Mit Lu­i­gi Mi­wu­let­ti durch Ita­li­en

Fast vier Jah­re Bau­zeit für den neu­es­ten Ab­schnitt im Ham­bur­ger Mi­nia­tur Wun­der­land

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Man­fred Spitz

Lu­i­gi Mi­wu­let­ti hat­te viel zu tun. Mit sei­nem ro­ten Mo­tor­rol­ler knat­ter­te der ra­sen­de Piz­za­bä­cker, der ei­gent­lich Lu­i­gi Ba­ris­ta Pas­ta Piz­za Mi­wu­let­ti heißt, durch Klein-Ita­li­en im Ham­bur­ger Mi­nia­tur Wun­der­land. Lu­i­gi ist ein ita­lie­ni­scher Mi­ni-Me­dien­star. Seit er vor in­zwi­schen fast vier Jah­ren von den „Uni­ted Na­ti­ons of Wun­der­land“zum Son­der­be­auf­trag­ten der dort ent­ste­hen­den Re­pu­blik Klein-Ita­li­en er­nannt wur­de, lie­fer­te er auf ei­ner spe­zi­el­len Web­sei­te im In­ter­net re­gel­mä­ßig Bil­der und Ge­schich­ten rund um den Bau des neus­ten Wun­der­lan­dAb­schnit­tes. Un­ent­wegt war Lu­i­gi auf sei­ner ro­ten Ve­s­pa in den Nach­bar-Län­dern KleinI­ta­li­ens un­ter­wegs, um für das neue Ur­laubs­pa­ra­dies der Mi­nia­tur Wun­der­län­der zu wer­ben. Kürz­lich nun hieß es: Fini­to! Klein-Ita­li­en war fer­tig. Das Mi­nia­tur-Meis­ter­werk im Mi­nia­tur Wun­der­land wur­de er­öff­net. Für Lu­i­gi Mi­wu­let­ti, den ra­sen­den Piz­za­bä­cker, be­deu­tet das aber nicht, dass er sich jetzt aus­ru­hen kann. Denn „sein“Ita­li­en in der Ham­bur­ger Spei­cher­stadt ist 190 Qua­drat­me­ter groß, 30 000 Be­woh­ner le­ben dort – und al­le lie­ben sie Lu­i­gis Piz­zen. Seit An­fang des Jah­res 2013 ha­ben die Mi­nia­tur-Wun­der­land-Grün­der Ger­rit und Fre­de­rik Braun mit ih­rem Team an dem neu­en Ita­li­en-Ab­schnitt ge­ar­bei­tet. Da gibt es über 500 hand­ge­fer­tig­te Häu­ser, Kir­chen und Brü­cken, 10 000 Bäu­me, 400 Au­tos, dar­un­ter zahl­rei­che Son­der­an­fer­ti­gun­gen – wie Piz­za­wa­gen – und mehr als 100 Zü­ge. 2 400 Me­ter Glei­se ver­bin­den die Re­gio­nen un­ter­ein­an­der; und mit dem Rest des Wun­der­lan­des. „Wenn man an Ita­li­en denkt, schie­ßen ei­nem ganz vie­le Bil­der durch den Kopf. Al­les dar­zu­stel­len ist qua­si un­mög­lich“, er­klärt Fre­de­rik Braun. „Des­halb hat die Pla­nung al­lein mehr als ein Jahr ge­dau­ert.“Drei wei­te­re Jah­re, oder rund 180 000 Ar­beits­stun­den, hat­ten Ger­hard Dau­scher, der Mo­dell­bauChef des Mi­nia­tur Wun­der­lan­des, und 80 Mit­ar­bei­ter mit Amal­fi-Küs­te und Cin­que Ter­re, Tos­ka­na, Süd­ti­rol und Rom zu tun. Das Sprich­wort „Rom wur­de nicht an ei­nem Tag er­baut“ha­ben ei­ni­ge von Euch si­cher schon Mal ge­hört. Auf das Rom im Mi­nia­tur Wun­der­land trifft es je­den­falls zu. Die welt­be­kann­ten Ge­bäu­de der „Ewi­gen Stadt“, die es im Gro­ßen und nun auch im Klei­nen gibt, stell­ten Ober­bau­meis­ter Dau­scher und sei­ne Hel­fer vor be­son­de­re Her­aus­for­de­run­gen. Pe­ters­dom mit an­gren­zen­den Ko­lon­na­den zum Bei­spiel be­steht aus 22 000 Ein­zel­tei­len