Hil­fe für Schwer­kran­ke

Die Brü­cken­schwes­tern der Karls­ru­her Kran­ken­häu­ser

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Mo­ni­ka John

Die Brü­cke – das Sinn­bild im Lo­go der Brü­cken­schwes­tern des On­ko­lo­gi­schen Schwer­punk­tes Karls­ru­he (OSP) – steht für die Be­glei­tung un­heil­bar an Krebs er­krank­ter Pa­ti­en­ten, die vom Kran­ken­haus in die häus­li­che Be­treu­ung ent­las­sen wer­den kön­nen. Bei der Grün­dung im Jahr 1995 wa­ren es drei spe­zi­ell aus­ge­bil­de­te Kran­ken­schwes­tern, heu­te be­glei­ten acht Brü­cken­schwes­tern on­ko­lo­gi­sche Pa­ti­en­ten und ih­re An­ge­hö­ri­gen. „Ein­füh­lungs­ver­mö­gen ist bei der Tä­tig­keit un­ab­ding­bar“, er­klärt Hei­ke Spind­ler, die sich vor 20 Jah­ren für die­se Ar­beit ent­schie­den hat. „Ich könn­te mir kei­nen an­de­ren Be­ruf vor­stel­len“, sagt sie. So not­wen­dig wie Em­pa­thie sei in­des die Fä­hig­keit, die not­wen­di­ge Dis­tanz zu be­hal­ten, um ob­jek­tiv blei­ben zu kön­nen. Auch um die An­ge­hö­ri­gen zu stüt­zen. Kurz: „Wir müs­sen pro­fes­sio­nell ar­bei­ten“, sagt sie. Das be­stä­ti­gen Syl­via Si­mon, die sich vor 15 Jah­ren für die­sen be­ruf­li­chen Weg ent­schie­den hat, und Bea­trix Roth­mei­er, die seit zehn Jah­ren da­bei ist. Es ge­he dar­um, die Le­bens­qua­li­tät der Schwerst­kran­ken zu ver­bes­sern und dem fa­mi­liä­ren Um­feld so zur Sei­te zu ste­hen, dass die­se auch ei­nen Ster­be­pro­zess aus­hal­ten könn­ten. Es ge­be aber auch an­de­re Fäl­le: Sy­li­va Si­mon be­rich­tet von Pa­ti­en­ten, die in der Pal­lia­tiv­pha­se sta­bi­li­siert wer­den konn­ten. De­ren Er­kran­kung sei nach wie vor nicht heil­bar, aber sie könn­ten un­ter Um­stän­den noch Jah­re da­mit le­ben. Vie­le Men­schen ver­wech­sel­ten im Üb­ri­gen die Pal­lia­tiv­sta­ti­on, die in ver­schie­de­nen Kli­ni­ken ein­ge­rich­tet ist, mit ei­nem Ho­s­piz. „Pal­lia­tiv­sta­ti­on ist kei­ne Ster­be­sta­ti­on“, un­ter­streicht Hei­ke Spind­ler. Der Be­griff pal­lia­tiv be­zeich­net the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­men, wel­che die Be­schwer­den ei­ner un­heil­ba­ren Er­kran­kung lin­dern und der Ver­bes­se­rung der Le­bens­qua­li­tät die­nen. Brü­cken­schwes­tern ar­bei­ten in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit dem Haus- oder Pal­lia­ti­v­arzt. Sie hel­fen bei der Fest­stel­lung des in­di­vi­du­el­len Be­treu­ungs­be­darfs, der Be­schaf­fung von Hilfs­mit­teln wie Bett-, Geh- oder La­ge­rungs­hil­fen und sie hel­fen, Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten mit den Kran­ken­kas­sen zu klä­ren. Je­doch ha­ben nicht al­le Pa­ti­en­ten zu­vor ei­nen Kran­ken­haus­auf­ent­halt. Rund 40 Pro­zent der Pa­ti­en­ten wer­den den Brü­cken­wes­tern von nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten zu­ge­wie­sen. Die spe­zi­ell aus­ge­bil­de­ten Kran­ken­schwes­tern ko­or­di­nie­ren dann die Zu­sam­men­ar­beit mit Pfle­ge­diens­ten, Apo­the­ken, Sa­ni­täts­häu­sern, Seel­sor­gern und an­de­ren. „Un­se­re pfle­ge­ri­schen Schwer­punk­te lie­gen bei der Sym­ptom-Kon­trol­le“, er­läu­tert Hei­ke Spind­ler. Die hier­für er­for­der­li­che The­ra­pie wer­de ge­mein­sam mit dem Haus- oder Pal­lia­tiv-Arzt ab­ge­stimmt. Au­ßer­dem be­ob­ach­ten die Schwes­tern, die al­le über ei­ne Pal­lia­tiv-Zu­satz­aus­bil­dung ver­fü­gen, den Krank­heits­ver­lauf der Pa­ti­en­ten, re­agie­ren mit ge­eig­ne­ten Maß­nah­men und kön­nen die An­ge­hö­ri­gen auf wei­te­re, zu er­war­ten­de Ent­wick­lun­gen recht­zei­tig vor­be­rei­ten. Vie­le An­ge­hö­ri­ge fühl­ten sich an­fangs über­for­dert. „Wir wol­len ih­nen die Angst neh­men und be­glei­ten sie bei die­ser Auf­ga­be“führt Roth­mei­er aus. Die Brü­cken­schwes­tern sind rund um die Uhr für ih­re Pa­ti­en­ten und de­ren An­ge­hö­ri­ge er­reich­bar. Die Be­treu­ungs­dau­er der Pa­ti­en­ten liegt laut Pres­se­mit­tei­lung der ehe­ma­li­gen St. Vin­cen­ti­us-Klin­ken, heu­te ViDia – Christ­li­che Kli­ni­ken Karls­ru­he – im Schnitt bei 65 Ta­gen. Knapp 70 Pro­zent der Pa­ti­en­ten ver­ster­ben dem­nach wäh­rend der Be­treu­ung, bei rund 13 Pro­zent sta­bi­li­siert sich der Zu­stand so­weit, dass die Be­treu­ung ein­ge­stellt wer­den kann. En­de 2014 hat der OSP Karls­ru­he das be­ste­hen­de Ver­sor­gungs­an­ge­bot der Brü­cken­schwes­tern um das An­ge­bot ei­ner Spe­zia­li­sier­ten Am­bu­lan­ten Pal­lia­tiv­ver­sor­gung (SAPV) er­wei­tert. Da­mit ver­bun­den wur­de das Team der Brü­cken­schwes­tern um Ärz­te er­wei­tert, die auf Pal­lia­tiv-Me­di­zin spe­zia­li­siert sind.

Fo­to: John

Die „Brü­cken­schwes­tern“sind ei­ne Ein­rich­tung des On­ko­lo­gi­schen Schwer­punk­tes (OSP) Karls­ru­he, die 1995 ins Le­ben ge­ru­fen wur­de. Die Auf­ga­be von Hei­ke Spind­ler (links), Bea­trix Roth­mei­er und ih­re Kol­le­gin­nen ist es, die Le­bens­qua­li­tät von Schwer­kran­ken zu ver­bes­sern.

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