Die Zeit für Kor­rek­tu­ren

VfL Wolfs­burg nutzt Trans­fer­pe­ri­ode

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Tre­bing

Wenn die Win­ter­pau­se in den deut­schen Bun­des­li­gen be­gon­nen hat, dann rei­ben sich die Spie­ler­be­ra­ter die Hän­de. Jetzt ist die Zeit der Kor­rek­tu­ren bei den Clubs ge­kom­men. Ver­meint­li­che Ver­stär­kun­gen wer­den ver­pflich­tet, un­zu­frie­de­ne oder nicht mehr be­nö­tig­te Re­ser­vis­ten zum Ver­kauf oder zur Aus­lei­he an­ge­bo­ten. Die gro­ßen Sum­men wer­den auf dem Trans­fer­markt zwei­fel­los im Som­mer be­wegt, doch auch jetzt fließt im­mer noch viel Geld. Ein be­son­ders prä­gnan­tes Bei­spiel da­für bie­tet ge­ra­de der sport­lich aus der Spur ge­ra­te­ne VfL Wolfs­burg. Die de­mons­tra­tiv zur Schau ge­tra­ge­ne Un­lust von Welt­meis­ter Ju­li­an Drax­ler wur­de am En­de doch noch „ho­no­riert“. Statt wei­ter Frust in der nie­der­säch­si­schen Pro­vinz schie­ben zu müs­sen, darf der To­tal­ver­wei­ge­rer nun bei Pa­ris St. Ger­main den Neu­an­fang wa­gen. Rund 40 Mil­lio­nen Eu­ro sol­len als Ab­lö­se auf das Kon­to der „Wöl­fe“ge­flos­sen sein – viel (zu viel) Geld für ei­nen Pro­fi, des­sen Be­rufs­ein­stel­lung man ir­gend­wo zwi­schen man­gel­haft und un­ge­nü­gend be­wer­ten müss­te. Im­mer­hin durf­te All­ofs-Nach­fol­ger Vol­ker Reb­be mit die­sem Geld so­fort und aus­gie­big auf Shop­ping-Tour ge­hen. Sa­ge und schrei­be 33 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tier­te der Werks­club in das Quar­tett Yu­nus Mal­li (vor­her FSV Mainz 05; ge­schätz­te Ab­lö­se: 12,5 Mil­lio­nen Eu­ro), Rie­ched­ly Ba­zo­er (Ajax Ams­ter­dam; 12 Mil­lio­nen Eu­ro), Paul-Ge­or­ges Ntep (Sta­de Ren­nes; 5 Mil­lio­nen Eu­ro) und Vic­tor Osim­hen (Ul­ti­ma­te Stri­kers Aca­de­my Ni­ge­ria;

Bad­stu­ber sucht sei­ne Chan­ce nun bei Schal­ke

3,5 Mil­lio­nen Eu­ro). Al­ler­dings dürf­te sich das Per­so­nal­ka­rus­sell trotz­dem wei­ter dre­hen. Der Club will ei­nen ra­di­ka­len Schnitt und die Lis­te der de­mo­ti­vier­ten Ki­cker, de­nen man kei­ne St­ei­ne in den Weg le­gen wür­de, ist ent­spre­chend lang: Luiz Gus­ta­vo, Vieirin­ha, Ri­car­do Ro­d­ri­guez oder Ko­en Cas­teels – sie al­le dür­fen ge­hen, wenn die Ab­lö­se stimmt. Doch das „Groß­rei­ne­ma­chen“in Wolfs­burg ist si­cher un­ty­pisch für die ak­tu­el­len Wech­sel. RB Leip­zig et­wa in­ves­tiert wie­der ein­mal je­de Men­ge Geld in die Zu­kunft: Der erst 18jäh­ri­ge In­nen­ver­tei­di­ger Dayot Upa­me­ca­no wech­selt für rund zehn Mil­lio­nen Eu­ro zum Auf­stei­ger. Im­mer­hin bleibt das Geld in der „Fa­mi­lie“, denn auch der ab­ge­ben­de Ver­ein RB Salz­burg ge­hört schließ­lich zum Red Bull-Im­pe­ri­um von Dietrich Ma­te­schitz. Das bis­lang größ­te Plus im Win­ter-Trans­fer­ge­schäft hat üb­ri­gens der FSV Mainz 05 er­wirt­schaf­tet: 12,5 Mil­lio­nen Eu­ro für Mal­li (sie­he: VfL Wolfs­burg) und 2,75 Mil­lio­nen Eu­ro für Chris­ti­an Cle­mens (zum 1. FC Köln) brin­gen zu­sam­men über 15 Mil­lio­nen Eu­ro in die Ver­eins­kas­se der „05-er“. Doch manch­mal geht es nicht nur ums Geld, wenn ein Spie­ler wech­selt. Hol­ger Bad­stu­ber bei­spiels­wei­se ge­hört zur gro­ßen Schar der aus­ge­lie­he­nen Pro­fis, die ih­ren Hei­matclub nur tem­po­rär ver­las­sen. Bei Bay­ern Mün­chen war der Na­tio­nal­spie­ler das per­so­ni­fi­zier­te Pech. Schwe­re Ver­let­zun­gen war­fen den In­nen­ver­tei­di­ger im­mer wie­der zu­rück. Das kos­te­te ihn schon lan­ge den eins­ti­gen Stamm­platz in der bay­ri­schen De­fen­siv­ket­te. Doch über die Re­ser­vis­ten­rol­le kommt er auch nach sei­nem x-ten Come­back beim Re­kord­meis­ter wohl kaum hin­aus. Sei­nen Wunsch, un­be­dingt zu spie­len, re­spek­tier­ten die Bay­ern. Vor­erst bis zum Sai­son­en­de wird Bad­stu­ber für den FC Schal­ke 04 ki­cken – so­fern er un­ver­letzt bleibt. An­de­re In­ter­es­sen­ten wie der Ham­bur­ger SV oder der VfB Stutt­gart blitz­ten ab. Wenn Ma­na­ger sich im Win­ter auf Spie­ler­su­che be­ge­ben, dann hat dies oft mit ei­nem dro­hen­den Ab­stieg zu tun. Oder zu­min­dest der Angst da­vor. Des­halb hat Max Eberl auch 7,5 Mil­lio­nen Eu­ro aus­ge­ge­ben, um die kri­seln­de Ab­wehr von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach mit dem fran­zö­si­schen Na­tio­nal­spie­ler Ti­mo­thée Ko­lod­zie­jcz­ak zu ver­stär­ken. Ob sich die­se In­ves­ti­tio­nen mit­ten in der Sai­son tat­säch­lich loh­nen, wird in ers­ter Li­nie die Ta­bel­le ent­schei­den. Ab­ge­rech­net wird am 34. Spiel­tag.

Ab­schied aus Mainz – Yu­nus Mal­li soll beim VfL Wolfs­burg mit­hel­fen, den Klas­sen­er­halt zu si­chern. Für ihn über­wie­sen die „Wöl­fe“rund 12,5 Mil­lio­nen Eu­ro (Qu­el­le: trans­fer­markt.de) an den FSV. Fo­tos: avs

Tem­po­rä­rer Tri­kot­wech­sel – Hol­ger Bad­stu­ber (links) spielt bis zum Som­mer beim FC Schal­ke 04.

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