We­ni­ger Geld für Ka­nu­ten

Ka­nu-Nach­wuchs­chef­coach: Man lässt uns am lan­gen Arm ver­hun­gern

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Ha­rald Lin­der/Man­fred Spitz

Det­lef Hof­mann, Nach­wuchs­chef­trai­ner des Deut­schen Ka­nu Ver­ban­des (DKV) und Chef­coach bei den Rhein­brü­dern Karls­ru­he, sieht die Ge­fahr, dass die Ba­sis der Er­fol­ge im Kanu­renn­sport durch Mit­tel­kür­zun­gen und da­mit ein­her­ge­hen­den Strei­chun­gen von Trai­ner­stel­len nicht mehr ge­währ­leis­tet ist.

Olym­pia, deut­sche Ka­nu­ten und Me­dail­len – das passt. Der Deut­sche Ka­nu-Ver­band (DKV) war der er­folg­reichs­te Ver­band der letz­ten sie­ben Som­mer­spie­le. Zu­letzt in Rio gab’s vier­mal Gold, zwei­mal Sil­ber und ein­mal Bron­ze. Doch von die­sen Er­fol­gen kann sich der DKV letzt­lich nichts kau­fen, im Zu­ge der Spit­zen­sport­re­form wer­den den Ka­nu­ten nun für vie­le über­ra­schend dras­tisch die Mit­tel ge­kürzt. Der­art dras­tisch, dass als Fol­ge der Re­form emp­find­li­che Ein­spa­run­gen vor­ge­nom­men und gleich meh­re­re Trai­ner­stel­len ge­stri­chen wer­den müs­sen. „Über den Be­scheid war ich sehr er­staunt, ich ver­ste­he ehr­lich ge­sagt die Welt nicht mehr“, sag­te DKV-Prä­si­dent Tho­mas Ko­nietz­ko dem Sport­in­for­ma­ti­ons­dienst (sid). Und wei­ter: „Die Dis­kus­sio­nen, die wir über die Leis­tungs­sport­re­form zwei Jah­re lang