und hat 23 Mo­na­te Kon­struk­ti­ons- und Bau­zeit ver­schlun­gen. In et­wa ge­nau so lan­ge dau­er­te es, bis das aus 3 000 Tei­len er­rich­te­te Ko­los­se­um fer­tig war. Doch es lo­cken nicht nur die gro­ßen tou­ris­ti­schen Se­hens­wür­dig­kei­ten: Wie übe­r­all im Mi­nia­tur Wun­der­land gibt es auch in Ita­li­en für Be­su­cher an vie­len Stel­len klei­ne Ku­rio­si­tä­ten zu ent­de­cken – von der fleisch­fres­sen­den Pflan­ze in ei­nem bo­ta­ni­schen Gar­ten bis hin zur Lö­win, die un­ge­stört durch das Ko­los­se­um in Rom streift. „Was un­se­re Mo­dell­bau­er mit Ita­li­en er­schaf­fen ha­ben, ist der blan­ke Wahn­sinn“, schwärmt Ger­rit Braun. Denn auch das ge­hört da­zu: Ein vom Bal­kon des Pe­ters­doms win­ken­der Papst, fie­se Ma­fio­si und der Vul­kan Ve­suv, der sich hin­ter den Rui­nen von Pom­pe­ji er­hebt und La­va spuckt. Zwölf Mo­na­te hat die Ent­wick­lung in An­spruch ge­nom­men. Zwei Mo­na­te der Stahl- und Holz­bau. Und fünf Mo­na­te die Tech­nik. Man­chDer mal ist Ger­rit Braun, der Per­fek­tio­nist, fast ver­zwei­felt. Un­zäh­li­ge St­un­den hat er dar­über nach­ge­dacht, wie sich ein Vul­kan­aus­bruch im Maß­stab 1:87 ver­wirk­li­chen lässt. Jetzt spuckt der Ve­suv et­wa 40-mal am Tag gel­bro­te La­va. Bei Nacht sieht es so echt aus, dass man fast Gän­se­haut be­kommt. „Vor Bau­be­ginn sind al­le Mo­dell­bau­er in die Re­gi­on ge­reist, die sie spä­ter im Klei­nen nach­bil­den soll­ten“, er­zählt Ger­hard Dau­scher. Auch Ger­rit Braun ist durch Ita­li­en ge­fah­ren, und hat zum Bei­spiel den Vul­kan Strom­bo­li be­stie­gen. Um ech­te La­va zu se­hen. Vom Er­geb­nis sind sie be­geis­tert. „Rom ist groß­ar­tig ge­wor­den“, meint Dau­scher. Und die Land­schaft der Amal­fi­küs­te sei „toll“– da wür­de er ger­ne Mal ei­ne Piz­za von Lu­i­gi es­sen. Auf ein be­son­de­res ita­lie­ni­sches High­light müs­sen so­wohl Lu­i­gi als auch die Wun­der­land-Be­su­cher aber noch ein we­nig war­ten: Die be­rühm­te La­gu­nen­stadt Ve­ne­dig wird erst En­de 2017 im Mi­nia­tur-For­mat zu be­sich­ti­gen sein.

Der Pe­ters­dom ent­stand aus 22 000 Ein­zel­tei­len

Ein war­mer Som­mer­tag an der Amal­fi Küs­te: Son­ne und Meer zie­hen Ur­lau­ber seit je­her nach Ita­li­en – auch im Mi­nia­tur Wun­der­land in der Ham­bur­ger Spei­cher­stadt. Fast vier Jah­re lang ha­ben 80 Wun­der­land-Mit­ar­bei­ter an dem neu­en Ab­schnitt „Ita­li­en“ge­tüf­telt und ge­baut. Das Er­geb­nis ist be­ein­dru­ckend. Fo­tos: Mi­nia­tur Wun­der­land

Mi­nia­tur­welt in der Mi­nia­tur­welt: Der schie­fe Turm von Pi­sa in ei­nem Frei­zeit­park von „Klein-Ita­li­en“.

Bis zu 40-mal am Tag spuckt der Ve­suv in „KleinI­ta­li­en“täu­schend echt aus­se­hen­de La­va.

Dau­er­re­si­denz im Wun­der­land: Der Papst auf der Log­gia des Pe­ters­doms winkt al­len Be­su­chern zu.

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