Sonn­täg­li­ches Lu­xus-Shop­pen

Pa­ris setzt auf gut be­tuch­te Tou­ris­ten

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen - AFP

Beim Klang die­ser Na­men schlagen die Her­zen von Shop­ping-Fans hö­her: Prin­temps, Ga­le­ries La­f­ay­et­te, Bon Mar­ché, BHV Ma­rais – die be­rühm­ten Lu­xus­kauf­häu­ser in Pa­ris sind Kon­sum­tem­pel mit ma­gi­scher An­zie­hungs­kraft. In­zwi­schen er­laubt ein Ge­setz es die­sen Grands Ma­gas­ins, je­den Sonn­tag im Jahr zu öff­nen. Das lässt man sich in den be­rühm­ten Ga­le­ries La­f­ay­et­te am Bou­le­vard Haus­s­mann nicht zwei Mal sa­gen. Die Be­trei­ber er­war­ten klin­geln­de Kas­sen – ei­ni­ge Ge­werk­schaf­ten knir­schen aber mit den Zäh­nen. Fünf bis zehn Pro­zent mehr Um­satz er­hof­fen sich die Kauf­haus-Ma­na­ger durch die neue Frei­heit. Sonn­tags sol­len all die Kun­den kom­men, die un­ter der Wo­che oder am Sams­tag kei­ne Zeit ha­ben, sich nach neu­en Klei­dern, Hand­ta­schen oder Par­füms um­zu­se­hen. Ei­ne be­son­ders wich­ti­ge Ziel­grup­pe sind die Tou­ris­ten. Denn die Lu­xus­kauf­häu­ser, die ver­gleich­bar sind mit dem Ber­li­ner KaDeWe oder Har­rods in Lon­don, ma­chen nach ei­ge­nen An­ga­ben rund 50 Pro­zent ih­res Um­sat­zes mit aus­län­di­schen Tou­ris­ten. Der Ein­zel­han­del warn­te im­mer wie­der, gut be­tuch­te Tou­ris­ten könn­ten Pa­ris am Wo­che­n­en­de den Rü­cken keh­ren und Ma­drid oder Lon­don be­vor­zu­gen, wo sich am Sonn­tag shop­pen lässt. Ein Han­dels­ver­band rech­ne­te vor, dass al­lein den bei­den Kauf­hausFlagg­schif­fen Prin­temps und Ga­le­ries La­f­ay­et­te bis­lang je­des Jahr zwi­schen 168 und 240 Mil­lio­nen Eu­ro ent­gan­gen sei­en, weil sie nicht je­den Sonn­tag öff­nen konn­ten. Dem Drän­gen der Bran­che gab schließ­lich die so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rung nach. Im Som­mer 2015 wur­de ein höchst um­strit­te­nes Re­form­ge­setz ver­ab­schie­det, das un­ter an­de­rem die Re­geln zur Sonn­tags­ar­beit lo­cker­te. Das Ge­setz sieht vor, dass Ge­schäf­te in so­ge­nann­ten in­ter­na­tio­na­len Tou­ris­mus­zo­nen je­den Sonn­tag im Jahr öff­nen dür­fen. Not­wen­dig ist aber ei­ne Ver­ein­ba­rung zwi­schen Un­ter­neh­mens­lei­tung und Ge­werk­schaf­ten. Das ge­stal­te­te sich in man­chen Fäl­len äu­ßerst schwie­rig, denn vie­le Ge­werk­schaf­ten sind strikt ge­gen die Sonn­tags­ar­beit. Die Ver­hand­lun­gen zo­gen sich viel­fach Mo­na­te hin. Als letz­tes der Grands Ma­gas­ins er­ziel­te Prin­temps ei­ne Ei­ni­gung mit den Ge­werk­schaf­ten. Die Mit­ar­bei­ter be­kom­men an Sonn­ta­gen dop­pelt so viel Ge­halt wie un­ter der Wo­che so­wie ei­ne fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung für die Be­treu­ung ih­rer Kin­der. Prin­temps will ab dem Früh­ling je­den Sonn­tag öff­nen. Schon seit Som­mer 2016 hat das BHV Ma­rais je­den Sonn­tag ge­öff­net, in dem schi­cken Kauf­haus des Pa­ri­ser Sze­ne­vier­tels hat­ten Ma­nage­ment und Ge­werk­schaf­ten zu­vor die ers­te ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen. „Die Bi­lanz ist äu­ßerst po­si­tiv“, freut sich die Ge­schäfts­lei­tung. Der Um­satz stieg nach ih­ren An­ga­ben um zehn Pro­zent, der Sonn­tag sei in­zwi­schen nach dem Sams­tag der ver­kaufs­stärks­te Tag der Wo­che. „Es gibt un­be­strit­ten ein wah­res Ver­lan­gen der Kund­schaft“, sagt die Ge­schäfts­lei­tung. Es sei­en au­ßer­dem neue Kun­den ge­won­nen wor­den, die vor­her nicht in das Kauf­haus ge­kom­men sei­en. Durch die Öff­nung am Sonn­tag wür­den neue Ar­beits­plät­ze ge­schaf­fen, wer­ben die Kauf­häu­ser. Die Ga­le­ries La­f­ay­et­te, die am ver­gan­ge­nen Sonn­tag dem Bei­spiel von BHV Ma­rais folg­ten, ha­ben schon 330 neue Mit­ar­bei­ter ein­ge­stellt. Doch in die Ju­bel­ru­fe wol­len vie­le nicht ein­stim­men. Lin­ke Ge­werk­schaf­ten wie Force Ou­vriè­re und die CGT kri­ti­sie­ren die Sonn­tags­ar­beit als so­zia­len Rück­schritt. Die Ge­gen­leis­tun­gen für die Mit­ar­bei­ter sei­en ei­ne „Mo­gel­pa­ckung“– wenn sich die Sonn­tags­ar­beit erst ein­mal ein­ge­bür­gert ha­be, kön­ne mit den üp­pi­gen Zu­schlä­gen schnell wie­der Schluss sein. CGT und Force Ou­vriè­re stemm­ten sich ge­gen Ver­ein­ba­run­gen mit den Kauf­haus­ma­na­gern, wur­den aber von an­de­ren Ge­werk­schaf­ten über­stimmt.

„Ich be­reue nichts“, sagt Ana Obar­rio. Die Ar­gen­ti­nie­rin gab als 18-Jäh­ri­ge ih­ren Traum von ei­ner in­ter­na­tio­na­len Ten­nis­kar­rie­re ih­rem Mann zu­lie­be auf. Heu­te ist sie 83 Jah­re alt und ge­winnt in der Se­nio­ren­klas­se ein Tur­nier nach dem an­de­ren. Fo­to: AFP

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