Span­nend wie lan­ge nicht?

65. Vier­schan­zen­tour­nee: Kreis der Sieg­an­wär­ter „dies­mal eher groß“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT -

Der Top­fa­vo­rit? Ein 17 Jah­re al­ter Schü­ler mit blas­sem Ge­sicht. Die deut­sche Hoff­nung? Se­ve­rin Freund, trotz lan­ger Lei­dens­zeit. Und die Ge­heim­tipps? Kom­men aus Ös­ter­reich, wie ei­gent­lich im­mer. Die 65. deutsch-ös­ter­rei­chi­sche Vier­schan­zen­tour­nee könn­te span­nend wer­den, wie lan­ge nicht – mei­nen die Ski­sprung-Ex­per­ten. „Der Kreis der Kan­di­da­ten ist dies­mal eher groß“, sag­te auch Bun­des­trai­ner Wer­ner Schus­ter vor dem Auf­takt­sprin­gen in Oberst­dorf (30. De­zem­ber), dem Neu­jahrs­sprin­gen in Gar­misch-Par­ten­kir­chen (1. Ja­nu­ar), dem Berg­isel­sprin­gen in Inns­bruck (4. Ja­nu­ar) und dem Drei­kö­nigs­sprin­gen in Bi­schofs­ho­fen (6. Ja­nu­ar). Mit Welt­meis­ter Se­ve­rin Freund und dem vor der Tour­nee form­star­ken Mar­kus Ei­sen­bich­ler hat der Deut­sche Ski­ver­band (DSV) auch zwei Ei­sen im Feu­er – hofft Schus­ter. Wä­re da nicht das fünf­mo­na­ti­ge Flug­ver­bot, das Freund nach ei­ner Hüft-Ope­ra­ti­on im Früh- jahr auf­er­legt wur­de. „Ich ha­be seit­her ein paar Schrit­te ge­macht, aber ich glau­be, dass noch et­was fehlt“, mein­te Freund und dämpf­te vor dem Tour­nee­start die Er­war­tun­gen. In die er­wei­ter­te Welt­spit­ze se­gel­te zu­letzt Ei­sen­bich­ler. Der zu­vor eher un­auf­fäl­li­ge 25-Jäh­ri­ge war bei den fünf Welt­cup-Sprin­gen vor dem Tour­nee­start stets bes­ter DSVAd­ler. „Sich ge­dank­lich mit der Ge­samt­wer­tung zu be­schäf­ti­gen, wä­re kon­tra­pro­duk­tiv“, sagt Ei­sen­bich­ler vor­sich­tig. Doch die Tour­nee-Ge­schich­te hat oft ge­zeigt, dass Sprin­ger aus dem Nichts den ganz gro­ßen Coup lan­den kön­nen. Richard Frei­tag, vor zwei Jah­ren Ta­ges­sie­ger in Inns­bruck, und Andre­as Wel­lin­ger ha­ben ihr Po­ten­zi­al zu­letzt zu­min­dest an­ge­deu­tet. Bei­de hät­ten „im bis­he­ri­gen Win­ter punk­tu­ell gu­te Sprün­ge ge­zeigt“und sei­en zu­letzt noch ein­mal ei­nen Schritt wei­ter­ge­kom­men, sagt Schus­ter. Karl Gei­ger und Ste­phan Ley­he kom­plet­tie­ren die Kern­mann­schaft des DSV-Te­ams. Der gro­ße Ge­jag­te dürf­te al­ler­dings Do­men Pre­vc hei­ßen. Das 17 Jah­re al­te Jahr­hun­dert­Ta­lent aus Slo­we­ni­en kann der zweit­jüngs­te Sie­ger der Ge­schich­te hin­ter dem Fin­nen To­ni Nie­mi­nen (1992/93 mit 16 Jah­ren und 7 Mo­na­ten) wer­den. Im Ge­samt­welt­cup führt er nach vier Sie­gen in sie­ben Sprin­gen deut­lich. Von Ner­vo­si­tät scheint beim jün­ge­ren Brü­der von Ti­tel­ver­tei­di­ger Pe­ter Pre­vc kei­ne Spur zu sein: „Für mich be­deu­tet die Tour­nee nur, dass vier Wett­kämp­fe knapp hin­ter­ein­an­der statt­fin­den. Des­halb weiß ich nicht, war­um ich mir Ge­dan­ken ma­chen soll“, mein­te der „Do­me­na­tor“. Ab­zu­war­ten bleibt, ob der „klei­ne“Pre­vc men­tal schon stark ge­nug ist, um in al­len acht Durch­gän­gen oh­ne Pat­zer zu blei­ben. Im Wind­schat­ten des Schü­lers war­ten be­reits zahl­rei­che er­fah­re­ne Ha­sen auf ei­nen Wack­ler des Fa­vo­ri­ten. So be­fin­det sich der Nor­we­ger Da­ni­el And­re Tan­de seit Wo­chen in Top­form, auch Dop­pel-Olym­pia­sie­ger Ka­mil Stoch (Polen) ist wie­der zu­rück. Und ei­nen Pe­ter Pre­vc trotz aku­ter Form­schwä­che ab­zu­schrei­ben, könn­te sich als ka­pi­ta­ler Feh­ler er­wei­sen. Und dann sind da ja auch noch die Ös­ter­rei­cher. Sie­ben­mal in Fol­ge ge­wann ein Aus­tri­aAd­ler die Vier­schan­zen­tour­nee, ehe Pre­vc der Re­kord­jagd im Vor­jahr ein En­de setz­te. Nun plant ei­ne gan­ze Ar­ma­da den Rück­schlag: Ste­fan Kraft, Micha­el Hay­böck, Ma­nu­el Fett­ner und auch Rou­ti­nier Andre­as Kof­ler stan­den in die­sem Win­ter be­reits auf dem Po­dest. „Un­ser Ziel ist der Tour­nee­sieg“, sagt Chef­trai­ner Heinz Kut­tin. Und da­mit ist Kut­tin nicht al­lei­ne.

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