Spaß in der „Räu­ber­burg“

Ein Be­such beim För­der­ver­ein für krebs­kran­ke Kin­der in Karls­ru­he

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Mo­ni­ka John

Mit flin­ken Fin­gern schnei­det das schwarz­haa­ri­ge klei­ne Mäd­chen bun­te Knet­mas­se zu­recht und rollt sie zu Ku­geln. Der haar­lo­se klei­ne Jun­ge spielt mit ei­ner eh­ren­amt­li­chen Be­treue­rin im Kauf­la­den. Die Kin­der sind krebs­krank. Hier in der „Räu­ber­burg“auf dem Ge­län­de des Städ­ti­schen Kli­ni­kums Karls­ru­he, ganz in der Nä­he der Kin­der­kli­nik, wer­den sie in War­te­zei­ten zwi­schen Be­hand­lun­gen be­treut. Ge­schwis­ter­kin­dern wird hier die War­te­zeit ver­süßt. Fa­mi­li­en­mit­glie­der fin­den et­was Ablen­kung. „Wir sind glück­lich, dass wir die ,Räu­ber­burg‘ ha­ben“, sagt Mar­ga­re­ta Hö­fe­le, die Vor­sit­zen­de des För­der­ver­eins für krebs­kran­ke Kin­der. Vor zwei Jah­ren konn­ten sie mit Sack und Pack aus dem un­te­ren Foy­er in der Kin­der- und Frau­en­kli­nik in die „Räu­ber­burg“um­zie­hen. Hier, in dem licht­durch­fluak­ti­ve te­ten, halb­run­den Spiel- und Auf­ent­halts­raum do­mi­niert Glas. Nicht nur an der ge­run­de­ten Wand – auch ein Ober­licht spen­det reich­lich Hel­lig­keit. Der Raum ver­mit­telt Fröh­lich­keit, Spie­le sta­peln sich, ei­ne gro­ße, höl­zer­ne Ei­sen­bahn, Pup­pen und Pup­pen­klei­der, ein Tisch­fuß­ball­spiel und vie­les an­de­re war­ten hier auf flei­ßi­ge Kin­der­hän­de. Ti­sche und Stüh­le für El­tern und Kin­der la­den zum Ver­wei­len ein. Es duf­tet nach frisch ge­brüh­tem Kaf­fee. Für Pa­ti­en­ten­kin­der, die Ru­he brau­chen, ist ein Ru­he­raum mit Bett ein­ge­rich­tet. Fer­ner gibt es ei­ne Wi­ckel­kom­mo­de und ei­ne sehr gut aus­ge­stat­te­te Kü­che. „Wir be­treu­en Pa­ti­en­ten­kin­der und de­ren Ge­schwis­ter wo­chen­tags von 10 bis 17 Uhr und den­ken dar­an, dem­nächst auch an den Sonn­tag­nach­mit­ta­gen un­ser Haus zu öff­nen“, lässt die Vor­sit­zen­de wis­sen. Ge­schwis­ter­kin­der sei­en sehr häu­fig durch die Er­kran­kung von Schwes­ter oder Bru­der be­son­ders be­las­tet. Auch be­trof­fe­ne El­tern nütz­ten den Treff­punkt ger­ne, um sich aus­zu­tau­schen. Neu­lich erst wur­de Hö­fe­le für ihr nun­mehr 20-jäh­ri­ges eh­ren­amt­li­ches En­ga­ge­ment als Vor­sit­zen­de des För­der­ver­eins von Mi­nis­ter­prä­si­dent Kret­sch­mann ge­ehrt. In den Me­di­en ha­be es ge­hei­ßen, sie sei ei­ne be­trof­fe­ne Mut­ter. „Nein“, stellt Mar­ga­re­ta Hö­fe­le rich­tig. „Das bin ich nicht. Ich en­ga­gie­re mich aus Dank­bar­keit. Weil mir ein sol­ches Schick­sal er­spart ge­blie­ben ist. Der För­der­ver­ein fi­nan­ziert sich aus Spen­den, Mit­glieds­bei­trä­gen, den Er­lö­sen von Ver­an­stal­tun­gen und auch aus Erb­schaf­ten. So sei der Bau der „Räu­ber­burg“, für den der För­der­ver­ein ei­ne run­de Mil­li­on Eu­ro hin­blät­tern muss­te, ei­ner grö­ße­ren Erb­schaft zu ver­dan­ken. Schon 2002 hat der För­der­ver­ein in der Molt­ke­stra­ße „das Karls­ru­her El­tern­haus“mit neun Zim­mern und Auf­ent­halts­räu­men in Be­trieb ge­nom­men. Dort dür­fen die Fa­mi­li­en­mit­glie­der von be­trof­fe­nen Kin­dern wäh­rend de­ren Be­hand­lung kos­ten­los woh­nen. Der Un­ter­halt von El­tern­haus und „Räu­ber­burg“sei der­zeit das Haupt­an­lie­gen des Ver­eins. Da­ne­ben aber un­ter­stüt­ze man häu­fig be­trof­fe­ne Fa­mi­li­en, die in Not ge­ra­ten, weil die Mut­ter nicht mehr ar­bei­ten kann. „Wenn bei­spiels­wei­se die Wasch­ma­schi­ne ka­putt geht, ist das Dra­ma groß, dann kau­fen wir ei­ne neue“sagt Hö­fe­le. Oder wir stat­ten die Kin­der ei­ner Fa­mi­lie mit Win­ter­klei­dung aus. „Wir prü­fen sehr ge­nau und ver­ge­ben nur Sach­wer­te“, be­tont sie. „Nein, von der Stadt be­kom­men wir kei­ne Un­ter­stüt­zung“, ant­wor­tet sie auf die ent­spre­chen­de Fra­ge. „Das wol­len wir auch nicht.“Der Ver­ein zählt 50 Mit­glie­der, die je­de Wo­che für je zwei bis drei St­un­den die Kin­der in der „Räu­ber­burg“be­treu­en. Es sind al­le Al­ters­klas­sen dar­un­ter, al­le mög­li­chen Be­ru­fe, auch Stu­den­ten. „Wir füh­ren Ge­ne­ra­tio­nen zu­sam­men. Da sind vie­le Freund­schaf­ten ent­stan­den“, sagt Mar­ga­re­ta Hö­fe­le.

Für will­kom­me­ne Ab­wechs­lung sorg­te kürz­lich Kli­nik­clown Do­do (Gerd Öt­tin­ger), der die Kin­der (von links: De­nis, Lil­ly und Erik) bei ei­nem Fest in der „Räu­ber­burg“be­such­te. Der För­der­ver­ein für krebs­kran­ke Kin­der bie­tet krebs­kran­ken Kin­dern so­wie de­ren El­tern und Ge­schwis­ter psy­chi­sche und so­zia­le Hil­fe. Fo­tos: Fa­b­ry

Ver­eins­vor­sit­zen­de Mar­ga­re­ta Hö­fe­le spricht mit dem klei­nen Erik.

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