Gens­hei­mer wird spie­len

Hand­ball-WM: Deutsch­land auch heu­te ge­gen Chi­le mit Gens­hei­mer

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Bun­des­trai­ner Da­gur Si­gurds­son wird für das zwei­te WM-Spiel der deut­schen Hand­bal­ler heu­te (14.45 Uhr) ge­gen Chi­le auf Nach­no­mi­nie­run­gen ver­zich­ten. Wann Ka­pi­tän Uwe Gens­hei­mer zur Be­er­di­gung sei­nes Va­ters nach Mann­heim rei­sen wird, ist noch un­klar, doch im zwei­ten WM-Spiel soll er auf je­den Fall ein­ge­setzt wer­den.

Auch am Tag nach sei­ner Ga­la be­vor­zug­te Uwe Gens­hei­mer die Stil­le. Wäh­rend sei­ne Team­kol­le­gen im Ho­tel­foy­er bes­tens ge­launt über die nächs­te WM-Aufgabe par­lier­ten, such­te der Ka­pi­tän die Ab­ge­schie­den­heit sei­nes Zim­mers. Der plötz­li­che Tod sei­nes Va­ters, die Last-Mi­nu­te-An­rei­se nach Rou­en, dann der im­po­nie­ren­de 13-To­reAuf­tritt ge­gen Un­garn: Nach tur­bu­len­ten Ta­gen brauch­te Gens­hei­mer ges­tern Zeit für sich. „Er hat ei­ne un­heim­lich schwe­re Wo­che hin­ter sich und hat das überragend ge­macht“, sag­te Bun­des­trai­ner Da­gur Si­gurds­son und zoll­te sei­nem Le­a­der höchs­ten Re­spekt: „Ein­fach oh­ne Wor­te, wie er das schafft.“Und auch die Mann­schaft ver­neig­te sich vor ih­rem Ka­pi­tän. „Wahn­sinn, dass er im­stan­de war, so ei­ne Leis­tung ab­zu­ru­fen“, sag­te Ju­li­us Kühn. Der Rück­raum­spie­ler ha­be „auf dem Spiel­feld ei­ne Gän­se­haut ver­spürt“, als Gens­hei­mer das deut­sche Team we­ni­ge Ta­ge nach dem per­sön­li­chen Schick­sals­schlag zum ge­gen Un­garn führ­te. „Solche Ge­schich­ten schreibt nur der Sport“, sag­te Kühn. Stef­fen Fäth gab zu, „auch sehr mit­ge­nom­men“zu sein. „Vie­le Spie­ler wä­ren nicht ein­mal zu so ei­nem Tur­nier an­ge­reist. Dass er das so ge­macht hat, ist ein­fach überragend, welt­klas­se“, sag­te der Spiel­ma­cher. Im wahr­schein­lich schwers­ten Spiel sei­nes Le­bens hat­te Gens­hei­mer ei­nes sei­ner bes­ten Län­der­spie­le ge­zeigt. Kei­ne 24 St­un­den vor der Par­tie an­ge­reist, be­wies der Star von Pa­ris St. Ger­main bei acht ver­wan­del­ten Sie­ben­me­tern Ner­ven­stär­ke und traf im­mer dann, wenn es eng zu wer­den droh­te. Die Ge­dan­ken an sei­ne Fa­mi­lie, bei der er die Ta­ge vor dem Tur­nier ver­bracht hat­te, schie­nen ihn zu be­flü­geln. Noch vor dem Auf­takt­spiel hat­te Gens­hei­mer die Mann­schaft um sich ge­schart und ei­ne emo­tio­na­le Re­de ge­hal­ten. „Er hat ge­for­dert, dass man ganz nor­mal mit ihm um­geht. Und das ha­ben wir auch ge­macht“, sag­te Kühn. Kee­per Andre­as Wolf sprach von ei­ner „groß­ar­ti­gen An­sa­ge“, die Gens­hei­mers „Cha­rak­ter un­ter­streicht“. Auf die­sen Cha­rak­ter kön­nen die deut­schen Hand­bal­ler auch im zwei­ten Grup­pen­spiel ge­gen Chi­le zäh­len. Zwar wird Gens­hei­mer in der kom­men­den Wo­che noch zur Be­er­di­gung nach Deutsch­land rei­sen, doch heu­te (14.45 Uhr/hand­ball.dkb.de) ist der Welt­klas­se-Links­au­ßen de­fi­ni­tiv da­bei. Trotz ei­ni­ger kri­ti­scher Pha­sen ge­gen Un­garn ist das Selbst­ver­trau­en im deut­schen La­ger rie­sig, al­les an­de­re als ein Sieg ge­gen die Chi­le­nen wä­re ei­ne her­be Ent­täu­schung. „Wir sind in mei­nen Au­gen klar bes­ser“, sag­te Si27:23-Auf­takt­sieg gurds­son: „Das müs­sen wir auf dem Platz zei­gen.“Die Chan­cen auf den fest ein­ge­plan­ten zwei­ten Sieg be­zif­fer­te der Is­län­der auf 70:30. „Wir sind rou­ti­nier­ter, kör­per­lich stär­ker, ha­ben mehr Er­fah­rung und sind die bes­se­ren Hand­bal­ler“, sag­te Si­gurds­son. Tor­hü­ter Sil­vio Hei­ne­vet­ter, ne­ben Gens­hei­mer bes­ter deut­scher Ak­teur ge­gen Un­garn, warn­te aber da­vor, den Geg­ner zu un­ter­schät­zen, und be­zeich­ne­te die Chi­le­nen als „spiel­star­kes und sehr aus­ge­gli­che­nes Team“. Die Süd­ame­ri­ka­ner hat­ten ihr ers­tes Tur­nierSpiel ge­gen Weiß­russ­land mit 32:28 ge­won­nen. Es war ihr ers­ter Sieg bei ei­ner WM ge­gen ei­ne eu­ro­päi­sche Mann­schaft. Coach Si­gurds­son, der am Sonn­tag auf den sel­ben Ka­der wie im Un­garn-Spiel setzt, cha­rak­te­ri­sier­te die chi­le­ni­sche Spiel­wei­se als „schnell“, „ag­gres­siv“und „un­aus­re­chen­bar“. Den­noch soll Chi­le nur zu ei­ner wei­te­ren Zwi­schen­sta­ti­on auf der deut­schen Me­dail­len-Mis­si­on wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.