Die letz­te Mis­si­on für den Wi­kin­ger

Si­gurds­son ver­lässt DHB nach der WM

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DAS SPORTJAHR 2017 - Pe­ter Tre­bing

Da­gur Si­gurds­son passt in kein Mus­ter. Und er ist ver­mut­lich auch eher der Typ, der nicht un­be­dingt den ein­fa­chen Weg geht. Das war schon so, als er den Pos­ten als Bun­des­trai­ner über­nahm. Das wird auch so blei­ben, wenn er den Deut­schen Hand­ball-Bund (DHB) nach der WM in Frank­reich ver­lässt, um das ja­pa­ni­sche Na­tio­nal­team auf die Olym­pi­schen „Heim­spie­le“2020 vor­zu­be­rei­ten. Nach dem sen­sa­tio­nel­len Ti­tel­ge­winn bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2016 und Bron­ze bei Olym­pia in Rio steht er vor sei­nem drit­ten gro­ßen Tur­nier in­ner­halb ei­nes Jah­res. Auch da ge­hört der Is­län­der mit sei­nem Team zum Fa­vo­ri­ten­kreis, zu dem er selbst noch Gast­ge­ber Frank­reich, Dä­ne­mark, Spa­ni­en und Kroa­ti­en zählt. Ein Pro­blem ha­ben al­le Teil­neh­mer ge­mein­sam – der dicht ge­dräng­te Ter­min­plan. In der Vor­run­de müs­sen Gens­hei­mer und Co in acht Ta­gen fünf Spie­le ab­sol­vie­ren. Ei­ne Her­aus­for­de­rung, die sich bei­spiels­wei­se Hen­drik Pe­keler (Rhein-Neckar Lö­wen), Mar­tin Stro­bel (HBW Ba­lin­gen-Weil­stet­ten) und Chris­ti­an Dis­sin­ger (THW Kiel) mo­men­tan nicht zu­trau­en. Sie ha­ben für die WM ab­ge­sagt. Al­ler- dings ha­ben Hol­ger Glan­dorf und auch Pe­keler, die bei­de zum er­wei­ter­ten 28er-Ka­der ge­hö­ren, schon si­gna­li­siert, im Not­fall ein­zu­sprin­gen. Der aber könn­te ziem­lich schnell ein­tre­ten. Links­hän­der Steffen Wein­hold ((THW Kiel; Riss des vor­de­ren Syn­des­mo­se­ban­des) und Fa­bi­an Wie­de (Füch­se Ber­lin; Seh­nen­riss in der Schul­ter) fal­len be­reits aus. Bis zum Be­ginn der WM-Vor­be­rei­tung wird Si­gurds­son den Ka­der auf 18 Ak­teu­re re­du­zie­ren. Von de­nen muss er zwei wei­te­re strei­chen, denn nur 16 Spie­ler dür­fen zur WM. Soll­ten wäh­rend des Tur­nie­res schwe­re Ver­let­zun­gen auf­tre­ten, könn­ten aus dem er­wei­ter­ten Ka­der ma­xi­mal zwei Mann aus­ge­tauscht wer­den. Das of­fi­zi­el­le Ziel des Bun­des­trai­ners ist be­schei­den: Ei­ne bes­se­re Plat­zie­rung als bei der WM 2015 in Ka­tar. Dort wur­de die DHB-Aus­wahl Sieb­ter. Mehr ist aber mög­lich, wenn der Start ge­lingt, glaubt Si­gurds­son, der nach der WM zum Pend­ler wird. Er will und darf das ja­pa­ni­sche Na­tio­nal­team die meis­te Zeit von Is­land aus be­treu­en und reist nur zu den Spie­len und Lehr­gän­gen nach Fer­n­ost. Fi­nan­zi­ell lu­kra­tiv ist der Wech­sel in je­dem Fall, der ja­pa­ni­sche Ver­band soll an­geb­lich tief in die Ta­sche ge­grif­fen ha­ben, um den „Welt-Trai­ner 2015“für die Olym­pia-Mis­si­on en­ga­gie­ren zu kön­nen. Sport­lich ist die Ent­schei­dung schwe­rer nach­zu­voll­zie­hen. Mit ra­di­ka­len per­so­nel­len Maß­nah­men hat der Is­län­der als Nach­fol­ger von Mar­tin Heu­ber­ger ei­nen Um­bruch ein­ge­lei­tet, für den er mit dem EM-Ti­tel und Olym­pia-Bron­ze be­lohnt wur­de. Und trotz der Absagen und Ver­let­zun­gen reist er mit ei­nem star­ken Ka­der nach Frank­reich. Wie die deut­schen Hand­bal­ler bei der WM auf­tre­ten, wird den deut­schen Fans aber wohl wie­der zu­min­dest im TV ver­bor­gen blei­ben. Rech­te­inha­ber beIN Sports, ein ka­ta­ri­sches Toch­ter­un­ter­neh­men von Al Ja­ze­e­ra, konn­te sich er­neut nicht mit ARD und ZDF ei­ni­gen. Auch der Be­zahl­sen­der Sky scheint sei­ne Ver­hand­lun­gen auf Eis ge­legt zu ha­ben.

Fo­to: avs

Sei­ne Zeit als Bun­des­trai­ner läuft ab: Da­gur Si­gurds­son wird nach der WM in Frank­reich sei­ne er­folg­rei­che Ar­beit beim DHB be­en­den und die ja­pa­ni­schen Hand­bal­ler auf Olym­pia 2020 vor­be­rei­ten. Der Is­län­der ist seit 2014 für das Na­tio­nal­team zu­stän­dig und krön­te sei­ne Ar­beit in die­sem Jahr mit dem Ge­winn des EM-Ti­tels und der Bron­ze­me­dail­le bei den Olym­pi­schen Spie­len in Rio.

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