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Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Wolf­gang We­ber

Die Rück­kehr von Vo­ku­h­i­la?

Was ha­ben der VW Kä­fer, der Fi­at 500 und der Mi­ni Co­oper ge­mein­sam? Leicht zu er­ra­ten: Ei­gent­lich wer­den sie schon lan­ge nicht mehr ge­baut, aber in ih­ren „Re­tro-Ver­sio­nen“le­ben sie fröh­lich wei­ter und sor­gen für ei­ne ge­lun­ge­ne Ab­wechs­lung auf un­se­ren Stra­ßen. Re­tro ist groß in Mo­de – ge­ra­de in Zei­ten wie die­sen, in de­nen Heer­scha­ren von Men­schen wie mit Scheu­klap­pen durch die Städ­te ir­ren, den Blick starr auf ei­nen win­zi­gen be­leuch­te­ten Bild­schirm ge­rich­tet. An­ge­sichts vie­ler hoch­kom­ple­xer Ge­rä­te ist die Sehn­sucht nach den ein­fa­chen Din­gen im Le­ben wie­der be­son­ders stark. Das ha­ben Wis­sen­schaft­ler be­ob­ach­tet und Har­ry Gat­te­rer, ei­ner der Trend­for­scher des Deut­schen Zu­kunfts­in­sti­tuts, nennt als Bei­spie­le die Come­backs der Lang­spiel­plat­te, des Fil­ter­kaf­fees oder der Po­la­ro­id­ka­me­ra. Vor­aus­set­zung da­für, dass Al­tes wie­der auf­tau­che sei, dass es vor­her kom­plett – oder fast kom­plett – ver­schwun­den sein müs­se. „Erst das ga­ran­tiert, dass man sich nicht mehr an ih­re Ma­cken und Män­gel er­in­nert. Dann hat man ver­ges­sen, dass das Al­te mit dem Neu­en ei­gent­lich nicht mit­hal­ten kann“, sagt Gat­te­rer. Auch das Fern­se­hen er­in­nert sich bis­wei­len an sei­ne al­ten Er­fol­ge und übt sich in Re­tro – so flim­mern bei­spiels­wei­se Klas­si­ker wie „Tut­ti Frut­ti“oder „Ge­ni­al da­ne­ben“wie­der über die Bild­schir­me. Die ei­nen ha­ben ih­ren Spaß an Re­tro, die an­de­ren spre­chen von ei­ner Flucht aus dem Heu­te. Man den­ke nur an die Rock­mu­sik, wo im­mer und im­mer wie­der die glei­chen al­ten Re­cken durch die Lan­de tou­ren. Und im Ki­no läuft ge­fühlt das Glei­che wie in den 80er Jah­ren: Ob das jetzt „Te­enage Mu­tant Nin­ja Turt­les“, „Ghost­bus­ters“oder „Star Trek“heißt: Es war al­les schon mal da. Fehlt manch­mal viel­leicht auch ein­fach der Mut, et­was gänz­lich Neu­es zu kre­ieren? Wer­fen wir zum Ab­schluss noch ei­nen Blick auf die Mo­de. 2017, so hört man, sol­len die Schul­tern wie­der so breit wer­den, als wä­ren Klei­der­bü­gel dar­in ein­ge­näht. Frau­en tra­gen Vi­chy-Ka­ros und an al­te Ta­pe­ten er­in­nern­de Re­tro-Blu­men­mus­ter. Brei­te Gür­tel be­to­nen die Tail­le, Trom­pe­ten-, Keu­len- oder Bal­lo­när­mel bau­en seit­lich Vo­lu­men auf. Das al­les klingt sehr ver­däch­tig nach den 80er Jah­ren. Und wenn es jetzt auch noch ei­ne Re­tro­wel­le bei den Fri­su­ren gibt, dann tra­gen wir bald al­le wie­der vor­ne kurz und hin­ten lang, bes­ser be­kannt als Vo­ku­h­i­la. Au­ßer die Leu­te mit Glat­ze. Die sind eh im­mer am Puls der Zeit.

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