni­ger stö­ren. Mit Weih­nach­ten ist es so ei­ne Sa­che. Die ei­nen hal­ten nichts da­von, die an­de­ren kön­nen gar nicht ge­nug da­von be­kom­men: Ein Rent­ner­ehe­paar aus dem 24 Ein­woh­ner zäh­len­den Dorf Vieh­le in Nie­der­sach­sen hat ein Bus­war­te­häus­chen mit Tan­nen­grün und bun­ten Weih­nachts­baum­ku­geln ge­schmückt, um den Dorf­be­woh­nern ei­ne klei­ne Über­ra­schung zu be­rei­ten. Doch dann wur­de das ge­schmück­te Häu­schen über­ra­schend zu ei­nem Be­su­cher­ma­gne­ten. „Man­che kom­men ex­tra nach Vieh­le, le­gen im War­te­häus­chen ei­ne Pau­se ein und es­sen und trin­ken et­was“, sagt der 72-jäh­ri­ge Wern­fried Mey­er. Erst nach dem 6. Ja­nu­ar, dem Fest der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge, wol­len die Mey­ers den Weih­nachts­schmuck wie­der ein­sam­meln.

Von Schlan­gen und Weih­nachts­gur­ken

In den USA, wo ja be­kannt­lich al­les et­was schril­ler und bun­ter ist als bei uns, wä­re ein sol­ches Bus­war­te­häus­chen ver­mut­lich kei­ne Sen­sa­ti­on. In Ame­ri­ka hän­gen sich die Men­schen ja so­gar sau­re Gur­ken an den Weih­nachts­baum. Sau­re Gur­ken? Ja, tat­säch­lich, al­ler­dings kei­ne ech­ten, son­dern sol­che aus Glas oder Kunst­stoff. „Christ­mas Pick­le“oder „Good Luck Pick­le“(Glücks­gur­ke) nen­nen das die Ame­ri­ka­ner. Der Gur­ken­schmuck wird meist et­was ver­steckt auf­ge­hängt. Wenn Kin­der ihn ent­de­cken, be­kom­men sie ein zu­sätz­li­ches Ge­schenk. Der Witz an der Sa­che: Et­li­che Ame­ri­ka­ner glau­ben, die­ser Brauch stam­me aus Deutsch­land. Aber ha­ben Sie schon ein­mal ei­ne Weih­nachts­gur­ke ge­se­hen? Wer­fen wir zum Ab­schluss noch ei­nen Blick in die aus­tra­li­sche Stadt Mel­bourne. Dort war ei­ne Frau gera­de mit dem Schmü­cken ih­res Weih­nachts­bau­mes be­schäf­tigt, als sich zwi­schen den Zwei­gen plötz­lich et­was be­weg­te. Es war ei­ne leib­haf­ti­ge Schlan­ge. Die Frau alar­mier­te ei­nen pro­fes­sio­nel­len Schlan­gen­fän­ger, der die Ti­ge­rot­ter mit­nahm. Rein op­tisch hät­te sich das Tier­chen zwar durch­aus als „La­met­ta-Er­satz“ge­eig­net – da es hoch­gif­tig ist, hat die Frau auf die­se Art von Weih­nachts­schmuck dann aber doch lie­ber ver­zich­tet.

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