Ro­bert-Frank Ja­co­bi: Chan­son­nier aus dem El­sass

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Ka­trin Kö­nig Ro­bert-Frank Ja­co­bi I Chan­son­nier

Den Satz, der sein Le­ben we­sent­lich prä­gen soll­te, hör­te Ro­bert-Frank Ja­co­bi im Al­ter von sie­ben Jah­ren: In sei­ner Hei­mat, dem El­sass, ver­nahm er Or­gel­mu­sik in ei­ner Kir­che und trat ein, um ihr zu lau­schen. Der Or­ga­nist: Al­bert Schweit­zer. „Wenn du Mu­sik so liebst“, wand­te er sich an den Klei­nen, „wer­de Mu­si­ker und tra­ge die Bot­schaft von Frie­den und Brü­der­lich­keit wei­ter“. Erst viel spä­ter ver­stand Ja­co­bi die­se Wor­te; Erst viel spä­ter er­kann­te er im hu­ma­nis­ti­schen Ge­dan­ken­gut Schweit­zers auch sich selbst. Ja­co­bis Lie­be zur Mu­sik hat­te der Arzt rich­tig er­kannt, wenn es auch noch ein paar Jah­re dau­er­te, bis der Jun­ge die er­sehn­te Gi­tar­re be­kam. Fort­an be­glei­te­te ihn das In­stru­ment – auf ei­nem Le­bens­weg, der nie li­ne­ar war. „Mein Be­rufs­wunsch war Dol­met­scher. Ich ging nach Mün­chen, um zu stu­die­ren.“Zugleich über­setz­te und schrieb er Lie­der für deut­sche Pro­du­zen­ten, dar­un­ter Ralph Sie­gel. Der riet ihm, auch selbst zu sin­gen: „Du hast ei­ne ver­dammt gu­te Stim­me.“Der Er­folg ei­nes Auf­tritts im „Straß­bur­ger Kel­ler“be­wog Ja­co­bi da­zu, „von der Mu­sik zu le­ben, in to­ta­ler Frei­heit“: Der „Trou­ba­dour“ging nach St. Tro­pez, mu­si­zier­te in Ca­fés und auf Schif­fen, für Gun­ther Sachs und die Onas­sis. „Ich leb­te.“Er be­gann, von ei­ner Mu­sik­kar­rie­re zu träu­men. „Bei ei­nem Fes­ti­val ge­wann ich den ers­ten Preis für mein Lied, kam schnell auch ins Fern­se­hen. Doch der rich­ti­ge Durch­bruch ge­lang nicht.“Ja­co­bi kehr­te zu­rück nach Mün­chen, über­nahm die Klein­kunst­büh­ne „Das Schwa­bin­ger Brettl“. „Ein Schla­ger, den ich für Mar­got Wer­ner kom­po­nier­te, wur­de ein Hit: Plötz­lich war ich in der Bran­che, schrieb für Roy Black und Pe­ter Alex­an­der.“Auch für sich kom­po­nier­te er – so­zi­al­kri­ti­sches Lied­gut. Für Ja­co­bi gilt: „Das Wort be­deu­tet et­was.“Er sieht er sich ganz in der Tra­di­ti­on der gro­ßen Chan­son­niers. Dies ent­spricht auch sei­nem ge­sell­schaft­li­chen Wir­ken: Lan­ge setz­te er sich für die deutsch-fran­zö­si­sche, spä­ter für die ba­di­schel­säs­si­sche Freund­schaft ein. Er liebt sei­ne Hei­mat, ist mit der el­säs­si­schen Spra­che auf­ge­wach­sen. Für den Frie­den, für sei­ne Kul­tur und Spra­che singt und kämpft er, ent­täuscht von deut­schen wie fran­zö­si­schen Po­li­ti­kern der obe­ren Li­ga. Er setzt sich für hei­mi­sches Brauch­tum auf bei­den Sei­ten des Rheins ein und ist über­zeugt, dass „sein“El­sass, „das auch auf­grund des Deutsch­land­has­ses nach dem Krieg all­zu lan­ge die ei­ge­ne Iden­ti­tät mit der fran­zö­si­schen zu ver­schmel­zen such­te“, ein neu­es Be­wusst­sein für sei­ne „rot-wei­ßen“Wur­zeln er­langt. Ja­co­bi steht der po­li­ti­schen Par­tei „Un­ser Land / Le Par­ti Al­sa­ci­en“nah, auch die neue el­säs­si­sche Hym­ne kom­po­nier­te er. „Wir sind ein Volk von enor­mer Le­bens­freu­de, ein biss­chen nost­al­gisch auch. Un­se­re poe­ti­sche Spra­che trans­por­tiert ei­nen Hu­mor und ei­ne Wär­me, wie es das Hoch­deut­sche, so sehr ich es lie­be, nicht könn­te. All dies darf nicht ver­lo­ren ge­hen.“An ei­nem Sonn­tag­nach­mit­tag er­zählt er all dies; sei­ne deut­sche Frau sitzt ne­ben ihm, bei­de ha­ben ih­re ge­lieb­ten Chi­hua­huas auf dem Schoß. Die Däm­me­rung legt sich schon über Ba­den-Ba­den, als Ja­co­bi zur Gi­tar­re greift und singt, singt und singt.

Fo­to: Kö­nig

Auf ei­ne lan­ge gro­ße Mu­si­ker­kar­rie­re blickt Ro­bert-Frank Ja­co­bi zu­rück. Der für Dia­lekt und Brauch­tum bei­der­seits des Rhein en­ga­gier­te El­säs­ser lebt in Ba­den-Ba­den.

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