Die BVB-Schalt­zen­tra­le

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Tho­mas No­wag

Eri­ka und Marg­ret hat­ten beim Kaf­fee­kränz­chen viel zu be­spre­chen. „Weigl? Darf der Jun­ge über­haupt so lan­ge auf­blei­ben?“, frag­te die re­so­lu­te Da­me in der gel­ben Spit­zen­blu­se, und sie ur­teil­te spitz­zün­gig: „Sei­ne dür­ren Stel­zen hat er wohl beim Kno­beln mit „nem Storch ge­won­nen!“Zum Glück für den deut­schen Fuß­ball-Na­tio­nal­spie­ler Ju­li­an Weigl war die Läs­te­rei nur Teil ei­nes hu­mo­ri­gen Ein­spiel­film­chens, das der ju­gend­li­che Pro­fi von Bo­rus­sia Dort­mund kürz­lich vor sei­nem Auf­tritt im ZDF-Sport­stu­dio über sich er­ge­hen las­sen muss­te. „Ich muss schon ro­bus­ter wer­den“, sag­te er zum Ein­stieg ins Ge­spräch, „ge­gen So­kra­tis se­he ich in un­se­rer Ka­bi­ne aus wie ein Schul­jun­ge.“Dar­an, was die­se dün­nen Bein­chen zu leis­ten ver­mö­gen, gibt es kei­ne Zwei­fel: Der BVB hat­te noch vor Weih­nach­ten den Ver­trag mit sei­nem Mann in der Schalt­zen­tra­le vor der Ab­wehr bis 2021 ver­län­gert. Der 21-Jäh­ri­ge selbst lässt das al­les ele­gant ab­per­len, so wie er es im­mer tut. Man meint, den Schliff der Rhe­to­rik­kur­se zu hö­ren, wann im­mer Ju­li­an Weigl re­det – er klingt, als wä­re er 30 Jah­re äl­ter und sein ei­ge­ner Ma­na­ger. Ger­ne par­liert er auch in ta­del­lo­sem Eng­lisch, wie nach dem 2:2 bei Re­al Ma­drid in der Cham­pi­ons Le­ague, als ihn die spa­ni­schen Jour­na­lis­ten mit ih­ren Ge­rüch­ten be­stürm­ten. „I’m hap­py in Dort­mund“, sag­te er höf­lich. Sein Trai­ner Tho­mas Tu­chel emp­fahl oh­ne­hin, nun noch nicht den größ­ten Schritt zu ge­hen. In Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten soll­te oh­ne­hin nicht, dass Weigl vor ei­ni­gen Wo­chen in ei­ner Schwä­che­pha­se steck­te. Er wirk­te plötz­lich nicht wie ei­ne Pass-, son­dern eher wie ei­ne Qu­er­pass­ma­schi­ne, durch­aus wei­ter­hin mit Zu­spiel­quo­ten na­he der 100 Pro­zent, je­doch oh­ne gro­ßen Ein­fluss auf das Spiel. Die Wen­de brach­te sei­ne star­ke Tor­vor­be­rei­tung im Esta­dio Bern­abeu. Die Ver­ant­wor­tung ist je­den­falls in die­ser Sai­son deut­lich grö­ßer ge­wor­den. Im Um­feld von Mats Hum­mels oder Il­kay Gün­do­gan hat­te er es noch ein­fa­cher, nun ist er der Schlüs­sel­spie­ler im Auf­bau des Vi­ze-Meis­ters: Hakt es bei Weigl, hakt es beim BVB. Das wis­sen auch die Geg­ner. Zu de­nen ge­hört der FC Bay­ern, der sich är­gert, dass ihm die­ses Ta­lent durch die Lap­pen ge­hen konn­te. Weigl kick­te einst beim TSV Ro­sen­heim, ei­nem Part­ner­ver­ein der Münch­ner – doch der Re­kord­meis­ter emp­fand ihn bei ei­nem Pro­be­trai­ning als „nicht so dy­na­misch“. So lan­de­te der Bad Ai­b­lin­ger 2010 bei den „Lö­wen“. Und 2015 dann beim FCB-Dau­er­ri­va­len in Dort­mund.

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