Neu­an­fang an der Them­se?

Deut­sche Leicht­ath­le­ten kön­nen bei der WM in Lon­don ihr Image auf­po­lie­ren

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DAS SPORTJAHR 2017 - Pe­ter Tre­bing

Kaum zu glau­ben, es kommt tat­säch­lich noch vor, dass Ka­tar bei der Be­wer­bung um ein Sport-Groß­er­eig­nis nicht be­rück­sich­tigt wird. Für die Aus­rich­tung der Leichtathletik-WM 2017 gab es nur ei­nen Kon­kur­ren­ten, doch der setz­te sich durch: Lon­don. Vom 5. bis 13. Au­gust wer­den die glo­ba­len Ti­tel­kämp­fe dort im Olym­pia­sta­di­on aus­ge­tra­gen. Die bri­ti­sche Me­tro­po­le wird zum Treff­punkt der meis­ten Top-Ath­le­ten in die­ser Sport­art. Und zy­nisch könn­te man an­mer­ken: Ein paar Deut­sche sind auch mit da­bei. Ob die in Groß­bri­tan­ni­en auch auf rus­si­sche Kon­kur­ren­ten tref­fen wer­den, das ist völ­lig of­fen. „Sie kom­men nur zu­rück, wenn wir ab­so­lut zu­frie­den sind, dass die Sys­te­me, aus de­nen sie kom­men, si­cher sind und das Ver­trau­en für sau­be­re Ath­le­ten ge­ge­ben ist“, sagt der 60-jäh­ri­ge IAAF-Prä­si­dent Se­bas­ti­an Coe. Ei­ne Aus­sa­ge, die durch­aus ei­nen per­sön­li­chen Hin­ter­grund hat, denn Coe war Chef des Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees für die Olym­pi­schen Spie­le 2012, die in Lon­don aus­ge­tra­gen wur­den. Aus die­ser Zeit ist noch ei­ne Rech­nung of­fen, denn Wa­da-Son­der­er­mitt­ler Richard McLa­ren hat in sei­nem zwei­ten Be­richt fest­ge­stellt, dass über 1 000 Sport­ler in das rus­si­sche Staats­do­ping in­vol­viert wa­ren. Be­trof­fen wa­ren un­ter an­de­rem die Olym­pi­schen Som­mer­spie­le 2012 in Lon­don, die Leichtathletik-WM 2013 in Mos­kau so­wie die Win­ter­spie­le 2014 in Sot­schi. Noch hält der Leichtathletik-Welt­ver­band an der Sper­re rus­si­scher Ath­le­ten fest, die Kri­te­ri­en für ei­ne Wie­der­auf­nah­me sei­en noch nicht er­füllt. Bei ei­ner Coun­cil-Sit­zung am 27. Fe­bru­ar soll dar­über be­ra­ten wer­den, wann und un­ter wel­chen Be­din­gun­gen die Su­s­pen­die­rung auf­ge­ho­ben wer­den kann. Die deut­schen Ath­le­ten sind frei von die­sen Sor­gen, ha­ben da­für aber an­de­re Pro­ble­me. In Rio wur­den ins­ge­samt 141 Me­dail­len in 47 Dis­zi­pli­nen ver­ge­ben. Gan­ze drei (!) da­von hol­ten deut­sche Teil­neh­mer. Gold ging an Speer­wer­fer Tho­mas Röh­ler und Dis­kus­wer­fer

Teil­nah­me rus­si­scher Ath­le­ten ist noch of­fen

Christoph Har­ting, den Bru­der von Ro­bert Har­ting. Und die ein­zi­ge Bron­ze­me­dail­le hol­te auch ein Dis­kus­wer­fer: Da­ni­el Jas­in­ski. Der „Me­dail­len­kor­ri­dor“des deut­schen Olym­pi­schen Sport­bun­des (DOSB) war op­ti­mis­ti­scher de­fi­niert – vier bis sechs Me­dail­len soll­ten es wer­den. In vie­len Fäl­len war man in Rio na­he dran, des­halb darf man für Lon­don durch­aus zu­ver­sicht­lich sein. Fünf vier­te und zwei fünf­te Plät­ze gin­gen bei Olym­pia an DLV-Teil­neh­mer. Und Aus­set­zer wie die im Ku­gel­sto­ßen (Platz sechs für Chris­ti­na Schwa­nitz, Da­vid Storl wur­de Sieb­ter) oder im Speer­wer­fen der Frau­en (Rang acht für Chris­ti­na Obergföll) sind si­cher nicht die Re­gel. Es kann tat­säch­lich nur bes­ser wer­den. Bei der WM kön­nen die jün­ge­ren Ath­le­ten end­lich aus dem Schat­ten der al­ten Gar­de tre­ten. Rio war ein Tief­punkt der deut­schen Leichtathletik, Lon­don könn­te even­tu­ell ei­nen Neu­an­fang mar­kie­ren.

Olym­pi­sches Gold mit 90,30 Me­ter: Speer­wer­fer Tho­mas Röh­ler hol­te ei­ne von drei Me­dail­len für den Deut­schen Leichtathletik-Ver­band. Dem in Of­fen­burg trai­nie­ren­den Jo­han­nes Vet­ter fehl­ten in Rio gan­ze sie­ben Zen­ti­me­ter zur Bron­ze­me­dail­le. Bei­de ge­hö­ren in Lon­don zum Fa­vo­ri­ten­kreis. Fo­to: avs

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