Kauf­rausch im Fer­nen Os­ten

In Chi­na sitzt das Geld ziem­lich lo­cker

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Beim FC Chel­sea, dem Spit­zen­rei­ter der eng­li­schen Pre­mier Le­ague, hat­te der Bra­si­lia­ner Os­car sei­nen Stamm­platz längst ver­lo­ren. Bis nach Chi­na scheint die De­gra­die­rung des 25-jäh­ri­gen Mit­tel­feld­spie­lers aber nicht vor­ge­drun­gen zu sein, oder hät­te der Spit­zen­club SIPG trotz­dem 60 Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se­sum­me für den Na­tio­nal­spie­ler ge­zahlt? Auch die an­geb­li­che Ga­ge des Of­fen­siv­spie­lers in Fer­n­ost ist ziem­lich ir­ri­tie­rend. Die soll näm­lich nach dem Ver­eins­wech­sel bei rund 475 000 Eu­ro pro Wo­che lie­gen. Und ob­wohl es sich bei die­ser Sum­me, die von der se­riö­sen eng­li­schen Ta­ges­zei­tung „Ti­mes“stammt, nur um ei­nen ge­schätz­ten Be­trag han­delt, wird doch deut­lich, dass die chi­ne­si­sche Su­per Le­ague längst ein ernst­haf­ter Mit­bie­ter auf dem in­ter­na­tio­na­len Trans­fer­markt ge­wor­den ist. Beim FC Chel­sea je­den­falls kas­sier­te Os­car bis­her rund 108 000 Eu­ro wö­chent­lich, sei­ne Ge­halts­er­hö­hung beim neu­en Ar­beit­ge­ber ist ex­or­bi­tant. Ein Net­to­jah­res­ge­halt von 25 Mil­lio­nen Eu­ro für ei­nen eher durch­schnitt­li­chen Pro­fi wie Os­car dürf­te auch man­chen deut­schen Erst­li­gis­ten auf­schre­cken. Ne­ben der Pre­mier Le­ague ist ein wei­te­rer Kon­kur­rent auf­ge­taucht, der in punc­to Ab­lö­se und Ge­halt schein­bar kei­ne Li­mits kennt. Nimmt man die Ka­der der 16 chi­ne­si­schen Erst­li­gis­ten un­ter die Lu­pe, fal­len ei­nem vie­le prominente Na­men auf. Et­wa der Bra­si­lia­ner Hulk, Der wech­sel­te im ver­gan­ge­nen Som­mer von Ze­nit St. Pe­ters­burg eben­falls zu SIPG. Die nie öf­fent­lich de­men­tier­te Ab­lö­se­sum­me: 55,8 Mil­lio­nen Eu­ro. Zwei ech­te Ju­we­len, mit de­nen Luís An­dré de Pi­na Ca­b­ral e Vil­las Bo­as, so der kom­plet­te Na­men des por­tu­gie­si­schen SIPG-Trai­ners An­dré Vil­lasBo­as, pla­nen kann. Doch auch bei an­de­ren Clubs sitzt das Geld lo­cker. Die von der chi­ne­si­schen Staats­füh­rung ge­wünsch­te und ent­spre­chend for­cier­te Auf­wer­tung der Sport­art Fuß­ball hat bei den Spit­zen­clubs Ge­hör ge­fun­den. Dass es da­bei aber in ers­ter Li­nie um die Aus­bil­dung und Ent­wick­lung der Ta­len­te aus dem ei­ge­nen Land ge­hen soll­te, scheint schon in den Hin­ter­grund ge­ra­ten zu sein. Bei­spie­le ge­fäl­lig? Alex Tei­xei­ra kam für 50 Mil­lio­nen Eu­ro von Shakhtar Do­nezk zu JS Su­ning. GZ Ever­gran­de leis­te­te sich Jackson Mar­ti­nez (42 Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se, vor­her At­lé­ti­co Ma­drid). Ra­mi­res (vor­her FC Chel­sea) kos­te­te JS Su­ning 28 Mil­lio­nen Eu­ro. Da zählt der Ar­gen­ti­ni­er Car­lo Té­vez schon zu den Schnäpp­chen – SH Shen­hua zahlt an­geb­lich „nur“10,5 Mil­lio­nen Eu­ro an die Bo­ca Ju­ni­ors (Ar­gen­ti­ni­en). Al­ler­dings ist Té­vez auch schon 32 Jah­re alt. Ei­ner der ers­ten Pro­fis, die ihr Glück in Chi­na ver­such­ten, kam üb­ri­gens auch vom FC Chel­sea ins Reich der Mit­te: Ni­co­las Anel­ka. Das war im Som­mer 2011. Und der Fran­zo­se war da­mals ab­lö­se­frei. Wie es scheint, ist Chi­na auf dem bes­ten Weg, zum neu­en Pa­ra­dies ki­cken­der Söld­ner zu wer­den. Da­ran dürf­ten auch die vom Ver­band in­zwi­schen auf den Weg ge­brach­ten Hin­der­nis­se für die zu­letzt ab­ge­wi­ckel­ten Me­ga­trans­fers nicht viel än­dern. Die Clubs aus dem Fer­nen Os­ten sind im Kauf­rausch – und die „Re­ga­le“im eu­ro­päi­schen und süd­ame­ri­ka­ni­schen Fuß­ball ziem­lich voll mit nam­haf­ten und wech­sel­wil­li­gen Pro­fis.

Os­car kas­siert künf­tig 24 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr

Fast schon ein „Schnäpp­chen“für chi­ne­si­sche Ver­hält­nis­se: Car­los Té­vez wech­selt für ei­ne Ab­lö­se­sum­me von an­geb­lich 10,5 Mil­lio­nen Eu­ro von den Bo­ca Ju­ni­ors zu SH Shen­hua. Fo­tos: AFP

Der bis­lang teu­ers­te Chi­na-Im­port: Os­car bringt dem FC Chel­sea 60 Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se ein.

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