Dem Ter­ror zum Trotz

Deut­sche las­sen sich ih­re Rei­se­lust nicht ver­mie­sen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Avs

Drau­ßen Wind, leich­te Schnee­schau­er und Tem­pe­ra­tu­ren na­he am Ge­frier­punkt, drin­nen dich­tes Ge­drän­ge und lan­ge Schlan­gen: Für die Ver­an­stal­ter der „Ca­ra­van Mo­tor Tou­ris­tik“(CMT) auf dem Stutt­gar­ter Mes­se­ge­län­de war es ges­tern trotz wid­ri­ger Wet­ter­be­din­gun­gen ein Auf­takt nach Maß. „Wir sind mit dem Be­su­cher­an­drang mehr als zu­frie­den“, sag­te ein Mes­se­spre­cher. An den al­ler­meis­ten Stän­den der na­tio­na­len Tou­ris­mus-Bü­ros, Rei­se­ver­an­stal­ter und an­de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen war tat­säch­lich gro­ßer An­drang – das Ge­schäft in der Tou­ris­mus­bran­che ins­ge­samt brummt, das war auch auf der Mes­se zu spü­ren. Und der Ter­ror? Seit En­de 2015 hat­ten fürch­ter­li­che An­schlä­ge in Pa­ris, Niz­za, Istan­bul, Brüs­sel und Ber­lin die Welt er­schüt­tert – war das kein Dämp­fer für den Rei­se­drang der Deut­schen? Ei­ne un­längst pu­bli­zier­te Stu­die der For­schungs­ge­mein­schaft Ur­laub und Rei­sen (FuR) hat­te den Deut­schen erst am Frei­tag ei­ne wei­ter­hin gro­ße Rei­se­lust at­tes­tiert – trotz Ter­ror­bil­dern im Kopf. Der Stu­die zu­fol­ge stieg vor al­lem Spa­ni­en in der Gunst deut­scher Ur­lau­ber – vom Früh­jahr bis Herbst 2016 flo­gen 9,8 Mil­lio­nen Men­schen von deut­schen Flug­hä­fen in das ibe­ri­sche Land, zehn Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Ge­wis­ser­ma­ßen im Trend liegt da­mit die CMT-Be­su­che­rin Frie­de­ri­ke Mau­rer. „Wir wol­len im Som­mer nach Spa­ni­en“, sag­te sie. Ihr Mann stand ne­ben ihr und füg­te hin­zu: „Dort ist der Ter­ror glück­li­cher­wei­se noch nicht an­ge­kom­men.“Auf nach Spa­ni­en, Grie­chen­land oder in die Ka­ri­bik, an­statt nach Ägyp­ten, Tu­ne­si­en, Ma­rok­ko oder in die Tür­kei – so lässt sich der ter­ror­be­ding­te Trend zu­sam­men­fas­sen, den die FuR-Stu­die er­mit­telt hat­te. „Es ist fast schon ku­ri­os“, sag­te Ma­ik Ulitz­ka vom Rei­se­ver­an­stal­ter Tho­mas Cook auf der CMT. „Bei den is­la­mi­schen Län­dern merkt man es gra­vie­rend, in Eu­ro­pa ist da­ge­gen kaum ein Rück­gang spür­bar.“Tou­ris­mus-Or­ga­ni­sa­tio­nen, wel­che die ibe­ri­sche Halb­in­sel im Pro­gramm ha­ben, sind gu­ter Din­ge. „Spa­ni­en ist ge­ra­de sehr be­liebt“, sag­te Mar­ke­ting­ex­per­te Oli­ver Krä­mer vom über­re­gio­na­len Cam­ping-An- bie­ter Kn­aus Cam­ping­parks. Und wie sah es ei­gent­lich mit Frank­reich aus? An­schlä­ge in Pa­ris En­de 2015 und in Niz­za im Som­mer 2016 wa­ren Schock­nach­rich­ten. Al­so bloß nicht in das Nach­bar­land als deut­scher Ur­lau­ber? Pus­te­ku­chen – von so ei­ner Ein­stel­lung war rein gar nichts zu spü­ren auf der CMT: Es war prop­pen­voll am Frank­reichStand. „An­schlä­ge kön­nen schließ­lich über­all pas­sie­ren“, sag­te ein Be­su­cher.

Ges­tern öff­ne­te die Stutt­gar­ter Mes­se „Ca­ra­van Mo­tor Tou­ris­tik“(CMT) ih­re Tü­ren für das Pu­bli­kum, bis En­de des kom­men­den Wo­che­n­en­des wer­den rund 220 000 Be­su­cher er­war­tet. Fo­to: avs

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