„Dis­kus­sio­nen gin­gen an der Rea­li­tät vor­bei“

ge­führt ha­ben, wa­ren of­fen­bar abs­trakt und gin­gen kom­plett an der Rea­li­tät vor­bei.“Laut Ko­nietz­ko feh­le es im Sys­tem an „Geld“und „Kraft“, kon­kret für den DKV heißt das: ab Neu­jahr fehlt ein nied­ri­ger sechs­stel­li­ger Be­trag. Und so teil­te der DKV mit, dass die Stel­le des zum 1. Fe­bru­ar aus­schei­den­den Chef­trai­ners Rei­ner Kieß­ler eben we­gen die­ser Kür­zung staat­li­cher Mit­tel nicht mehr be­setzt wird. Ei­ni­ge der Auf­ga­ben soll künf­tig Sport­di­rek­tor Jens Kahl zu­sätz­lich über­neh­men. Au­ßer­dem müs­sen vier Nach­wuchs­trai­ner ent­las­sen wer­den. Die Spit­zen­sport­re­form des Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bun­des (DOSB) und des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums sieht im Grund­satz vor, dass aus­sichts­rei­che Ver­bän­de, Dis­zi­pli­nen und Ath­le­ten mehr, eher per­spek­tiv­lo­se we­ni­ger Geld er­hal­ten. Im Fal­le des DKV er­schei­nen Kür­zun­gen al­so pa­ra­dox und könn­ten ein Warn­si­gnal sein. Denn Olym­pia, deut­sche Ka­nu­ten und Me­dail­len, ob das dann auch in Zu­kunft noch so per­fekt passt? „Ich fän­de es sehr be­dau­er­lich und är­ger­lich, wenn ei­ner un­se­rer er­folg­reichs­ten Ver­bän­de ge­zwun­gen wür­de, ein so er­folg­rei­ches Pro­jekt zu be­en­den“, sagt Micha­el Ve­sper, Vor­stands­vor­sit­zen­der des DOSB, eben­falls ge­gen­über dem sid. Al­ler­dings sieht er kei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen den Um­struk­tu­rie­run­gen beim DKV und der Re­form. Da­mit steht Ve­sper ziem­lich al­lei­ne da. DKV-Prä­si­dent Tho­mas Ko­nietz­ko teilt Auf­fas­sung nicht. Fakt sei, sagt er, dass selbst dem er­folg­rei­chen DKV die Re­form mehr scha­de als nüt­ze: „Wir ha­ben ab dem 1. Ja­nu­ar we­ni­ger Geld zur Ver­fü­gung als vor­her.“Das ist Fakt. Auch für Det­lef Hof­mann, den ver­ant­wort­li­chen Chef­trai­ner der deut­schen Nach­wuchs­ka­nu­ten und der Karls­ru­her Rhein­brü­der ist die ver­kün­de­te Mit­tel­kür­zung für den DKV „nicht nach­voll­zieh­bar“, wie er dem SONN­TAG sag­te. „Da wer­den dem Deut­schen Ka­nu­ver­band im Rah­men der Leis­tungs­sport­re­form die Mit­tel da­hin­ge­hend ge­kürzt, dass die­ser nicht nur den schei­den­den Chef­trai­ner nicht mehr er­set­zen kann, son­dern auch Übungs­lei­ter im Nach­wuchs­be­reich ent­las­sen muss, weil sie nicht mehr zu fi­nan­zie­ren sind. Das ver­ste­he, wer will“, so Hof­mann. Die ei­ge­ne Ver­bands­po­si­ti­on des 53-jäh­ri­gen Karls­ru­hers ist zwar nicht be­trof­fen. Al­ler­dings sieht Hof­mann die Ge­fahr, dass die Ba­sis der Er­fol­ge im Kanu­renn­sport, die in Deutsch­land vor al­lem auf ei­ner her­vor­ra­gen­den Nach­wuchs­för­de­rung fu­ßen, nicht mehr ge­währ­leis­tet ist, wenn aus­ge­rech­net in die­sem Be­reich Trai­ner nicht mehr be­schäf­tigt wer­den kön­nen. „Wenn das ein Er­geb­nis der in Mag­de­burg be­schlos­se­nen Leis­tungs­sport­re­form ist, dann weiß ich nicht, was man sich da­bei ge­dacht hat“, sagt Hof­mann. „Man lässt den in Rio er­folg­reichs­ten Ver­band am lan­gen Arm ver­hun­gern, in­dem man ihm die Ba­sis für sei­ne Er­fol­ge ent­zieht. Denn die wird auch durch un­se­re Nach­wuchs­trai­ner ge­legt. Was üb­ri­gens auch für al­le an­de­ren Ver­des­sen bän­de gilt“, kann Det­lef Hof­mann Ver­är­ge­rung und Ent­täu­schung glei­cher­ma­ßen nicht ver­ber­gen. Er­leich­tert ist er, dass die Nach­wuchs­übungs­lei­ter aus Rei­hen der Rhein­brü­der Karls­ru­he nicht von der Rot­stift­maß­nah­me be­trof­fen sind und ih­re er­folg­rei­che Ar­beit fort­set­zen kön­nen. Die Schütz­lin­ge von U23-Bun­des­trai­ner Ralf St­raub zum Bei­spiel pad­del­ten 2016 bei den U23- und Ju­nio­renWelt­meis­ter­schaf­ten in Minsk zu et­li­chen Top-Plat­zie­run­gen. Ma­ren Kne­bel zeich­net im Karls­ru­her Rhein­ha­fen als Bun­des­stütz­punkt­trai­ne­rin für den Ju­gend- und Ju­nio­ren­be­reich ver­ant­wort­lich. Den­noch will Det­lef Hof­mann nicht ein­fach hin­neh­men, dass „un­se­re er­folg­rei­che Nach­wuchs­ar­beit tor­pe­diert wird. Das kann so nicht ste­hen blei­ben“, kri­ti­siert der 53-Jäh­ri­ge den Be­schluss des In­nen­mi­nis­te­ri­ums und for­dert Kor­rek­tu­ren.

Rhein­brü­der nicht von Maß­nah­men be­trof­fen

Fo­to: GES

„Das ver­ste­he wer will“: Det­lef Hof­mann, Nach­wuchs­chef­trai­ner des Deut­schen Ka­nu Ver­ban­des (DKV) und Chef­coach bei den Rhein­brü­dern Karls­ru­he sieht die Ge­fahr, dass die Ba­sis der Er­fol­ge im Kanu­renn­sport durch Mit­tel­kür­zun­gen und da­mit ein­her­ge­hen­den Strei­chun­gen von Trai­ner­stel­len nicht mehr ge­währ­leis­tet ist.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.