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Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Wolf­gang We­ber

Wenn die Glo­cken zu laut bim­meln

Im­mer wie­der schön zu le­sen sind die von di­ver­sen Rei­se­ver­an­stal­tern ge­sam­mel­ten und re­gel­mä­ßig ver­öf­fent­lich­ten Be­schwer­den un­zu­frie­de­ner Ur­lau­ber. Le­gen­där ist bei­spiels­wei­se je­ner Fe­ri­en­gast, der sei­nen Ur­laub am Meer nicht ge­nie­ßen konn­te, weil ihm „der Strand zu san­dig“war. Auch der Spa­ni­en-Rei­sen­de, der sich dar­über be­schwer­te, dass wäh­rend der Sies­ta kei­ne Ge­schäf­te ge­öff­net hat­ten („Die Sies­ta soll­te ab­ge­schafft wer­den“) hat­te sich vor sei­nem Ur­laub of­fen­kun­dig nicht aus­rei­chend über sein Rei­se­ziel in­for­miert. Ein eng­li­scher Tou­rist schrieb nach ei­nem Ja­mai­ka-Ur­laub ei­nen bit­ter­bö­sen Brief an die Flug­ge­sell­schaft und be­schwer­te sich dar­über, dass sein Rück­flug nach En­g­land neun St­un­den ge­dau­ert ha­be, wäh­rend die Ame­ri­ka­ner, die er im Ur­laub ken­nen­lern­te, le­dig­lich drei St­un­den für ih­re Heim­rei­se be­nö­tigt hät­ten. Wahr­schein­lich gibt es auch Men­schen, die sich nach ei­nem Ur­laub an der At­lan­tik­küs­te über das lau­te Mee­res­rau­schen, nach ei­ner Wüs­ten­sa­fa­ri über die sen­gen­de Hit­ze oder nach ei­nem Auf­ent­halt in New York über das un­un­ter­bro­che­ne Hu­pen der Ta­xis echauf­fie­ren. Doch wann sind Ge­räu­sche noch zu­mut­bar und wann gel­ten sie als Lärm­be­läs­ti­gung? Glo­cken­ge­läut in Kir­chen bei­spiels­wei­se wird meist als an­ge­nehm emp­fun­den, wenn es in Zu­sam­men­hang mit Weih­nach­ten, Hoch­zei­ten oder ähn­li­chen Fei­er­lich­kei­ten er­tönt. Eher un­an­ge­nehm ist es je­doch, wenn man nachts wach liegt und al­le 15 Mi­nu­ten das lau­te Bim­meln hö­ren muss, das ei­nen am Ein­oder Durch­schla­fen hin­dert. In Ös­ter­reich gab es jetzt ei­nen Ge­richts­streit, der sich mit Kuh­glo­cken be­fass­te. Ein Ver­mie­ter von Fe­ri­en­woh­nun­gen in der Vor­arl­ber­ger Ge­mein­de Zwi­schen­was­ser lag mit sei­nem Nach­barn, ei­nem Bau­er, im Clinch, weil des­sen Kü­he zu laut wa­ren – be­zie­hungs­wei­se de­ren Kuh­glo­cken. Der Pro­zess zog sich end­los in die Län­ge; zwi­schen­zeit­lich ließ der Klä­ger so­gar mit­ten im Ge­richts­saal ei­ne rie­si­ge Kuh­glo­cke bim­meln, um das Ge­richt von der un­zu­mut­ba­ren Laut­stär­ke zu über­zeu­gen. Schließ­lich schlug der Rich­ter ei­nen Ver­gleich vor, der auch an­ge­nom­men wur­de. Der kla­gen­de Ver­mie­ter wird nun die lau­ten Kuh­glo­cken sei­nes Nach­barn durch GPS-Si­gna­le (!) er­set­zen. Und als nächs­tes wird dann wahr­schein­lich den Vö­geln das Zwit­schern und den Gril­len das Zir­pen ver­bo­ten.

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